Sputnik ist nicht nur der Name eines russischen Impfstoffes, es war vor allem der Startschuss der sowjetischen Raumfahrt im Jahre 1957 mit dem ersten künstlichen Erdsatelliten. Ganz so liniengetreu wie der Titel vermuten ließe ist das Langfilmdebüt von Egor Abramenko allerdings nicht ausgefallen. Im Gegenteil: Zwischenzeitlich erklingen auffallend systemkritische Töne.
1983: Konstantin überlebt als einziger Kosmonaut den Absturz der Orbit-4 und landet in einer geheimen militärischen Forschungsstation. Befehlshaber Semiradov beordert die Neuropsychologin Tatjana hierher, um sich eingehender mit dem unter Amnesie leidenden Patienten zu beschäftigen. Noch in der ersten Nacht ihres Aufenthaltes erfährt sie die wahren Hintergründe ihres Einsatzes, denn Konstantin dient unwissend einer außerirdischen Lebensform als Wirt. Tatjana soll Mittel und Wege finden, beide voneinander zu trennen…
Die an „Alien“ und „Life“ erinnernde Mixtur ist inmitten des Kalten Krieges angesiedelt und wird aus der Sicht von Tatjana erzählt. Somit weißt der Zuschauer nie mehr als sie, was besonders in der ersten Hälfte für Spannung und Unbehagen gleichermaßen sorgt. Die schwach ausgeleuchteten Betonkulissen sorgen zudem für eine düstere Atmosphäre, während das Alien nach rund einer halben Stunde in Erscheinung tritt.
Das Creature Design ist recht detailliert ausgefallen und stammt komplett aus dem Rechner, was sich als solches kaum bemerkbar macht. Die Bewegungen sind geschmeidig, die dazugehörige Sounduntermalung ist stark, nur das Ein- und Abtauchen in den Wirt findet sich nur andeutungsweise, was wahrscheinlich den Kostenrahmen gesprengt hätte. Ferner werden häufig die Schwarzweißbilder der zahlreichen Überwachungskameras verwendet, um den Aufwand der Spezialeffekte gering zu halten. Hierzu passen auch die wenigen Gewalteinlagen, von denen lediglich ein zur Hälfte abgefressenes Gesicht zu den expliziten Momenten gehört.
Je mehr Einzelheiten ans Tageslicht geraten, umso deutlicher verliert das Treiben an Spannung, obgleich im finalen Akt etwas mehr Action aufkommt. Leicht irritierende Szenen in einem Waisenhaus ergeben erst in den letzten Momenten einen Sinn und runden die Geschichte in einem gelungenen Rahmen ab, wobei Twists und Turns eher ausbleiben.
Der gegen Ende vermehrt pulsierende Score zählt ebenso zur Habenseite wie die solide aufspielenden Mimen, zudem ist handwerklich kaum etwas anzukreiden. Die Erzählung punktet hingegen eher in der ersten Hälfte, indem sie geheimniskrämerisch mit dem Stoff umgeht, während danach ein wenig die Dynamik verloren geht und einigen Konventionen weicht. Dennoch ein beachtlicher Erstling, der Freunden von Science Fiction und Horror passables Material liefert.
6,5 von 10