iHaveCNit: Soul (2020)
Heimkino (Veröffentlichung auf Disney+: 25.12.2020)
03.01.2021
Es ist aktuell traurig, dass wir nicht ins Kino gehen können und es ist traurig, dass infolge der aktuellen Situation auch einige Filme nie den Weg ins Kino finden werden, weil die involvierten Studios andere Wege der Veröffentlichung gehen. Einer der Filme, den ich noch im letzten Jahr auf meiner Liste fürs Kino hatte, aber nicht sehen konnte und nun auf Disney+ nachgeholt habe, ist das neue großartige Werk „Soul“ von Pixar und dem Regisseur Pete Docter, der bereits unter anderem „Alles Steht Kopf“ inszeniert hat.
Joe Gardner träumte sein ganzes Leben lang von einer Karriere als Jazzmusiker. Der begabte Pianist unterrichtet Musik an einer Schule und erhält sogar ein Angebot als Vollzeitlehrer für Musik angestellt zu werden. Doch er ist damit nicht glücklich. Durch glückliche Umstände bekommt er jedoch die Gelegenheit seine Fähigkeiten unter Beweis zu stellen als er eine berühmte Sängerin in deren Band bei einem Gig am gleichen Abend begleiten darf. Von dieser Gelegenheit überwältigt passt er einen Moment nicht auf und findet sich im Jenseits wieder. Mit seinem Schicksal möchte er sich jedoch nicht abfinden und gerät durch Zufall in die Ebene des Davorseits, indem junge Seelen ihre Charaktereigenschaften bekommen und auf die Erde entlassen werden. Er wird durch Zufall der rebellischen Seele 22 als Mentor zugeordnet und merkt, dass sein Weg auf die Erde zurück doch schwieriger ist als gedacht.
„Soul“ ist ein großartiger Film. Die Geschichte des Jazzmusikers Joe Gardner in einer Midlife-Crisis mag zwar keine passende Identifikationsfigur für junge Zuschauer sein, aber Animationsfilme auch aus dem Hause „Pixar“ müssen ja auch nicht zwangsläufig ausschließlich für Kinder konzipiert sein. Aber dafür funktioniert der großartig animierte Film mit Sequenzen in einem fast fotorealistischen New York und einer sehr abstrakt animierten Welt, die sowohl Jenseits als auch Davorseits darstellt. Dazu wechselt sich auch passend ein Jazz-Soundtrack mit einem abstrakten, elektronischen Soundtrack von Trent Reznor und Atticus Ross ab. Die Geschichte ist sowohl emotional als auch durch einen interessanten Kniff im Mittelteil sehr humorvoll. Ich finde, dass der Film unglaublich viele Themen anreißt und damit unglaublich umfassend ist. Bei all den Themen wie Selbstfindung, Selbstverwirklichung, Charakter, Persönlichkeit, Sinn des Lebens, Eigen- und Fremdwahrnehmung finde ich sogar, dass der Film mit seiner Laufzeit von knapp 100 Minuten schon etwas kurz ist, um all diesen Themen die nötige Tiefe zu geben. Im direkten Vergleich wenn ich ein paar Filme aus der Vergangenheit von „Pixar“, die ähnliches verhandelt haben wie z.B. „Coco“ und „Alles Steht Kopf“ bleibt „Soul“ einen Funken zurück.
„Soul“ - My First Look – 9/10 Punkte.