Review

Ein grauhaariger New Yorker, allein mit dem Auto unterwegs, sucht auf einem längeren Wanderweg im Osten der USA, dem Apalachian Trail, nach seiner seit 6 Wochen abgängigen Tochter. Doch wo auch immer er sich in dem kleinen Dorf im bergigen Virginia, von wo das letzte Lebenszeichen stammte, nach Jen (Charlotte Vega) erkundigt, erntet er nur mißtrauische Blicke und bekommt ausweichende Antworten. Aus dieser Perspektive der Gegenwart springt der Film dann 6 Wochen zurück und zeigt die Vermisste an ebenjenem Ort, wo sie mit fünf Gleichgesinnten gerade in dem kleinen Ort ankommt. Die jungen Leute können mit den verschlossenen, rückständig wirkenden Einheimischen allerdings keineswegs warm werden und werden sogar offen angefeindet, was sie jedoch nicht davon abhält, ihre Wandertour hier zu beginnen. Den Ratschlag der Pensionsinhaberin, die gekennzeichneten Pfade bloß nicht zu verlassen, schlagen sie allerdings in den Wind, da eine Abkürzung einfach zu verlockend scheint. Doch kaum sind sie quer durch den bergigen Wald unterwegs, geraten sie (welch Überraschung!) in eine Falle, in der ein riesiger, auf sie zurollender Baumstaum sie zu erschlagen droht. Doch nur einer von ihnen muß dran glauben, was die fünf leicht verletzt Überlebenden allerdings keineswegs zusammenstehen läßt, sondern im Gegenteil einen heftigen Streit unter ihnen auslöst. Bald stellt sich heraus, daß sie sich auf dem mit zahlreichen Fallen gesicherten Territorium einer selbsternannten (titelgebenden) Foundation befinden, einer Sekte, die dort seit knapp 150 Jahren von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt nach eigenen Regeln haust...

Um auch mit dem insgesamt 7. Teil des Horror-Fanchises Wrong Turn Kasse zu machen, mußte sich die Regie etwas einfallen lassen und verfiel dabei auf die grandiose(?) Idee, statt eines weiteren Sequels einen sogenannten Reboot zu verfilmen. Trotz einiger zumindest interessanter Ideen jedoch ging der Schuß nach hinten los, da das Drehbuch einerseits dieselben, schon viel zu oft gesehenen blöden Fehler wiederholt (uninteressante Darsteller, Einzelkämpfer-Ambitionen statt Teamgeist, grob unlogisches Verhalten etc.) und es andererseits keineswegs schafft, seine neuen Aspekte (Geheimsekte statt degenerierter Hinterwäldler, suchender Familienangehöriger, verschiedene zeitliche Perspektiven etc.) so umzusetzen, daß sich daraus eine halbwegs spannende Handlung ergibt.

Während die zerstrittenen jungen Leute mangels Hilfsmöglichkeiten beschließen, vorerst im Wald zu bleiben, wird die Foundation, deren Mitglieder mit Tierfellen und -masken getarnt allgegenwärtig scheinen, als eine vermeintlich interessante Gemeinschaft vorgestellt: die Backpacker bemerken sie zunächst am frühen Morgen, als sie feststellen, auf einer Wiese voller Grabsteine übernachtet zu haben. Die Schlußfolgerungen daraus führen allerdings erneut zu Streitereien, und da ein Mädchen plötzlich fehlt, geraten die anderen erneut in kopflose Panik und lösen dadurch weitere Fallen aus, die aber zumindest nicht tödlich enden, da dem Film mangels juveniler Opfer ansonsten wohl zu schnell der Stoff ausgegangen wäre. So also beobachten die übrig Gebliebenen, wie zwei Waldmenschen einen ihrer Kollegen an einer Stange angebunden durch den Wald schleppen und versuchen todesmutig, diese daran zu hindern, was dem Angebundenen Gelegenheit verschafft, sich wundersam schnell selbst zu befreien und seinerseits einem der Maskierten den Schädel einzuschlagen. Der Andere ist unter den Blicken von gleich drei Campern plötzlich verschwunden - ja, Sachen gibts.

Weil aber das Drehbuch die titelgebende Geheimgesellschaft zunehmend in den Vordergrund rücken will, finden sich die restlichen Überlebenden dann irgendwann allesamt gefangen vor einem Tribunal der Waldmenschen wieder, welches nur der spätestens ab diesem Zeitpunkt unzweifelhaft zum final girl erklärten Jen überhaupt zu reden erlaubt. Jen, soviel steht für den geneigten Genre-Freund fest, wird also am Ende überleben, aber wie sie das macht, ist wiederum völlig an den Haaren herbeigezogen. Die geschilderten Lebensumstände der Sekte, die sich im Mittelteil des Films selbst präsentieren darf, enthalten gewisse gesellschaftskritische Töne, tatsächlich aber stechen die Maskierten ihren "Feinden" die Augen aus und lassen diese in unterirdischen Höhlen sich gegenseitig selbst auffressen - eine wirklich sympathische(?) Truppe.

Verschenktes Potential gibt es auch bei den drei jugendlichen Pärchen, deren Zusammensetzung (die blonde Jen und ihr schwarzer Freund, eine flippig-coole Medizinstudentin mit impulsivem Alpha-Tier an ihrer Seite sowie ein - vermutlich - pakistanisch-indonesisches schwules Pärchen) ganz offensichtlich nur dem Zeitgeist geschuldet ist und keinerlei Bezug zur,  oder Auswirkungen auf den Fortgang der Story hat.
Das größte Ärgernis aber ist die oftmals völlig unlogische Verhaltensweise der jungen Wanderer: wenn man sich beobachtet fühlt und merkt, daß ein übermächtiger Gegner allüberall mit Stolperdrähten auszulösende tödliche Fallen installiert hat, ist es wohl das Allerdümmste, einfach so querfeldein zu rennen. Das gilt auch für das letzte Filmviertel, wo sich das Geschehen wieder in die Gegenwart verlagert: zwei bewaffnete Einheimische, die um die Sekte wissen, erwischt es schon bei den ersten Falle, aber deren Auftraggeber hüpft fröhlich weiter durch den Wald, wo es dann ganz plötzlich Nacht ist - Letzteres ein Beispiel für das teils miserable Timing, über welches der genervte Zuseher zum wiederholten Male nur den Kopf schütteln kann.

Während sich der Gore-Anteil (gemessen an den bisherigen Wrong Turn-Teilen) im Mittelfeld bewegt (ein schlecht gemachter zerquetschter Schädel, das Ausstechen der Augen im Gegenschnitt, eingeschlagene Schädel zumindest lange genug im Fokus) und der Film hier wenigstens einen kleinen Pluspunkt verbuchen kann, verläßt die Story am Schluß dann endgültig den bekannten Weg gegenseitiger Dezimierung und kulminiert in einem nicht unerwarteten, aber kuriosen, in den Film integrierten Epilog, als man schon den Abspann erwartet. Der kommt indes etwas später und sollte übrigens unbedingt ansehen werden, um das eigentliche Ende der Geschichte nicht zu versäumen - sofern man nicht schon vorzeitig abgedreht hat.

Fazit: Die befürchtet repetitive Story mit weitgehend unsympathischen Darstellern, welche das mit dem Etikett Reboot gesteckte Ziel meilenweit verfehlt (absolut kein Vergleich mit z.B. Teil 1 und der grandiosen Eliza Dushku) und mangels gut umgesetzter neuer Ideen (der Einfall mit der ach so tollen Geheimsekte erweist sich als Rohrkrepierer) auch keineswegs spannend - macht in Summe gerade mal 2 Punkte.

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