Review

Statt dem ehedem angekündigten Abschluss der geplanten Kickboxer-Trilogie mit einem dritten Teil namens Kickboxer: Armageddon respektive The Syndicate hat sich Filmemacher Dimitri Logothetis mit Alain Moussi, dem 'Star' von dort an ein anderes wahrscheinliches Herzensprojekt herangemacht, die Verfilmung eines eigens von ihm (und Jim McGrath) im März 2017 herausgebrachten gleichnamigen Comicbandes; ganze 22 Seiten übrigens an Bild und Text, als Blaupause, genauso dünn und nichtssagend wie das 'Drehbuch' über das kämpfende Gummimonster aus dem All hierzu und nicht die Welt. Dafür und dies erstaunlicherweise hat der zypriotische Tausendsassa auch hier erneut eine ganz illustre Besetzung auf seine (dunkle) Seite (des Geldes) gezogen und ein Verkaufsargument für den Markt und einen Anreiz für die Zuschauer geschaffen, wurden mit Tony Jaa, Nicolas Cage und Frank Grillo jeweils Leute verpflichtet, die ihre eigene kleine treue Kundenschar und im Grunde auch ihren Namen haben, und die Schar der Kombattanten in diesem minimalistischen Scifi-Action-Hokuspokus à la Albert Pyun noch zusätzlich mit im Kampfsport erfahrenen Recken und der Schwerstarbeit eines thailändischen Stuntteams angefüllt:

Schwer verletzt und mehr tot als lebendig wird der an einer Amnesie leidenden Jake [ Alain Moussi ] von einem asiatischen Fischerehepaar aus dem Meer gezogen, notdürftig aufgepäppelt und vor einer kleinen Militärbasis abgeladen, wo ihn die (über)eifrige Verhörspezialistin Myra [ Marie Avgeropoulos ] im Auftrag von Captain Sand [ Rick Yune ] in die Mangel nimmt. Kaum hat sie dem Nichtswissenden ein paar Sätze entlockt, wird auch er schon von Kueng [ Tony Jaa ] befreit und unbekannterweise seinem alten Trupp, bestehend aus Harrigan [ Frank Grillo ], Carmen [ JuJu Chan ], Forbes [ Marrese Crump ] und letztlich auch dem seltsamen Wylie [ Nicolas Cage, der vom geplanten Bruce Willis übernimmt ] und seiner eigentlichen Mission vorgestellt, hat man sich doch mit noch ein paar Kämpfern dem Duell mit einem Außerirdischen namens Brax [ Ryan Tarran ] verpflichtet, der alle sechs Jahre durch ein Portal auf die Erde kommt, um dort eine Art privates Tournament abzuhalten.

Eine Verbindung zur grafischen Vorlage, die sowieso keiner kennt, wenn man das so sagen darf, wird durch die beiden 'Autoren' dieser hier auch gesucht und aufgebaut, durch Übernahme der Bilder, der Textform, der Visualität eines Panels und dem 'Rascheln beim Umschlagen der Seiten', Kapiteleinteilung wie "Rescue" oder "Reunion" gibt es auch; dazu eine Pre-Title, die noch nicht viel Sinn gibt und auch nicht wirklich Spannung auf mehr erweckt und ein Intro, welches schon mal die noch folgenden Knallköpfe im Kaschperltheater in ihrem Kostüm vorstellt. Eine ordentlich abgedrehte Mixtur wird dann auch geboten (bzw. angepreist), auch mit den richtigen Darstellern dafür, eine Art B-Variante vom noch kommenden Monster Hunt oder auch sowas wie Mortal Kombat oder dem Guyver, wobei Liebhaber des preiswerten Hongkong- oder doch eher Filipinofilmes in dem hier Gebotenen auch das Trash Double feature Techno Warriors und Digital Warriors, also den Ripoff vom Mortal Kombat erkennen und damit wieder den Kreis schließen lässt.

"How did you wind up with that injury? Hmm? Where did you get the stitch job?(...)"
"I can't remember."
"Hmm. What are you doing in Burma?"
"Burma? I thought it was Myanmar."
"Very funny."

Ein Rückfall in die Neunziger also, warum auch nicht, gedreht vor Ort im unentdeckten Zypern, auch durchaus mit bewussten Auftreten und breitbeinigen Schritten, wobei fraglich ist, wo Logothetis das Geld (gemunkelt wird von fast 25 Mio USD.) und vielleicht auch die Chuzpe dafür hernimmt, nachts mit ordentlich Lens Flares verblendet, nicht gänzlich ohne Schalk im Nacken, was auch nötig und was auch ein wenig hilfreich ist. Eine erste Kampfszene in einer Art Militärkerker während eines Verhörs zeigt die positiven Seiten der Produktion auf, nämlich das Vorhandensein tatsächlich agiler und akrobatisch fähiger Leute und mittlerweile auch die Erfahrung des Regisseurs, der nicht allein auf Schnitt und Kamera setzt, um eine Bewegung oder auch mehrere hintereinander anzutäuschen, sondern auch tatsächlich agieren und interagieren lässt. Die negativen Seiten kommen auch schon zum Tragen, das digital hineinkopierte Blut und eine gewisse Laschheit in den Tritten und Schlägen, also entweder deutlich am Gegner vorbei und/oder akustisch nicht akzentuiert.

Immerhin ist anfänglich der Ehrgeiz der Macher zu mehr Einsatz und Kreation da, geht man da auch nicht stets den einfachsten Weg, so wird ähnlich wie im 'Vorgänger' Kickboxer: Retaliation (und hier beim ersten Auftritt von Jaa) eine längere (teils mit 'unsichtbaren' Übergängen am Laufen gehaltene) One-Shot-Sequence in Actionform eingeflochten, die Erstürmung der militärischen Provinzbastion durch einen Einzelkämpfer, die hier wie dort auch über mehreren Höhenebenen und Hindernisse und dem Ausweichen von Kugeln und dem Ausschalten von heranstürmenden Soldaten geht; das hat seine Ideen und seine Raffinesse und auch ein paar gelungene Stunts, aber es ist auch deutlich, dass Jaa mittlerweile Mitte 40 und natürlich nicht mehr in Höchstform hinsichtlich Agilität und Kondition v.a. ist. Nur Sekunden später gibt es einen POV-Shot, kurz unterbrochen durch Third-Person-View und dann wieder First Person; der Zuschauer ist erst Akteur, dann quasi als Reserve gehalten und zum Beobachter, dann wieder mitten in das Geschehen versetzt, er wird aus seiner 'Figur' heraus gekickt und schlüpft bei bester Gelegenheit wieder hinein, was überraschend gut funktioniert und eine gewisse interaktive Wirkung nicht ausschließt und durch den Wechsel der Perspektiven durchaus eine neue Seherfahrung ist.

Das hilft natürlich nur wenig, wenn der ganze Hintergrund trotz all der anfangs aufgeworfenen Mysteriositäten dennoch uninteressant bis bald auch langweilig und trocken und zäh wie Bohnenkraut ist, auch die anfänglich wertig scheinenden, leicht entsättigten, sonnendurchfluteten Bilder von viel Flora wie Getreidefeldern und einem heimeligen Dschungel- bzw. Waldgebiet dienen nur der Momentaufnahme einer uninspirierten Dauerprügelei ohne Sinn und Verstand, die trotz Bewegung (durch narratives und geografisches Im-Kreise-Laufen) keinerlei eigene Lebendigkeit erlangt und bestenfalls vereinzeltes Posing aller Akteure und erweitertes Kampfsporttraining für die Kamera darstellt statt einer Erzählung.

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