Review

Lange wurde auf „Matrix Reloaded“ gewartet, große Ewartungen aufgebaut – und in meinem Falle nur teilweise erfüllt.
Der Beginn kann eine gute und eine schlechte Actionsequenz zeigen. Zuerst kommt die gute, in der Trinity (Carrie-Anne Moss) ein Wachhäuschen in die Luft jagt und danach fachgerecht die dazugehörige Wachmannschaft niederklöppelt. Doch die nächste Szene, in der sie ballernd aus einem Fenster fällt und sich so mit zwei Agenten duelliert sieht so billig aus, als wäre sie aus einem „Tomb Raider“ Game hineinkopiert worden. Das Ganze stellt sich dann als Alptraum Neos (Keanu Reeves) heraus, der Trinity in Actionsequenz Nr. 2 sterben sieht.
Doch die Crew um Morpheus (Laurence Fishburne) entdeckt zusammen mit den anderen Kapitänen der Menschenschiffe eine neuerliche Bedrohung: Die Maschinen graben sich Richtung Zion, um die Menschen endgültig auszulöschen. Die Schiffe kehren zurück in die letzte Bastion der Menschen, auch wenn Morpheus lieber eins zurücklassen würde, um in der Matrix noch einmal das Orakel zu befragen. Es dauert in „Matrix Reloaded“ recht lange, bis die Story einen roten Faden bzw. ein klares Ziel bekommt und auch die Bedrohung durch die grabenden Maschinen taugt nicht direkt als Leitmotiv.

Zurück in Zion kann sich Morpheus über den Willen seines Commanders hinwegsetzen und erhält vom Senat den Auftrag zusammen mit zwei anderen Schiffen auszuschwärmen und in der Matrix nach einer Lösung zu suchen. Während sich der Rest der Menschen auf seine Verteidigung vorbereitet, schwärmen die drei Schiffe aus, um sich an die Matrix anzukoppeln. Tatsächlich findet Neo das Orakel und bekommt einen Hinweis auf die Lösung im Kampf gegen die Maschinen...
Um „Matrix Reloaded“ verstehen können, muss man Teil eins gesehen haben und selbst dann ist es recht schwer (Mir persönlich sind das PC Spiel „Enter the Matrix“ und die „Animatrix“ Filmchen unbekannt, was auch zum Teil Schuld daran sein könnte). Dies liegt daran, dass der Film recht nebulös ist und sehr eng mit Teil 3 „Matrix Revolutions“ verbunden ist (es endet sogar mit einem „To be continued“), weshalb mir zur Zeit noch unklar ist, welche Antworten man im Finale der Trilogie erhält. Zudem enthält „Matrix Reloaded“ viel für die Story unwichtiges Geschwafel, das in die Richtung Philosophie drittes Semester geht und teilweise sehr anstrengt (vor allem gegen Ende sehr anstrengend, denn eine derartige Diskussion findet sich mitten im Finale wieder). Dies ist mein Hauptkritikpunkt, der verhindert, dass ich „Matrix Reloaded“ als Oberkracher sehe.

Ansonsten gibt es noch mehrere kleine Störfaktoren: Zum einen kommt mir persönlich zuviel aus dem PC. Dabei sieht die Kampfszene mit den Unmengen an Agent Smiths sehr gut aus, im Gegensatz zu anderen Dingen (z.B. die blöden Flugszenen Neos). Zudem wirkt der Film wie eine düstere Version von „Star Wars“: Auch hier werden munter alle Mythen und Religionen futuristisch vermischt (auch wenn das Spiel mit Geister- und Werwolfmythen bei dem Merowinger sehr reizvoll ist); vom Grundkonzept der tapferen, unterlegenen Rebellen mal abgesehen. Außerdem ist „Matrix Reloaded“ noch düsterer als der erste Teil und mir damit zu düster.
Jetzt zu den positiven Aspekten: Die Story wird konsequent weitergeführt und der Film ist dazu noch temporeich und spannend, auch wenn die Philosophiestunden zwischendurch für Längen sorgen ebenso wie anderes Füllmaterial (z.B. diverse Szenen in Zion). Dennoch kann die Geschichte meistens überzeugen und wird nicht langweilig, was vor allem im tempo- und actionreichen zweiten Drittel die Laune des Zuschauers habt, während das Finale eher enttäuschend ausfällt: Die besten Actionszenen kamen schon vorher, zu philosophisch und teilweise wie eine Kopie des Finales von „Matrix“.

Auch die Actionszenen können überzeugen, auch wenn sowohl Rebellen als auch Agenten zu übermenschlich geworden sind. Deshalb werden so gut wie gar keine menschlichen Gegner mehr bekämpft und die Knarre bleibt meist im Holster, da die Kontrahenten sind nicht mehr mit Schießprügeln gefährlich werden können. So fehlt auch eine Szene wie das Lobby Shoot-Out in Teil eins, dafür aber einige sehr spektakuläre Nahkämpfe. So überzeugt der Kampf Neos gegen die Unmengen von Agent Smiths ebenso wie Mischung aus Kampfszene und Verfolgungsjagd auf dem Freeway. Mein persönlicher Favorit ist jedoch das Gefecht Neos gegen die Bodyguards vom Merowinger. Diese Szenen sind atemberaubend spektakulär und wunderbar choreographiert. Das trifft auch auf die restlichen Actionszenen des Films zu, auch wenn diese hinter den genannten zurückbleiben.
Schauspielerisch können die Hauptdarsteller Fishburne, Reeves und Moss überzeugen ebenso wie die meisten Nebendarsteller. Um einige der Nebendarsteller wurde allerdings viel zu viel Wirbel gemacht: Aaliyah ist nicht zu sehen (ich meine sie sollte eigentlich die von Nona Gaye verkörperte Zee spielen) und auch Jada Pinkett-Smith hat nur eine kleine Nebenrolle (könnte sein, dass sie in Teil 3 wichtiger wird). Besonders unwirksam ist der Auftritt von Monica Bellucci, die an der Seite des Merowingers auftritt. Leider wird in dieser Szenen zuviel pseudo-wissenschaftlich über Kausalität geredet, obwohl am Ende alle als triebhaft dastehen. Interessant: Als fieser Agent ist B-Actionstar Daniel Bernhardt ("True Vengeance", "Bloodsport"-Fortsetzungen) zu sehen.

Eine abschließende Bewertung von „Matrix Reloaded“ fällt schwer, da der Film klar hinter meinen Erwartungen zurückbleibt und das, obwohl ich kein fanatischer Fan des Originals bin. Andererseits bieten Technik, Action und Weiterentwicklung der Story einiges, weshalb ich von einem „nur guten“ Film sprechen möchte.

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