Mit Get My Gun – Mein ist die Rache liefert Regisseur Brian Darwas einen insgesamt soliden Rape-&-Revenge-Film ab, der sich bewusst von vielen Genrevertretern abhebt. Statt auf permanente Eskalation und möglichst explizite Gewalt zu setzen, legt der Film deutlich mehr Gewicht auf seine Figuren und deren Entwicklung. Gerade diese Entscheidung könnte für manche Zuschauer etwas zu ruhig oder sogar langweilig wirken. Meiner Meinung nach unterstützt dieser Ansatz jedoch gut die langsam entstehende Dynamik und freundschaftliche Beziehung zwischen den beiden Hauptprotagonisten.
Die Handlung dreht sich um Amanda, die nach einer brutalen Vergewaltigung im Job mit den Folgen des Traumas umgehen muss. Besonders tragisch ist dabei, dass die Tat letztlich auf einer fatalen Fehleinschätzung ihrer Arbeitskollegin beruht, was der Geschichte eine zusätzliche bittere Note verleiht. Im Verlauf des Films entwickelt sich eine unerwartete Verbindung zwischen den Frauen, wodurch der Fokus stärker auf emotionaler Verarbeitung als auf reiner Rachefantasie liegt.
Erst in den letzten rund 25 Minuten dreht der Film dann deutlich an der Gewaltschraube. Die Effekte sind handgemacht und wirken für eine Independent-Produktion erstaunlich ordentlich und glaubwürdig.
Leider verspielt Brian Darwas am Ende einiges an Goodwill: Ein massiver Kontinuitätsfehler sorgt dafür, dass eine für die Handlung wichtige Figur eigentlich gar nicht mehr am Leben sein dürfte – taucht aber dennoch plötzlich wieder auf. Das wirkt so unlogisch, dass man fast glauben müsste, es handle sich um einen autofahrenden Geist. Da dies jedoch überhaupt nicht zum Ton des Films passt, bleibt dieser Patzer besonders ärgerlich und kostet den Film letztlich einen ganzen Bewertungspunkt.