Es war einmal eine junge Dienerin, die ihrer ebenso reichen wie alleinstehenden Herrin dabei half, die Zeit totzuschlagen: im splendiden Fürstentum Monaco, wo sich die Reichen und Schönen ein Stelldichein geben, war sie jedoch als Bedienerin ein Nichts, weswegen die blonde Britin (Lily James) beschloss, ihre Lage zu ändern. Tatsächlich fand sich unter der häufig wechselnden, oberflächlichen Tischgesellschaft ihrer Herrin ein gutaussehender Mittvierziger aus guter Familie, der - so ein Zufall aber auch - alleinstehend schien und bald schon Interesse an der jungen Gesellschafterin zeigte. Mittels einiger Einladungsbriefchen zu Ausfahrten in dessen Bentley-Cabrio sowie diverser Schwindeleien über vermeintliche Tennisstunden ihrer Dienstgeberin gegenüber kommt sich das ungleiche Paar bald nah, und als die Kammerzofe dann plötzlich wieder zurück nach New York reisen soll, nutzt Maxim de Winter (Armie Hammer) die Situation und bietet eine schnelle Heirat an.
Vermeintlich aller Sorgen ledig zieht die ehemalige Kammerzofe dann auf des Bräutigams hochherrschaftlichen Wohnsitz an der südenglischen Küste, doch ahnt sie nicht, daß ihr verwitweter Ehegatte wie auch sämtliche Verwandten und Bekannten inklusive der Dienerschaft der verstorbenen titelgebenden Rebecca nicht nur nachtrauern, sondern die Tote geradezu kultisch verehren. Besonders die alle Geschehnisse auf Manderley steuernde Haushälterin Mrs. Danvers (Kristin Scott Thomas) versucht die neue Gattin des Hausherrn zu brüskieren und hinauszuekeln - solchermaßen verunsichert, beginnt die neue Mrs. de Winter langsam, das Wesen und das Geheimnis der Verstorbenen zu ergründen...
Einigen mag der auf einem Roman von Daphne Du Maurier basierende Stoff aus der 1940er Adaption von Alfred Hitchcock bekannt sein, doch die 2020er Neuauflage hat weder schaurige noch in irgendeinerweise spannende Momente aufzuweisen, sondern beschränkt sich ganz und gar auf den ach so märchenhaften Aufstieg einer Kammerzofe, die sich im mondänen Monte Carlo einen reichen Schnösel angelt inklusive ungewisser Zukunft in vornehm-adeligen Kreisen.
Die viele Frauenwünsche bedienende schmalzige Vorlage mit ein paar spärlichen Zutaten aus Krimi und Psychodrama wurde nach ihrem Erscheinen 1938 ein Bestseller, und genau die damalige Stimmung und Erwartungshaltung versucht Regisseur Ben Wheatley auch einzufangen, was ihm zumindest optisch auch durchweg gelungen ist: in punkto Kleidung, Oldtimer, dem prachtvollem Herrensitz bis hin zu den klischeehaft häßlichen Schloßbediensteten (mit abstehenden Ohren und fürchterlichen Zähnen) vermag man sich so recht in die Dreißiger Jahre des 20. Jahrhunderts hineinversetzt fühlen - doch dies allein reicht eben nicht für einen etwas über 2 Stunden dauernden Film.
Auch Hauptdarstellerin Lily James, die wie Aschenputtel unsicher zwischen all den stocksteif-skurrilen Gestalten herumspringt, vergeblich deren Akzeptanz zu erreichen sucht und doch nie zum vornehmen Adel auf Manderley gehören wird, kommt trotz ansprechender Leistung nicht gegen die gähnende Langeweile an, die den Film von Anfang an begleitet und durch kaum ein Ereignis aufgelockert wird. Erst als in der letzten halben Stunde die erwähnten Krimi-Elemente auftauchen (ist die sagenumwobene Rebecca, die übrigens nie auf der Leinwand auftaucht, etwa eines unnatürlichen Todes gestorben? oh, shocking!) nimmt die bis dahin dröge Handlung ein klein wenig Fahrt auf, doch gerät die Wandlung der plötzlich sehr entschlossen zugunsten ihres ins Wanken geratenen Gatten auftretenden neuen Mrs. de Winter nicht sonderlich überzeugend, wie überhaupt die recht spät (eben im letzten Filmviertel) angesetzten polizeilichen Ermittlungen inklusive Gerichtsverhandlung kaum zum bisherigen Filmverlauf passen.
Neben Lily James ist noch Kristin Scott Thomas erwähnenswert: die Darstellerin der Mrs. Danvers, jener unerbittlichen, stets die Contenance wahrenden Gegenspielerin der unerwünschten neuen Herzensdame spielt die eigentlich herausragendste Rolle in diesem Herz-Schmerz-Drama: mit ihrem wächsernen Gesicht, das nie eine Gefühlsregung verrät, arbeitet sie konstant und mit allen zu Gebote stehenden Tricks, die auch eine Aufforderung zum Suizid beinhalten, an ihrem Ziel, die "Neue" hinauszudrängen.
Arnie Hammer als Maxim de Winter wirkt eher hölzern und erweist sich im weiteren Verlauf des Films als beliebige Randfigur, die - bis auf ein einziges Mal - nie über den eigenen Schatten springen kann.
Ein den Erwartungen der Leserschaft geschuldetes Happy End mit offenem Ausgang beschließt dann 82 Jahre nach der Erstveröffentlichung des Romans diese Neuauflage, von der allerdings außer einigen prächtigen Küstenansichten kaum etwas im Gedächtnis hängenbleibt. 4 Punkte.