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Ein knapp einstündiger Film, der in den Anfangstagen der Pandemie komplett über Zoom gedreht wurde, soll der furchteinflößendste Horrorfilm des Jahres 2020 sein? Aber hallo!

Es fängt ganz unschuldig an: Fünf Freundinnen treffen sich online zu einer Zoom-Séance mit einer professionellen Geisterbeschwörerin, um etwas Abwechslung ins Lockdown-Leben zu bringen. Nervös wird gewitzelt, ein Trinkspiel vereinbart für jedes Mal, wenn die Spiritualistin „astral plane“ sagt – und dann beginnt der Spuk…

Wie schon die beiden anderen Meilensteine des Found Footage-Subgenres, BLAIR WITCH PROJECT und PARANORMAL ACTIVITY, nutzt HOST die Limitierung seines Mediums voll zum Vorteil aus. Die statischen Einstellungen, bei denen jeden Augenblick etwas im Hintergrund passieren kann, die Schleichgänge durch dunkle Wohnungen mit dem Laptop/Handy als einzige Lichtquelle und die technischen Störungen während der Videokonferenz – all das wird hier zu Gunsten eines nahezu perfekten Schockers eingebunden und instrumentalisiert. Von creepy Atmosphäre bis zu heftigsten Jumpscares spielt Regisseur Rob Savage in seinem Langfilmdebüt gekonnt alle Mechaniken eines guten Horrorfilms durch und tatsächlich mag man spätestens nach dem ersten Viertel des Films den Blick nicht mehr vom Bildschirm abwenden, in jedem Frame könnte etwas Unerwartetes geschehen.

Die einzige Schwäche des Films ist typisch für das Subgenre: Es leuchtet auch hier einfach nicht ein, dass die Protagonisten ihre mobilen Endgeräte überall hin mitnehmen, zudem auch noch so, dass wir als Zuschauer immer den besten Blick aufs Geschehen haben. Aber hat man diesen Gedanken mal losgelassen, kann man sich hier mal wieder herrlich durchschocken lassen.

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