Review
von Leimbacher-Mario
Stille Wasser sind mief
Satte dreizehn Jahre nach dem soliden Original wird der Titel „Black Water“ nochmal aufgewärmt und in eine schuppige Mischung aus „The Descent“ und „47 Meters Down: Uncaged“ verwandelt. Herausgekommen ist jedoch anstatt eines „Crawl“ eher ein „Yawn“. Der australische Krokodilgähner lässt eine bunte Pärchengruppe recht spontan und unüberlegt in eine tiefe Höhle klettern. Nervenkitzel. Abenteuerlust. Teambuilding. Urlaubsspass. Angeberei und so. Doch schnell wird der erweiterte Wanderausflug durch das dort beheimatete/hineingespülte Riesenkrokodil eher zu einem Todeskampf als einem Instagramhit...
Die Woche beginnt. Lockdown und Virus f*cken den Kopf. Arbeit kann auch anstrengen. Das Wetter ist grau. Da braucht es keinen Charlie Kaufman-Brainfuck, sondern ein simples Tierhorrorfilmchen für den Abend. „Black Water: Abyss“ kommt da (jetzt bei Amazon Prime) genau richtig - und macht seine Sache stellenweise auch... zumindest passabel. Er geht nicht allzu lang. Das Kroko wird schön im Dunkeln und Geheimen gehalten. Es gibt ruhige, spannende Momente (selbst wenn es eher nur das simple Warten mit Taschenlampe auf den nächsten Jumpscare-Schnapper an der Wasseroberfläche oder unter Wasser ist). Das ist jetzt alles nicht Grütze. Eine gewisse Grundklaustrophobie kommt in der dunklen, nass-feuchten Höhle auch auf. Richtig exploitativ oder gar trashig wird dieser Crocdoc nie, es bleibt recht realistisch. Tja, bis auf die Figuren - die sind unrealistisch dumm, klischeehaft, plump und schlicht nicht sympathisch. Vom Asthmatiker bis zur Schwangeren, vom Cheater bis zur „schwachen Frau“, die über sich hinauswachsen muss. All das ist austauschbar und blöd. Und lässt einen, so gemein es klingt, manchmal fast zur hungrigen 800-Kilo-Lederhandtasche halten. Ganz abgesehen davon, dass man sowohl in Sachen Höhlen-, Aussie- wie Krokodilhorror Alternativen hat, die locker zwei Ligen höher schwimmen. U.a. auch der Namensvetter/„erste Part“.
Fazit: kommt zu spät und kann dem nur thematischen verwandten „Vorgänger“ leider nicht das matschige Wasser reichen. „Black Water: Abyss“ blubbert vor sich hin und ihm fehlt ironischerweise gehörig Biss. Keine Krokostrophe - aber ein blasses, klischeehaftes Creature Feature.