Review

Nun gut, da sich offenbar niemand so recht für diesen B-Actioner begeistern mag, tu ich das mal. Okay, natürlich mit erheblichen Einschränkungen, denn aus dem Hause Nu Image kommen eigentlich selten so richtig gelungene Feuerwerke mit ordentlichem Budget und auch Hauptdarsteller Dolph Lundgren hat seine Blockbuster-Zeit lange hinter sich gelassen.
Aber unter diesen Vorraussetzungen lässt man es dann doch recht knackig und kurzweilig angehen.

Dolph gibt hier den Sport – und Geschichtslehrer Sam Decker an der Lincoln Memorial High, nachdem er vor zehn Jahren als Soldat in Bosnien traumatisiert wurde. Hier musste er nämlich den Tod eines Mädchens im Zuge einer Geiselnahme in Kauf nehmen.
Um dieses Trauma zu besiegen, überfallen vier Gangster an einem Freitagnachmittag die fast leere Schule, um hier die Basis für den Überfall auf einen Drogentransport zu errichten.
Decker, der einigen Schülern beim Nachsitzen Gesellschaft leistet, stellt sich den Schurken – mit tatkräftiger Unterstützung der Nachsitzer – mutig entgegen.

Ein „Stirb langsam“ – Szenario in der massiv abgespeckten Variante erwartet einen hier, da sich fast die komplette Handlung im verschlossenen Schulgebäude abspielt und der Held zur rechten Zeit am falschen Platz ist (oder umgekehrt).
Unterstützt wird er dabei von einem herrlichen Schüler-Klischeehaufen, darunter ein Drogenpaar, eine Schwangere, zwei Quotenfarbige, ein Rolli-Fahrer und ein Querulant, der sich im Verlauf mit mutigen Aktionen hervortut.

Leider bietet die Gegenseite der Gangster ein geradezu lächerliches Bild. Der Anführer ist ein Punk, der sich um Kopf und Kragen labert, dazu kommen seine Geliebte mit grell-pinker Perücke und zwei trottelige Brüder aus Ungarn.
Ja, es sind leider nur vier Schurken, wenn man mal den Typen vom Secret Service außen vor lässt und den falschen Cop (den der Held natürlich seit Bosnien und davor kennt) nicht mitzählt.

Die geringe Anzahl an Figuren bildet somit das größte Problem des Streifens, weshalb auch auf beiden Seiten kräftig daneben geschossen wird.
Es ist schon erstaunlich, was da an Schüssen aus MG und Pistole abgegeben wird, während dabei das halbe Gebäude demoliert wird, aber eine Person aus fünf Metern Entfernung fast grundsätzlich verfehlt wird.
Okay, Held Decker erhält ziemlich zu Beginn einen Armschuss, aber der Typ ist hart, der nimmt mal eben eine glühend heiße Metallstange, um die Wunde zu schließen.
In der Tat sind im Verlauf nur wenige Tote zu vermelden, doch immerhin werden diese zumeist mit ansehnlich blutigen Shoot Outs aus dem Geschehen genommen.

Was dem Streifen letzten Endes seinen gegebenen Unterhaltungswert beschert, ist das enorm hohe Tempo und das fast komplette Fehlen von Verschnaufpausen, nachdem die Schurken erst einmal im Schulgebäude sind.
Erfreulich ist dabei auch der Ideenreichtum nicht nur auf Seiten des Helden, der mit Falle im Chemieraum, sowie „Toter Mann“ spielen erfolgreich ist, sondern auch die Pfiffigkeit seiner Schüler, die sich zunächst streiten, dann aber sozusagen an einem Strang ziehen, um beispielsweise einen Metallzaun von der Theaterbühne fallen zu lassen.
Richtig blöd naiv ist schließlich die Gegenwehr mit Pfeil und Bogen in einer Sporthalle, wobei sich die Schüler hinter Strohballen verschanzen, während die Gangster mit schwerem Geschütz anrücken. Aber wie gesagt, die Treffsicherheit ist gerade auf Seiten der Bösen nicht sonderlich ausgeprägt.

Action ist also fast pausenlos gegeben, da wird im Minutentakt geballert und ansonsten liefert man sich eine dummdreiste Verfolgung zwischen Harley und Elektrorollstuhl, sowie das Befahren der Schulflure mit einem Auto. Zuletzt explodiert auch noch ein Heli außerhalb des Sichtfeldes (das soll man so schlussfolgern) und der Countdown einer Zeitzünderbombe muss auch noch gestoppt werden.
Ach, und weil es so Brauch ist, muss sich die Geliebte des Helden irgendwann in der Gewalt der Oberschurken befinden, deshalb wird sie mit einem auffällig fadenscheinigen Argument in die Schule gelockt, was die nicht wirklich vorhandene Spannung auf den Höhepunkt treiben soll.

Nein, so wirklich spannend gestaltet sich das nicht, zumal recht derbe Logiklöcher aufklaffen. Von der Tatsache, eine viel zu aufwendige Schulbesetzung als Basislagererrichtung in Kauf zu nehmen, dann, dass scheinbar niemand von außen das MG-Dauerfeuer wahrnimmt, bis zu dem Punkt, dass die Gangster nicht einfach mit den Drogen verschwinden, anstatt sich auf einen Schlagabtausch mit der Gegenseite einzulassen.
Alles ein bisschen hanebüchen.

Aber Dolph Lundgren passt herrlich in diese Heldenfigur, zumal er weniger reden und mehr körperlich handeln darf. Dass dabei alle übrigen Darsteller zu fast gesichtslosem Beiwerk verkommen, interessiert nicht weiter, manchmal reicht ein wortkarger Action-Dino fast völlig aus, denn „Bosnien ist inzwischen überall“.

Bleibt also unterm Strich ein durchweg unterhaltsamer Streifen mit null Anspruch, vielen Naivitäten und sympathischen Klischees.
„Detention“ sollte man zu keiner Zeit ernst nehmen oder mit gehobenem Anspruch drangehen, dann wird´s ein kleiner, aber feiner Spaß.
6 von 10

Details
Ähnliche Filme