Review

In der Regel wissen Menschen nicht, wann sie sterben werden und das bewahrt einige sicherlich davor, zu spontanen Kurzschlussreaktionen zu neigen. Doch auf der anderen Seite gibt es diese unausweichlichen, niederschmetternden Diagnosen wie Krebs im Endstadium.
Manche mögen sich noch an den süßen Ohrwurm „Clouds“ von 2013 erinnern, einen jungen Mann, der sein Lied vergleichsweise unbedarft sang und sich auf der Gitarre begleitete: Es ist die Geschichte von Zach Sobiech.

Der siebzehnjährige Schüler Zach (Fin Argus) hat bereits einige Chemotherapien hinter sich gebracht, er leidet an einer seltenen Form von Knochenkrebs. Kurz vor seinem ersten Date mit Amy (Madison Iceman) rettet ihn eine Notoperation und zugleich erhält er die Diagnose, dass er noch maximal zehn Monate zu leben hat. Fortan steckt er die Energie ins Songwriting mit der langjährigen besten Freundin Sammy (Sabrina Carpenter). Kurz nachdem sie ihr schlichtes Video zum Titel „Clouds“ hochladen, stellt sich Unglaubliches ein…

Obgleich es auf den ersten Blick paradox klingt, - „Clouds“ ist eine traurige Erfolgsgeschichte.
Sie stimmt trotz unumgänglicher Tatsachen nie depressiv, sondern es schwingt stets ein Funken Hoffnung mit, Menschen etwas zu hinterlassen und trotz widriger Umstände für sein Ziel zu kämpfen. Oder wie Zachs Lehrer es so treffend auf den Punkt bringt, wertvolle Lebenszeit nicht mit Oberflächlichkeiten zu vergeuden.

Insofern stellt sich auch die Frage nach Normalität für einen Siebzehnjährigen, der dem Tode geweiht ist. Zachs zumeist positives Denken ist die eine Seite, die andere jedoch der Umgang durch Eltern und Geschwister, bei denen nur allzu häufig deutlich wird, wie sich Unsicherheit breit macht. Fast schon ein wenig klischeehaft, wie die Mutter beinahe nach dem letzten Strohhalm in Form einer Reise nach Lourdes greift, während Dad oft schweigt und die Probleme mit sich ausmacht, um dann mit einem geliehenen Rennwagen um die Ecke zu kommen.

Wodurch das Biopic sogleich in Beschlag nimmt, sind die starken Darstellerleistungen und die Chemie untereinander. Fern von jeglichem Overacting fühlen sich die Performances total ehrlich und bodenständig an, man nimmt ihnen die Emotionen und Befindlichkeiten zu jeder Zeit ab, nichts wirkt gekünstelt oder überdramatisiert. Auch handwerklich gibt es kaum etwas auszusetzen, speziell die schnörkellose und dennoch recht versierte Kamera sticht positiv ins Auge.

Mit knapp 121 Minuten ist der Streifen eventuell ein wenig zu lang geraten, zumal sich im Mittelteil minimale Längen einstellen und die Botschaft auch mit einigen Minuten weniger hätte treffend vermittelt werden können. Dennoch eine berührende Geschichte über einen jungen Musiker, mit viel Herz aufgezogen und trotz des ernsten Grundtenors mit der einen oder anderen Auflockerung versehen, während er Kitsch und unnötige Sentimentalitäten von sich fern zu halten vermag. Klare Empfehlung.
8 von 10

Details
Ähnliche Filme