Review
von Leimbacher-Mario
German Plunderkind
Ihr mögt es „X-Men auf Wish bestellt“ nennen. Stimme ich schon zu. Ich nenne es aber auch „recht sympathisch“. Das ist „Freaks - Du bist eine von uns“ in Kurzform für mich. „Freaks“ hat einen sehr generischen Titel, kann seinem Genre auch nichts wirklich Neues abkaufen, hat oft zu wenig Budget und Schauwerte am Start und wirkt nicht selten deutsch-steif. Und dennoch würde ich den Netflix-Indie keinesfalls als miesen Film bezeichnen. Er ist nur eben, anders als seine Protagonisten, rein gar nichts Besonderes - erst recht nicht, wenn man mit internationalen Maßstäbe und etlichen Varianten dieser mittlerweile vollgepackten Schublade vergleicht...
„Freaks“ erzählt von einer Familienmutter, die plötzlich entdeckt, dass sie extreme Kräfte besitzt und zu einer ganz speziellen, begabten Gruppe von Menschen gehört - Superhelden, Mutanten, Gefahr. Ihr wisst, wie's weitergeht... Und das ist auch schon ein weiteres mittelgrosses, abwertendes Ärgernis - die Geschichte und der Großteil ihres Verlaufs dürfte den meisten Leuten einfach viel zu früh glasklar sein. Rechnet man dazu das Fehlen jeglicher Kreativität und zu wenig Kohle für echte Schauwerte und Effekte - fertig kann schonmal der ein oder andere hängende Kopf sein, egal ob von 11- oder 51-Jährigen, egal ob man wöchentlich in diesem Subgenre unterwegs ist oder es meidet wie der Teufel Weihwasser. Gerettet wird das Projekt dann doch noch zum Glück deutlich von seinen mögenswerten Beteiligten, leicht fallender Identifikation, trockenem Humor und einem grundsätzlich schon hochwertigen Aussehen, inklusive drei teurer, sehr guter Popsongs, die dann mal kurz Vibes wesentlich größerer und bekannterer Netflixproduktionen aufkommen lassen. Aber nur Spurenelemente davon. Insgesamt reicht es dann aber selbst aus deutscher Sicht, mit heimatlichem Rückenwind, nie ganz.
Fazit: nobler Versuch, suboptimales Ergebnis. Genauso wenig „Super“ wie Marvel. Und gerade hintenraus ist „Freaks“ arg überfordert, lahm und stolpert über die eigenen Beine, Ambitionen und Vorbilder. Manchmal ist das sogar nah am Fremdschämen. Dennoch: mit etwas Lokalpatriotismus ein minimal positiver Nice Try. Und ich mag die Songs. Die Hauptdarstellerin auch. Mehr als nichts.