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Eine gewaltige Armee der Maschinen nähert sich Zion, der letzten Stadt der Menschen, weswegen Neo, der Auserwählte, gespielt von Keanu Reeves, Morpheus, gespielt von Laurence Fishburne, und Trinity, gespielt von Carrie-Ann Moss, einen erneuten Trip in die Matrix starten, wo Neo erneut das Orakel aufsuchen will. Beim Orakel erfährt er, dass er in den Hauptcomputer der Matrix eindringen kann, wenn er den Schlüsselmacher aus der Hand eines mächtigen Programms, des Merowingers, befreit. Dann muss er zu allem Überfluss feststellen, dass Agent Smith, gespielt von Hugo Weaving, den er eliminiert hatte nun wieder aufgetaucht ist und die Fähigkeit entwickelt hat, sich selbst zu klonen.

Seit der Jahrtausendwende gab es kaum schwierigere Aufgaben im Filmgeschäft, als die, die von den Wachowski-Brüdern bei der Realisierung der beiden "Matrix"-Sequels zu lösen waren. Und leider treten die Wachowskis in das eine oder andere Fettnäpfchen, das sich auf dem steinigen Weg zu dem Sequel eines Kultfilms befindet.

Zunächst einmal bleibt den Wachowskis natürlich keine andere Wahl, als sich wieder auf dieselbe Grundidee zu stützen und diese ein wenig zu erweitern, doch hier ergeben sich bereits die meisten Probleme, die "Matrix Reloaded" deutlich hinter seinen genialen Vorgänger zurückfallen lassen. Die erweiterten Ideen rund um die Frage, inwiefern dem Orakel, das selbst ein Programm der Maschinen ist, zu trauen ist, welche Rolle der Auserwählte irgendwo zwischen einer regelmäßigen, von den Maschinen überprüften Anomalie und einer weiteren Kontrollfunktion innerhalb der Matrix spielt und ob der Auserwählte nun tatsächlich den ewig andauernden Krieg zwischen Menschen und Maschinen ändern kann, sind alles in allem teilweise relativ unpassend, und ziehen das Geschehen mitunter sehr unnötig in die Länge. Im Grunde ist es hier eindeutig eine kaum schlüssige, aufgebauschte Mogelpackung, die die Wachowskis präsentieren.

Zu kaschieren versucht man dies durch überlange und deutlich verkomplizierte Dialoge, die die teilweise philosophischen Ideen des Vorgängers zu Traum und Realität irgendwie aufbereiten und imitieren sollen. Dabei ergeben sich aber lediglich einige Längen und mit diversen lateinischen Fremdworten aufgeblasene Dialoge, die meist auf konfuse, wenig aussagekräftige Aussagen reduziert werden können und darüber hinaus Fragen aufwerfen, die weder dieser, noch der letzte Teil der Reihe zu beantworten vermag. Den Höhepunkt erreicht dieser Makel im finalen Dialog zwischen dem Programmierer und Neo, der eigentlich der zentrale Punkt des Films ist, aber für den Gesamtzusammenhang der Trilogie, wenn man denn überhaupt von einem übergeordneten Zusammenhang sprechen kann, im Grunde nicht von Belang ist. Und diese langen, verkomplizierten Dialoge erzeugen im Endeffekt natürlich einige Längen im fertigen Film.

Kompensiert werden diese Fehler im Wesentlichen durch die enormen inszenatorischen Fähigkeiten, die die Wachowskis erneut aufblitzen lassen. Die Action-Szenen, die für die tricktechnische Entwicklung von enormer Bedeutung waren, sind grandios gelungen und decken ein weites Spektrum an verschiedenen Einstellungen ab. Angefangen bei der furiosen Verfolgungsjagd auf der Autobahn, über die grandios choreographierten Kampfszenen, bis hin zu den visuell sehr eindrucksvollen Effekten, ist für jeden Fan von guter Action etwas dabei. Dass die einzelnen Sequenzen mit Übersicht in Szene gesetzt sind und mit verschiedenen Bullet-Time-Einstellungen und diversen Zeitraffern noch eindrucksvoller wirken, spricht ebenfalls für die Wachowski-Brüder und ihre Können. Und da die Action-Szenen auch quantitativ sehr wohlwollend dosiert sind, sind sie allein das Ansehen des Films schon wert, auch wenn sich dazwischen kleinere Längen ergeben.

Des Weiteren überzeugt der Film erneut unter Anderem durch sein cooles Styling und die eindrucksvollen Kulissen der Zukunftsutopie und zumindest gelegentlich durch eine dichte Atmosphäre. Der makellose Spannungsbogen des Vorgängers wird dabei leider nicht erreicht, auch wenn der Film kaum langweilig wird. Außerdem hinterlässt auch das abrupte Ende des Films keinen sonderlich guten Nachgeschmack und auch diesmal fehlt dem Sci-fi-Action-Thriller leider ein pompöser oder spannender Soundtrack, mit dem zwischenzeitlich wohl eine noch eindrucksvollere Wirkung möglich gewesen wäre.

Keanu Reeves passt mit seiner kühlen Ausstrahlung, seinem coolen Charisma, erneut sehr gut in die Rolle des Auserwählten Neo. Mimisch ist er seinen deutlich stärkeren Kollegen aber auch diesmal ein wenig unterlegen. So präsentiert sich Laurence Fishburne erneut sehr stark und stiehlt dem eigentlichen Hauptdarsteller die Show, während Carrie-Ann Moss, die in ihrer Rolle diesmal zudem sehr sympathisch ist, ebenfalls eine starke Leistung an den Tag legt. Zudem überzeugen die drei Darsteller in den Kampfszenen mit hervorragenden Choreografien. Am besten ist jedoch der enorm präsente Hugo Weaving als ehemaliger Agent. Da er diesmal auch menschliche Gefühlsregungen zeigt, wie Wut oder Hass, dafür sein mimikarmes Spiel aber auch nur sehr selten aufgibt, wirken die mimischen Regungen bei ihm unglaublich intensiv und geraten zum absoluten darstellerischen Höhepunkt. Aber auch die restlichen Darsteller wissen durchaus zu gefallen.

Fazit:
Der Plot ist diesmal etwas wirr geraten und die Erweiterungen der grundlegenden Matrix-Idee sind nicht allzu stimmig, was die Macher durch überlange, verkomplizierende Dialoge zu überdecken versuchen und damit verschenken sie leider viel Potential, was das Sequel nicht einmal im Ansatz an den Vorgänger heranreichen lässt. Dennoch ist der Film mit seinen grandiosen Action-Sequenzen, dem starken Cast und der durchgestylten Optik überdurchschnittlich und sehenswert.

73%

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