Der Drogendealer Wong Hoi Hung [ Waise Lee ] wurde zusammen mit seinem Kompagnon Mak Chi Wai mit 98kg Heroin im Wagen aufgefunden und steht nun deswegen zusätzlich zu Widerstand gegen die Staatsgewalt und versuchtem Totschlag vor Gericht. Seine Freundin Ivy Lai [ Valerie Chow ] versucht zusammen mit Wongs rechter Hand Wei [ Lester Chan ] und allen erdenklichen Mitteln, Wong vor dem Gefängnis zu bewahren; dazu wird auch schon mal ein Bestechungsversuch am Richter durchgezogen und der Unwillige dann in die Luft gesprengt.
Die Serious Crime Squad Polizisten King [ Kenny Ho ] und Peking Man [ Yu Rong Guang ] sind gegen die Attacken weitgehend machtlos, haben sie ausser Indizien nichts in der Hand; auch die Staatsanwältin Joanne Tam [ Tam Suk Mui ] kann ihnen nur wenig weiterhelfen. Da setzen sie den SDU Officer Kwong [ Ken Lo ] auf Ivy an; er soll sie verführen und so Geheimnisse rauslocken...
„Das Rechtssystem kennt zwei wichtige, voneinander unabhängige Behörden, die dem Schutz der Bürger dienen: die Polizei, die begangene Straftaten aufklärt, und die Staatsanwaltschaft, die die Täter anklagt. Dies sind ihre Geschichten.“
Zumindest eine Geschichte davon; natürlich ist Edward Tangs Regiedebüt keine Law & Order Episode, aber es könnte nach dem Konzept und einigen Änderungen eine sein. Auch hier erfolgt ein Hinweis auf rein fiktionale Charaktere und Ereignisse, die Ermittlungen der Polizei werden aufgezeigt und zumindest in Zusammenarbeit mit den Bemühungen der Staatsanwaltschaft angerissen. Man konzentriert sich auf den Fall und lässt die Zeichnung der Personen abgesehen dessen aussen vor; Privatleben ist gegenüber dem Berufsleben nonexistent, kein weitergehender Rückblick gestattet.
Der Ausgangspunkt nebst Fortgang entfaltet sich schnell und wie von ganz allein; man steigt sofort ein und bekommt ein umfassendes Bild der Verhältnisse dargeboten, was dann auf beiden Seiten noch abbreviert und damit spezialisiert wird.
Allein das moralische Dilemma und die Debatten um gesellschaftliche Probleme auch ohne fertige Antworten fehlen hier, aber ansonsten benutzt man eine ähnliche Struktur und hat damit auch den meisten Erfolg.
Teilweise auch entgegen dem Drehbuch, dass sich einige Dinge zu einfach macht und zu unmittelbar vorwärts preschen will; die Schlüssigkeit mancher Handlungskonsequenzen ist beileibe nicht immer gegeben.
So verblüfft die Schnelligkeit, mit der Kwong sein Vorsatz erreicht; da reicht einmal Anbaggern, Lied trällern sowie den starken Mann markieren plus ein kaputtter Autoreifen schon, um mit der wahrlich nicht unattraktiven Zielperson im Bett zu landen. Etwas unfreiwillig lustig auch die Kommentare der Beschatter, die ihn über einen kleinen Mann im Ohr befehlen, doch noch eifriger ranzugehen, da die Zeit drängt.
Auch die Verhaltensweise von Ivy ist nicht ganz geklärt: Die Frage nach der Treue zu ihrem Freund hat sich ja eh rasch erledigt, aber zum einen bemüht sie sich trotzdem noch emsig um dessen Befreiung und zum anderen schiebt sie dem eindeutig nicht wohlgesonnenen Wei weiterhin Unmengen an Geld zu; da hält sie auch seine versuchte Vergewaltigung nicht von ab.
Hat man sich erstmal an die etwaige Unlogik gewöhnt und das Setting als etwas gestellt hingenommen [ Co – Autor Tang hat an fast allen Jackie Chan Werken von Meister aller Klassen [ 1980 ] bis zu Mr Nice Guy [ 1997 ] zumindest mitgeschrieben ], so entwickelt sich dann in leicht hervorgehobenen Szenen doch noch die erforderliche Spannung. Zumal man auch öfters den erfreulichen Eindruck bekommt, dass es eben auch genauso ablaufen sollte, wie es gerade passiert. Dass es einfach passt. Nichts ungewohntes; keine zwanghaften, abstrusen Ideen in letzter Minute, sondern ein sicheres Herausbilden des gesamten Plots mit Steigerung im dafür geeigneten Augenblick.
Tangs Regie hat den Film auch gut in Griff; mit Unterstützung von Kameraas Herman Yau wird für eine feste Handhabung ebenso wie eine solide Stilführung gesorgt; man betont zur richtigen Zeit, ohne übermässig Aufmerksamkeit auf sich ziehen zu müssen. Die auffallenderen Szenen sind immer noch im Film integriert und stehen nicht aussen vor; sie verdrängen nicht den Rest, sondern finden immer den Anschluss an die Übergänge.
Allein mögliche Suspensesequenzen werden etwas fürsorglicher bedacht; dort verschiedene Gefahren aus dem Hinterhalt angedeudet und dann wie zum Trotz doch die alte Methode mit der tickenden Autobombe hervorgeholt. Später wird das noch auf die Spitze und sogar darüber hinaus getrieben; es bleibt in dem Moment zwar packend, aber wiederum zuungusten von Wahrscheinlichkeiten und auch noch Geduldsnerven.
Immens hilfreich bei der ganzen Angelegenheit ist dann die Tatsache, dass wenn man schon nicht die alleroriginärste Geschichte erzählt, dann zumindest neue, frische Akteure castet; die dann auch ein homogen funktionierendes Ensemble abgeben. Auffällig natürlich, dass fast alle auch aus dem engeren Umfeld von Jackie Chan kommen, stört aber nicht; im Gegenteil. Positiv ins Auge stechen tut vor allem Ken Lo in einer seiner wenigen Besetzungen als wortwörtlich leading actor und dann auch noch gegen den Strich als Ladykiller überzeugend. Auch ein Kenny Ho hat trotz gutem Aussehen und kampftechnischen Fähigkeiten viel zu wenig Beachtung im HK Kino gefunden; seine Paarung mit dem auch immer etwas vernachlässigten Yu Rong Guang ergibt das nächste stimmige Puzzle im Bild. Aus der zweiten Reihe erfreut Timmy Hung als Jungspund – Cop und gegen Valerie Chow als mondänem Blickfang hat wohl auch keiner was auszurichten. Einzig Waise Lee versteift sich wieder einmal auf seine bad guy – Rolle und hat zudem ausser sehr zurückhaltenden Auftritten im Gefängnis nichts zu tun.
Auch die Action bleibt leider etwas aussen vor; der Film wirkt nicht gerade übermässig ausschweifend in Sachen reisserischer Effekte. Zumindest explodieren die Bomben meistens auch; ansonsten wird etwas Martial Arts eingestreut, dass sich unter der Aufsicht von Patrick Hon Chun und Nicky Li ganz angenehm gestaltet. Eine Störung von Kwongs Schäferstündchen durch Wei und seine Schergen bricht mal etwas voluminöser aus und sorgt schnell für die ersten memoriablen Einstellungen. Auch das Finale selber haut etwas mehr in die Kerbe und fährt sowohl Grosskaliber als auch wieder Detonationen aus; alles soweit schnieke, ohne sich grossartig ins Gedächtnis einzubrennen.
Das ist dann letztlich auch das Hauptproblem: Der Film hinterlässt wegen mangelnder Aufsässigkeit und weitgehend unaufgeregter Inszenierung nur einen besseren Durchschnittseindruck. Hier und da hätte man mal mehr für Akzente sorgen sollen, Neuling Tang traute sich wohl nicht so recht.
Hätte er mal, eine weitere Chance bekam er nicht; es sollte sein einziger Film bleiben.