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Regisseur Sebastián Schindel widmet sich nach seinem Langfilmdebüt „El Hijo – Der Sohn“ erneut innerfamiliären Problemen, was er in Form eines Dramas erzählt. Die auf wahren Begebenheiten basierende Geschichte hinterfragt das Thema Gerechtigkeit, - jedoch eher im moralischen, denn im juristischen Sinne.

Die gut betuchte Hausfrau Alicia (Cecilia Roth) ist schockiert, als sie erfährt, dass ihr vorbestrafter Sohn Daniel dessen Ex übel drangsaliert haben soll und sich in Untersuchungshaft befindet. Gleichzeitig wird Alicias Dienstmädchen Gladys ein schreckliches Verbrechen vorgeworfen…

Die beiden Fälle, die auf den ersten Blick rein gar nichts miteinander zu tun haben, werden nicht chronologisch vorgetragen. Was Dienstmädchen Gladys vorgeworfen wird, erschließt sich erst im Verlauf, die Anklage gegen Daniel wird hingegen klar ausformuliert. Von den jeweiligen Taten sieht man natürlich nichts, sonst würden entsprechende Gerichtsverhandlungen wenig Sinn ergeben. Für Spannung sorgen sie dennoch nicht, zumal jeweilige Aussagen überwiegend sachlich vorgetragen werden und zu fast keiner Zeit überraschende Wendungen ins Spiel kommen. Der eigentliche Prozess, wenn man so will, findet bei Alicia statt und liegt auch ein Stück weit in ihrer Hand.

Das impliziert jedoch einen deutlichen Mangel an Interaktionen. Alicia ist häufig mit ihrem jungen Schützling, dem Sohn von Gladys zugange, während die Ehe einen unterkühlten Eindruck macht und die oberflächlichen Freundinnen wenig zum Geschehen beitragen. Demgegenüber verschwinden die vermeintlichen Täter zu lange aus dem Blickfeld und wenn es doch einmal zu juristischen Wendungen kommt, geschieht dies zuweilen ohne konkreten Kontext.

Der mit rund einer Million US-Dollar budgetierte Streifen kommt inszenatorisch kaum über das Niveau eines durchschnittlichen TV-Films hinaus. Kamera, Ausstattung und Score ordnen sich einer Charakterstudie unter, welche Cecilia Roth jedoch überzeugend zu vermitteln weiß.
An ihr ist es zumindest nicht, dass der Stoff auf emotionaler Ebene zu oberflächlich bleibt und schlichtweg nicht mitreißt.

Dies vermag auch ein in weiten Teilen vorhersehbarer Twist nicht zu ändern, denn wer hier einen packenden Gerichtsthriller sucht, dürfte kaum fündig werden. Phasenweise wird der Stoff schwerfällig vorgetragen und trotz fähiger Mimen schürt er nicht die angemessene Empathie für Themen wie häusliche Gewalt und vermeintlich falsche Loyalität.
Insofern plätschert der argentinische Beitrag trotz lobenswerter Ansätze merkwürdig teilnahmslos an einem vorbei.
5 von 10

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