Review
von Leimbacher-Mario
Mit Leib und Seele
„Onward“ im Frühjahr fand ich gut, ein solides Abenteuer - aber mit „Soul“ war es vom Feeling her wieder Zeit für ein wahrhaftiges Pixar-Meisterwerk a la „Toy Story“ oder „Wall-E“. Zumindest waren das meine Erwartungen. Hoch, aber für diese Ausnahmefirma zum Glück oft genug und noch immer alles andere als unerreichbar... Handlung: ein leidenschaftlicher Pianist, Jazzmusiker und Mittelschullehrer hat womöglich den Abend seines Lebens vor sich, endlich den gewünschten Gig erspielt - doch dann ist er unvorsichtig und es geschieht ein Unglück. Er stirbt. Doch das passt ihm natürlich gar nicht in den Kram und er hat anderes im Sinn als das Jenseits...
Ein „Kinderfilm“ über die Seele? Über den Tod? Über die Bildung von menschlichen Charaktern? Über den Sinn des Lebens? Über abstrakte „Figuren“ und Mächte der Natur? Jup, da bräuchte es meinen ersten Absatz gar nicht, da weiß jeder, das kann nur von Pixar kommen. Und „Soul“ liefert absolut ab. Viel mehr als nur ein erweiterter „Inside Out“, viel mehr als nur ein Musikfilm, ein Kinderfilm, eine Körpertauschkomödie, ein New York-Film, ein Animationsfilm. Denn all diese kleinen Teilchen ergeben eine explosiv-emotionale Klaviatur, die Ihresgleichen suchen muss. Selbst bei Pixar. Und das will etwas heißen. Die souligen und jazzigen Töne sind einfach klasse und lassen im Takt wippen, der Look ist eine famose Mischung aus fotorealistischen Hintergründen und comichaften, aber dennoch detaillierten Figuren, die Synchronsprecher (vor allem im O-Ton!) sind wie gewohnt erstklassig (Tina Fey als „22“ sticht heraus). Das Drehbuch ist frech, mutig und erwachsen. Doch all das ist im Grunde fast B-Note. Herausragend, aber nicht das, was bleibt. Das ist viel mehr das Gefühl, mit dem einem dieser Ausnahmefilm entlässt - und mit dem man jeden Windzug, jede Musiknote und die noch so fettigste Pizza mit frischen, eindringlichen und erquickenden Augen sieht. „Soul“ kann einen forttragen und das Leben enorm bereichern, fast wie eine süße Frischzellenkur. Mission Accomplished.
Fazit: die besten Filme lassen nicht nur Probleme verblassen, sondern direkt das komplette Leben stärker und schöner fühlen als zuvor. Währenddessen und auch nach dem Abspann. „Soul“ hat das nicht nur als Kernthema - sondern ist auch ein Paradebeispiel für diese goldene, rare Qualität. Fast alle Töne getroffen, enorm viele Emotionen angesprochen. Pixars reifster und abstraktester Film bisher. Ein Brett.