Neben Kollegen des Metiers wie Daniel Zirilli oder R. Ellis Frazier zur zweiten oder dritten Riege an Regisseuren für die DtV-Schiene an Actionfilmen zugehörig und zuständig, hat sich Christian Sesma in den letzten Jahren (wie auch Frazier) vor allem mit Luke Goss als 'Star' und Aushängeschild dieser Sorte Film betätigt. Paydirt als nächste weitere und insgesamt fünfte gemeinsame Zusammenarbeit beider, nach u.a. The Night Crew (2015) und AWOL-72 (2015), wobei hier noch das Glück eines weiteren 'Coups' in der Besetzung hinzukam, konnte doch Val Kilmer noch gewonnen werden; ein mittlerweile (nicht nur durch Krankheit) zwar verblasster, aber eben noch bekannter Stern. Die Produktion selber konnte kurz vor dem Beginn des Lockdowns Anfang des Jahres in Kalifornien beendet werden, dem Glücklichen schlägt keine Stunde:
Südkalifornien, Colorado-Wüste. Der geschasste ehemalige örtliche Sheriff William Tucker [ Val Kilmer ] ist auf den Spuren des vor mehreren Jahren festgenommenen und auch inhaftiert gewesenen Damien Brooks a.k.a. 'The Brit' [ Luke Goss ], der zwar damals nur mit Weed erwischt wurde, wo aber von einer versteckten Beute von sage und schreibe 33 Mio. USD gemunkelt und auch eifrig gesucht wird. Brooks, der mit der Bewährungshelferin Layla [ Mirtha Michelle ] im Schlepptau mittlerweile freigelassen wenig Bewegungsspielraum hat, schafft es trotzdem, sich mit seinen früheren Genossen Geoff Bentley a.k.a 'The Brains' [ Mike Hatton ], 'The Brawn' Tony [ Paul Sloan ] und den Frauen Cici a.k.a. 'The Badass' [ Veronika Bozeman ] und ihrer Freundin Janel, 'The Babe' [ Murielle Telio ] zu treffen und einen Plan auszuschmieden, um jetzt nach der Haftstrafe doch noch an das Geld zu gelangen. Dumm nur, dass eigentlich das Sinaloa-Kartell darauf Anspruch erhebt und bereits seine Männer (und Frauen) nach Brooks entsandt hat.
"Pride, is no good amigo. When you think you're too smart, it's not good. This is not about who is smart and who is not. This is about money."
Die Bilder suchen nach Aufmerksamkeit, von Beginn an bspw. zu Beginn an zumindest, drei verschiedene Eröffnungsszenen, die sich erst in der dritten davon, einer nächtlichen Schießerei in einer Autowaschanlage zwischen der Polizei und Drogengangstern ein wenig zusammenschließen und ein wenig verbinden. Die zweite der Szenen, das stumme hinausstarren und Sinnieren eines Mannes auf den Salton Sea bleibt davon noch am längsten hängen; nicht nur wegen des Mannes selber, der während der Schießerei als einziger verhaftet wird, während vier andere Menschen sterben, sondern v.a. wegen dem einstmals legendären und blühenden Ort, der nun nur noch am Sterben bzw. am Dahinsiechen ist. Salton Sea, so hieß auch mal ein Film mit Kilmer; Kilmer ist hier derjenige, der die Razzia seitens der Polizei und die Verhaftung vorgenommen hat. Da schließt sich der Kreis, dann kann der Film beginnen.
"We'll have more details as the story continues to unfold." heißt es in einer der Nachrichtensendungen zu dem Thema, die Razzia in der Vergangenheit, vor 5 Jahren, alles Weitere hier und jetzt. Zeiten haben sich geändert und sind dennoch gleich geblieben, Figuren haben ihren Preis bezahlt und werden ihn auch weiter entrichten müssen. Neue Leute werden eingeführt, weniger mit ihrem richtigen Namen als vielmehr mit einer Beschreibung, die schon alles klären soll, THE BABE, THE BADASS, THE BRAINS, THE BRAWN, und natürlich das Ganze auch in Freeze Frame gesetzt. Vor einem Vierteljahrhundert hat man das so gemacht, erst bei Tarantino, dann damals bei den Trittbrettfahrern und anderen Kopierern, heute macht man das eigentlich nicht mehr. Das hat sich verselbständigt und ist zur Parodie geworden, wodurch auch der Film hier schneller an Würde verliert, als ihm lieb sein kann und diese schnelle Würdelosigkeit auch vollkommen unnötig eigentlich ist.
Kilmer selber ist übrigens am Ende, also im Film, ist nach der Verhaftung selber Sheriff A.D. und bekommt auch mal Geld auf einer Parkbank von mitleidigen Passanten zugesteckt, sieht aber auch so nicht wirklich gut ist, die langen Haare zum aufgedunsenen und mal blutleeren und mal wie von Äderchen durchzogenen Gesicht machen den Eindruck nicht besser, dazu wird natürlich wie bei einer Schildkröte der Hals (aufgrund der Erkrankung des Schauspielers) nicht gezeigt und immer (mit einem dicken Schal, im Hochsommer) 'versteckt', und die Stimme von einem anderen Darsteller eingesprochen und so (aber geschickt) synchronisiert. Kilmer ist wegen der Tochter da, Mercedes Kilmer, die ihren willkommenen, da gescheit und sympathisch wirkenden, wenn auch arg kurzen Einstand hier gibt, ihren Startschuss, während der Vater eher am Ende der Laufbahn angelangt ist.
Der Film selber ist so mittig dazwischen, eigentlich geht er auch nicht vorwärts, sondern eher seitwärts, mit Vorhaben, mit Rückblenden (inklusive einem winzigen Schusswechsel beim Eindringen und Verlassen einer Latino-Gangsterwohnung), mit kleinen Gags, die sich vor allem auf die mangelnde Erfahrung vom Briten mit der neuen sozialen Welt ("What's a fire stick?" und "What's an influencer?", oder seine zum Schein erforderlichen Bewerbungsgespräche für 9 to 5 Jobs) beziehen, die fish-out-of-water Prämisse also, die ihn erst dumm und dann eigentlich viel schlauer und vor allem unabhängiger von diesem 'neumodischen Mist' dastehen lässt. Dazwischen tröpfelt das so her, liefert ein paar bessere Bilder der Gegend, vor allem der Natur und der Landschaft um Coachella, Riverside, versucht auch, eine eigene spezielle Welt zu erschaffen, hat aber kein Tempo, keine richtige Spannung und nur noch im Showdown etwas blauen Bohnen aus den Pistolen und Gewehren, eher eine Art Studie, nur ohne viel auszusagen und ohne viel zu klären.