Nicht nur in der Filmwelt schimmert der Wunsch nach der vermeintlich guten alten Zeit immer mal wieder durch und es wird ein wenig Retro-Feeling bemüht. Die Untersparte des Rape & Revengefilms war speziell in den 70ern ein geeignetes Pflaster, um eine Handvoll dreckiger Meilensteine hervorzubringen, was Regisseur Brian Darwas mit seinem Debüt ein wenig aufzugreifen versucht.
Reinigungskraft Amanda, die ihrem Job in einer billigen Absteige nachgeht, wird eines Tages von einem fremden Gast vergewaltigt. Mithilfe ihrer Freundin Rebecca übersteht sie die Anfänge der daraus resultierenden Schwangerschaft, da sich Amanda für eine Adoption entscheidet. Die Interessentin des Ungeborenen entpuppt sich jedoch als etwas zu fürsorglich…
Die klobigen Credits in Gelb, der leicht wabernde Score und die teils unscharfen Bilder der Handkamera verdeutlichen unübersehbar den Bezug zu den 70ern. Die Geschichte steigt mittendrin ein und nimmt Schritte des Rachefeldzuges vorweg, als Amanda in Verkleidung einer Nonne den potenziellen Peiniger in den Kofferraum sperrt. Man wird wohl noch einmal auf diese Szene zurückkommen.
Der triste Alltag einer Reinigungskraft in einem Stundenhotel dürfte beileibe kein Zuckerschlecken sein und dennoch ist es nicht nötig, jenen lang und breit zu bebildern, bevor es erst nach einer knappen halben Stunde zum entscheidenden Übergriff kommt, der immerhin mit dezenten Andeutungen arbeitet, ohne ihn über Gebühr zu zelebrieren.
Derweil bringt die Einteilung der Geschichte in drei Kapitel gar nichts, da ohne Zeitangaben gearbeitet wird und nur vage erahnbar ist, wie viel Zeit jeweils zwischen den einzelnen Abschnitten vergangen sein könnte.
Die schwache Ausstattung und die lahmen Lokalitäten stechen deshalb eher ins Auge, weil der Stoff zwischenzeitlich echt lahm anmutet, nur wenige Randfiguren mitmischen und das Handwerkliche phasenweise ins Amateurhafte abdriftet. Erst als die Handlung in eine Waldhütte verlegt wird, erhöht sich das Tempo und es gesellen sich einige Gewalteinlagen hinzu, welche allesamt handgemacht und okay gestaltet sind. Ganz zum Schluss werden die Szenen der Exposition wieder aufgegriffen, wobei der Chose eine eklatante Logiklücke anhaftet, es sei denn, jemand übersteht problemlos einen Kehlenschnitt.
Der zum Teil ordentlich wummernde Score fällt etwas effektiver aus als die allenfalls zweckdienlichen Performances, welche die notwendige Leidenschaft vermissen lassen, weshalb der Stoff unter anderem nicht so bewegt, wie ähnlich gelagerte Pendants vergangener Dekaden. Es fehlt an Grimmigkeit, dem unbeugsamen Willen nach blutiger Rache und den dazugehörigen spannenden Einlagen. Passable Ansätze sind im letzten Drittel auszumachen, doch der zu ausufernde Vorlauf verspielt bereits einiges an Interesse.
4,5 von 10