Nicht immer ziehen sich Gegensätze an und fatale Entscheidungen können von einer Sekunde auf die andere Leben verändern, wie bereits unzählige Thriller veranschaulichten. Der zweite Langfilm des spanischen Regisseurs David Victori spielt in nur einer Nacht in Barcelona und lässt die Metropole beinahe wie ein Moloch erscheinen.
Über Jahre pflegte Reisekaufmann Dani (Mario Casas) seinen Vater. Nach dessen Tod soll er endlich die Welt bereisen, doch dazu kommt es nicht, als Dani in einem Burgerladen die mysteriöse Mila (Milena Smit) trifft und ihr zunächst ins Tattoostudio, dann zu ihr nach Hause folgt…
Eine fast dreiminütige Plansequenz eröffnet die Geschichte, welche zeigt, wie rasch sich ein alltäglicher Umstand mit einem Mal ändern kann. Dani verlässt die Wohnung, besorgt an der übernächsten Ecke Zigaretten für seinen Vater und kehrt zurück, - zu seinem nunmehr soeben verstorbenen Vater. Die Kamera klebt förmlich hinter Danis Nacken und es soll nicht die letzte Sequenz ohne Schnitt gewesen sein.
Der leicht melancholische Ton ändert sich, als die mysteriöse, leicht impulsive Mila auf den introvertierten, schüchternen Dani trifft und ihn förmlich überrumpelt. Unweigerlich stellt sich zunehmend die Frage, wie weit man selbst gehen würde, einer völlig fremden Frau in ebenso fremde Gefilde zu folgen. Ein Drink? Okay. Sich spontan am Unterarm tätowieren lassen? Wohl eher nicht. In Milas Wohnung kommt es schließlich zu einer schicksalsschweren Begebenheit (genau genommen zwei), was Danis Situation binnen kurzer Zeit in einen fiebrigen Alptraum verwandelt.
Das geht zwar mit einem recht flotten Tempo und einer brauchbaren Dynamik einher, doch zuweilen übertreibt es die Steadicam mit den hektischen, verwackelten und daher oft unübersichtlichen Bildern, zumal die Kombination aus einem speziellen Bildformat mit vielen dunklen Aufnahmen und einigem Neon im Hintergrund allein schon für visuelle Hektik sorgt, was bei einer Konfrontation in einem Tunnel seinen Tiefpunkt erreicht. Zwar spiegelt die Optik die Befindlichkeiten der Hauptfigur wider, was während einer Flucht über eine Treppe wunderbar funktioniert, doch im finalen Akt nehmen die Verzerrungen ein wenig Überhand.
Immerhin stemmt Mario Casas das Geschehen nahezu im Alleingang und offenbart speziell in den letzten Einstellungen seine Klasse. Er überzeugt allerdings auch während der eher ruhig angelegten Momente, während Milena Smit als femme fatale ebenfalls überzeugend performt.
Der Score vermag indes ein paar atmosphärische Akzente zu setzen, während die Songauswahl im ersten Drittel den leicht melancholischen Grundton unterstreicht.
Schade, dass im Verlauf einiges an Glaubwürdigkeit eingebüßt wird, irrationale Entscheidungen getroffen werden und einige Momente arg konstruiert und überzogen daher kommen und damit schon beinahe makabere Situationskomik hervorrufen. Dennoch ein sehenswerter Thriller, der Unbehagen in Eskalation zu steigern vermag und dabei durchaus mitfiebern lässt.
Knapp
7 von 10