Alle im Chor: "Uhh, Theateradaption"!
Sofort beginnen sie sich vor unserem geistigen Auge aufzureihen, die Assoziationen mit dem Genre: Die ungenügend in Kinodialoge umgemünzte Redseligkeit. Die statische, sich nicht restlos von den weltbedeutenden Brettern lösen wollende Inszenierung. Die vor Livepublikum begeisternden, auf Zelluloid übertragen aber sehr theatralisch (!) anmutenden Schauspielleistungen.
Und dann schauen wir uns Neil LaButes "Shape of Things" an und müssen feststellen: Jawohl, stimmt alles.
In gerade einmal einer Handvoll Szenen und mit langen Einstellungen fängt LaBute das Beziehungskarussell seiner vier Handlungsträger ein. Alles ist auf ihre langen Wortgefechte fokussiert, kaum etwas bewegt sich im Bild, nur selten setzt Musik ein. Wie befürchtet.
Doch was wie verfehltes Adaptieren an die Bedürfnisse eines anderen Mediums wirkt, hat Methode.
Wenn etwas nicht kaputt ist, dann repariere es nicht, an diese Binsenweisheit scheint der Regisseur gedacht zu haben, denn gerade in ihrer spartanischen filmischen Ausarbeitung kommt die Aussage voll zur Geltung. Hier wird sich zu Recht ganz auf die Wirkung der Geschichte verlassen, und es dürfte schwer fallen, diese zu ignorieren. Auf die eine oder andere Weise wird dieser Film bei uns verfangen. Was wirklich nicht abzusehen war.
Denn er dreht sich wie so viele andere vor und wohl auch nach ihm um die Liebesnöte junger Menschen. Und macht es sich auf diversen Allgemeinplätzen gemütlich. Unscheinbarer Student lernt quirliges Künstlermädel kennen. Sie stellt sein Leben natürlich auf den, richtig, Kopf. Seine Freunde sind derweil im vorbereitenden Hochzeitsstress. Und die Braut in spe empfindet heimlich etwas für unseren Protagonisten. Ist das alles aufregend.
Naja, oder auch nicht, grummeln wir da zurecht, das wurde uns doch schon zur, richtig, Genüge vorgesetzt. Aber es gibt ja noch eine andere Binsenweisheit, die da lautet: Das Spiel dauert 90 Minuten. Schauen wir den vier Akteuren also über die volle Spielzeit zu. Genießen wir die einnehmende Darbietung von Weisz, wundern wir uns über den Charakter von Rudd, amüsieren wir uns mit Weller, hadern wir gemeinsam mit Mol. Diese vier werden uns mit ihren Problemen, Neurosen und Eigenarten auf die Pelle rücken. Und das wird nicht immer schön mitanzusehen sein, das wird uns häufig prätentiös, gelegentlich sogar durchschnittlich erscheinen.
Ja, das Verhalten der Protagonisten stellt unsere Nerven auf die, richtig, Probe. Aber abwarten. Nur abwarten. Wir werden belohnt werden. Womöglich sogar überrascht. Was für ein Geschenk in diesem Genre.