Auch in Russland kann man auf zahlreiche urbane Legenden und düstere Mythen zurückgreifen. Regiedebütant Ivan Minin fokussiert sich auf den Mythos der lahmen oder auch hinkenden Witwe, was erstmal nicht so furchteinflößend anmutet, - deshalb wird die Erscheinung auch lange Zeit ausgespart. Ansonsten blairwitched es ganz ordentlich.
In der Nähe von St. Petersburg: Reporterin Kristine begleitet ein Team von Rettungssanitätern, die zunächst eine Übung in einer Höhle absolvieren, wonach sie zu einem echten Einsatz beordert werden. Im weitläufigen Waldgebiet soll ein Junge verschwunden sein, doch stattdessen finden sie eine verstörte nackte Frau in einem Heuhaufen. Kurz darauf scheinen sämtliche Wege versperrt zu sein…
Found Footage ist nun auch mit einiger Verspätung in Russland angekommen, oder man ist fleißig dabei, das eigentlich verbrauchte Stilmittel neu aufzuwärmen. Zwar wird überwiegend mit der konventionellen Kamera gearbeitet, doch mitunter wird auf Egosichtweisen von Helmkameras zurückgegriffen oder Filmmaterial eines Handys gesichtet. Der eigentlich austauschbare Wald eignet sich aufgrund der effektiven Beleuchtung als durchaus atmosphärisches Setting, die gelungene Sounduntermalung und der effektive Score tragen ebenfalls zur unheilvollen Grundstimmung bei.
Figurentechnisch wird zwar nicht allzu viel herausgekitzelt, doch mit den eigentlich erfahrenen Sanitätern um Neuling Vika und der leicht naiv vorgehenden Reporterin finden sich brauchbare Protagonisten, die von den Mimen passabel verkörpert werden. Während in der ersten Hälfte eine düstere Ausgangsposition mit geballten Problemen rund um technische Unzulänglichkeiten etabliert wird, macht sich ab dem Mittelteil ein wenig Ereignisarmut breit. Hier mal ein entfernter Schrei, dort eine Erkundung in einem engen Schacht, dazu ein offenbar doppelter Rettungshund und ein festgefahrener Rettungswagen liefern zwar einige Ereignisse, jedoch wenig Suspense.
Immerhin kommt es hin und wieder zu leicht gruseligen Erscheinungen und im Verlauf zu kleinen Gewalteinlagen, die allerdings locker eine FSK16 rechtfertigen. Zudem gesellen sich weithin bekannte Muster wie schwarze Klüsen als Zeichen eines im Bann befindlichen und ein, zwei Erschreckmomente sind ebenfalls auszumachen. Das Finale erfährt indes nur eine schwache dramaturgische Steigerung, während die ganz großen finalen Überraschungen ausbleiben.
Der Mangel an zündenden Ideen zeichnet sich innerhalb der 86 Minuten klar als deutliches Manko ab, wogegen auf handwerklicher Ebene nicht allzu viel anzukreiden ist, zumal selbst die Egosichtkameras weitgehend stabile Bilder liefern. Auf der Habenseite ist die gelungene Waldatmosphäre zu verbuchen und die Tatsache, mit wenigen Mitteln eine unheilvolle Grundstimmung zu verbreiten. Das allein reicht allerdings nicht für eine Empfehlung, denn die hinkende Witwe hinkt dem Ganzen deutlich hinterher.
5,5 von 10