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Regisseur John Lee Hancock, dessen Crime-Drama in mehrerlei Hinsicht einen Retro-Thriller verkörpert, ist es gelungen, drei Oscar-Preisträger ins Boot zu holen. Die Prestige-Besetzung schien auch notwendig, um den eigentlich banalen Stoff halbwegs glanzvoll zu verpacken.

1990: Der als Streifenpolizist auf dem Land tätige Deacon (Denzel Washington) zieht es für einen kleinen Auftrag zurück ins alte Revier nach LA, wo er auf den aufstrebenden Cop Baxter (Rami Malek) trifft. Vier Frauen wurden bereits Opfer eines Serienkillers und als Deacon einer Tatortbesichtigung beiwohnt, entdeckt er einige dienliche Spuren. Als die ungleichen Ermittler mit Albert (Jared Leto) einen Verdächtigen an der Angel haben, zettelt dieser ein Katz- und Maus-Spiel an…

Das Skript verfasste Hancock bereits 1993, doch seither fand sich kein Filmemacher, den Stoff umzusetzen, so dass Hancock letztlich selbst auf dem Regiestuhl Platz nahm und sich neben der Konzentration auf die Figuren um eine stimmige Atmosphäre mühte. Dies ist aufgrund der soliden Ausstattung, - immerhin finden sich zahlreiche Fahrzeuge vergangener Jahrzehnte auf den Straßen, durchaus gelungen und auch einigen Schauplätzen haftet eine halbwegs markante Note an.

Die Ermittlungsarbeiten treten allerdings oftmals in den Hintergrund. Nur selten werden Indizien gesammelt, Zeugen vernommen oder die Leichen ins Visier genommen. Noch spärlicher ist der Kreis der Verdächtigen, denn sobald die Figur des Albert auf den Plan tritt, ist die Suche bereits vorzeitig beendet und es stellt sich lediglich die Frage, ob die Cops genügend Beweise sammeln können oder ob der Typ nur eine makabere Show abzieht.

Vielmehr rückt das Geschehen die scheinbar unterschiedlichen Polizisten in den Vordergrund, wobei Deacon immerhin einen tragischen Background erhält, bei dem in Ansätzen ein leichtes Miträtseln gegeben ist. Die Figur Baxters ist insofern einigermaßen interessant, als dass der junge Cop latent nervös wirkt, obgleich er stets Überlegenheit auszustrahlen versucht, was ihn ein wenig unberechenbar erscheinen lässt.

Mit seinen 128 Minuten Laufzeit stellen sich nicht selten Längen ein, zumal es keine Actionszenen gibt und das Konfrontationspotential überaus gering bleibt. Obgleich die finale Szenerie in der Wüste unweigerlich an die von Finchers „Sieben“ erinnert, gibt es hier weder eine dicke Überraschung, noch eine Erleuchtung, Blut fließt ebenfalls nicht. Ferner vermag der etwas unentschlossene Ausgang nur bedingt zufrieden zu stellen.

Die namhaften Mimen kitzeln tatsächlich noch einiges aus den Charakteren heraus, obgleich Washington die meiste Zeit über müde wirkt, was jedoch seine Figur mit sich bringt. Malek performt routiniert, doch das eigentliche Highlight ist Leto als undurchschaubarer Antagonist. Ohne in Gefilde des Overactings zu verfallen, verleit er dem Albert eine merkwürdige Körperlichkeit, während seinem Wesen eine leichte Überheblichkeit mitschwingt. Ein Verhör offenbart, dass Spannung durchaus einzig durch gute Dialoge und entsprechendem Timing erzeugt werden kann.

Davon gibt es in „The Little Things“ jedoch deutlich zu wenig. Das Mitfiebern fällt lau aus, emotional ist ebenfalls wenig los und die betont ruhige Erzählweise trifft zwar oft den atmosphärischen Ton, besticht aber nicht gerade durch Kurzweil oder spannungsgeladene Momente.
5 von 10

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