Nach dem Erfolg der Matrix war die Fortsetzung der Geschichte schnell beschlossene Sache. Und anschließend von vornherein geplant. Gleich zwei Teile sollten es zusätzlich werden und so setzt „Reloaded“ sechs Monate später ein.
Neo und Trinity sind ein Paar, der Kampf gegen die Maschinen geht weiter. Es geht um Zion, neue Verbündete und alte Gegner. Und darum, was passiert, wenn mal eine gute Idee hatte und diese so weit aufbläst, dass man die Kontrolle über sie verliert.
Wieder geschrieben und inszeniert von den Wachowski-Geschwistern führen diese nun die Geschichte weiter. Dabei erwartet das Publikum nach zwei kurzen Actionsequenzen erst mal eine halbe Stunde Exposition. Man entführt uns nach Zion, bebildert diese bereits im Vorgänger erwähnte Zuflucht der Menschheit und zeigt was vom Leben dort. Das ist ok, zieht sich aber. Denn so nachvollziehbar der Wunsch ist, diese Welt zu vergrößern und zu füllen, so sehr entfernt man sich dadurch auch vom faszinierenden Stil des Erstlings.
Worldbuilding und Party. Man macht aus Ersterem nicht allzu viel, erzählt wenig mit vielen Worten und generell wirkt „Reloaded“ immer wieder in seiner Erzählung redundant, dreht sich im Kreis. Die Faszination an der künstlichen Realität, die zumindest für mich den Kern der Geschichte ausmachte, weicht einer weniger spannenden Erzählung um neue Charaktere, politische Konflikte und der Rolle Neos als Messias. Dazu gesellen sich über die Laufzeit ein paar anstrengend-alberne Dialogkonstrukte, die in ihrer Künstlichkeit tiefgründig klingen wollen, es aber nüchtern betrachtet nicht sind. Dabei konterkariert der Film seine komplexen Absichten immer wieder selbst mit einem sich entladenden „Ich-gegen-dich“-Schema.
Inhaltlich hat man also eine nicht wirklich ausbalancierte Story gebastelt. Was den Vorgänger aber daneben auszeichnete, war die stilsichere Action. Doch leider hapert es auch da beim Sequel. In der ersten Hälfte gibt’s nicht allzu viel, das ändert sich später. Da wird man mit langen Sequenzen bombadiert, unter exzessivem Einsatz von Zeitlupen. Das kann in der x-ten Wiederholung schon etwas langweilen, wirkt es in der Masse doch beliebig. Es wurde quasi das genommen, was im Erstling noch frisch wirkte und einfach aufgeblasen. Nun ist das in einer Fortsetzung nicht ungewöhnlich, doch wirkt der Krawall hier nicht organisch in den Fluss der Geschichte eingebunden.
Die Fights sind allerdings immer noch chic choreographiert, wenn auch noch mehr drüber als zuvor und sie leiden unter teils arg künstlichen Effekten, die mehr an eine Zwischensequenz eines Videospiels erinnern. Gerade animierte Menschen sind den Machern nicht gelungen. Das fällt besonders bei Neo vs. die Smiths auf, das kann man nicht wirklich ernst nehmen. Auch bei der ausufernden Autobahnsequenz, für die man extra einen Abschnitt baute, ist optisch nicht alles stimmig und die Künstlichkeit verdirbt doch manche eigentlich nette Idee.
Musikalisch gibt’s zwar im Abspann wieder rockige Klänge, im Film selbst überwiegt neben dramatischen Orchesterpassagen aber ein beliebiger Elektrosound, der dem Geschehen keinen weiteren Charakter verleiht.
Apropos Charaktere, das zentrale Trio ist wieder am Start. Keanu Reeves, Carrie-Anne Moss und Laurence Fishburne führen ihre Rollen weiter, an Neuzugängen gibt es unter anderem Jada Pinkett Smith und Monica Bellucci. Wieder charismatisch, aber mit zu wenig (echter) Screentime darf Hugo Weaving erneut als Agent Smith agieren.
Die schwarzen Klamotten sind immer noch chic, aber das reicht eben nicht. Zwischen all dem wirren Gebabbel und den gefühlt pflichtschuldig eingestreuten Kloppereien hat man die faszinierende Idee des Erstlings aufgeblasen und erweitert, ohne das erschaffene Konstrukt zu beherrschen. Mehr ist nicht automatisch besser. Ursache erdrückt Wirkung.