Grob betrachtet gibt es nur zwei Grundformen des Slashers: Einmal den Wald- und Wiesen-Slasher, der wie „Freitag, der 13.“ überwiegend draußen in der Natur spielt und den Campus-Slasher, welcher wie „Scream“ mehrheitlich an einer Uni angesiedelt ist. Zu letzterem zählt auch das Langfilmdebüt von Regisseur John Berardo, der klassische Motive mit modernen Strömungen vermengt.
Whiton: Nach der Party einer Studentenverbindung steht ein Missbrauchsfall im Raum, kurz darauf wird einer der Tatverdächtigen, der Schwimmstar der Uni brutal ermordet. Während Ellery (Lindsay LaVanchy), die Schwester des Ermordeten im Verborgenen ermittelt, hat sich der Killer erneut die Maske übergezogen…
Der Einstieg folgt nicht etwa dem ersten gewaltsamen Ableben, sondern widmet sich recht ausführlich einigen Individuen unter den Studenten und ihrem teils sorglosen Umgang im Großraum Soziale Medien. Dies visualisiert das Treiben gerade zu Beginn mit unzähligen Pop-ups mit Bildern, Ikons und Textnachrichten, was teils eher plakativ bis zum Überlaufen in die Szenerie geworfen wird, zuweilen jedoch auch subtil verwendet und vom Timing recht treffend eingebunden wird.
Der zweite Aspekt ist der Vorfall im Zuge der #MeToo Ära, der einerseits für eventuelle Motive des Killers sorgt, andererseits jedoch zu unbeteiligt abgehandelt wird, zumal sämtliche Betroffene das Thema eher oberflächlich angehen, - bis auf Ellery, die im Labor ungesehen einen DNA-Abgleich vornimmt, wodurch sie sich unweigerlich als Final Girl empfiehlt.
So dauert es eine satte halbe Stunde, bis der Stoff vom Campus-Drama zum Slasher umschwenkt.
Der Killer könnte allerdings kaum austauschbarer auftreten. Mit dunkler Kleidung, vorzugsweise Hoodie ausgestattet, trägt er eine Chrommaske und führt einen wohl er hinderlichen Akkubohrer mit sich, welcher einige Male zum Einsatz kommt und speziell beim ersten Opfer reichlich blutige Spuren hinterlässt. Die dazugehörigen praktischen Effekte können sich zwar sehen lassen, sie sind jedoch in der Folge eher harmlos ausgeführt, entweder verdeckt oder direkt im Off. Auch der Bodycount fällt letztlich nicht sonderlich hoch aus.
Was dem Geschehen leider völlig abgeht, sind humorige Auflockerungen oder zumindest der Versuch von ausgleichender Ironie. Die Befragung durch die leitende Ermittlerin (Yancy Butler) tendiert in eine solche Richtung, jedoch wohl eher auf unfreiwilliger Art und auch die kollektiv nicht funktionierenden Handys zum Finale sind eher das Ergebnis eines unausweichlichen Klischees. Wobei die Inszenierung auch auf freizügige Momente verzichtet, welche im Zuge der vorangegangenen Vergewaltigung auch eher deplatziert gewirkt hätten. Wobei, sich einen dönern kann ein Opfer noch, bevor der Killer aus seinem Versteck tritt.
Ein Klischee eines derart gelagerten Genrevertreters sind mal wieder die viel zu alten Studenten, die locker in ihren 30ern sind und auch mehrheitlich danach aussehen, während ein knüppeldick agierender Coach und ein tumber Nerd ebenfalls der Klischeekiste zuzuordnen sind. Ansonsten performen die Mimen überraschend solide, einschließlich eines routiniert aufspielenden Lochlyn Munro als Direktor und auch der Score wird effektiv eingesetzt und ist zu keiner Zeit drüber.
Regisseur John Berardo orientiert sich bei seinem Slasher an klassischen Abläufen und hat augenscheinliche Vorbilder ordentlich studiert. Die Morde hätten zwar ein wenig kreativer und blutiger ausfallen dürfen, doch der Showdown und die Auflösung gehen absolut in Ordnung und sorgen unterm Strich für einen passablen, wenn auch nicht übermäßig erinnerungswürdigen Beitrag.
6 von 10