Review

Da hat mir ein Arbeitskollege doch den dringenden Rat gegeben, sich endlich einen seiner Lieblings-Actioner anzusehen. Da ginge es nonstop zur Sache, da fliegen die Minis, es explodiert viel, Charlize Theron, wie geil…
Bei Gelegenheit werde ich mal nachhaken, was er während des Mittelteils gesehen hat und warum dieses Remake von „Charlie staubt Millionen ab“ überhaupt nötig war, denn mehr als einen Durchschnittsfilm konnte ich hier nicht ausmachen.

Das mag zum einen an der vorhersehbaren Story liegen, die sich nicht nur beim Original von 1969 bedient, sondern viele Motive zusammenklaut, die den typischen Gangsterfilm seit den 50ern ausmachen.
So ist es hier eine kriminelle Gruppe um Charlie (Mark Wahlberg), die in Venedig einen Tresor knackt, um Goldbarren im Wert von 35 Mio. einzusacken.
Doch während der Flucht hintergeht sie Kumpan Steve (Edward Norton), erschießt Charlies Freund und Mentor Bridger (Donald Sutherland) und macht sich aus dem Staub.
Ein Jahr später haben Charlie und seine Kumpels den Verräter ausfindig gemacht, die hübsche Tochter des Verstorbenen Bridger (Charlize Theron) ist mit von der Partie und so will man sich bei einem Goldtransport die einstige Beute zurückholen.

Leider entspricht der Verlauf nicht den Erwartungen, die der fulminante Einstieg geweckt hat.
Elegant und zugleich raffiniert verläuft der Einbruch, da lässt man den Tresor einfach mal durch mehrere Etagen sprengen, auf dass man ihn als Taucher unter Wasser öffnen kann.
Es folgen ansehnliche Verfolgungsjagden durch die Wasserstraßen Venedigs, doch spätestens mit dem Ableben Sutherlands verliert sich ein wenig das Interesse am Geschehen.

Denn nun folgt eine recht lange Durststrecke, in der es vollkommen an Action mangelt und stärkeren Wert auf das Zusammenspiel der Ganoven gelegt wird, was nur selten unterhaltsam ist und noch seltener ein wenig Humor mit sich bringt.
Interessant sind da nur die kurzen Flashbacks für die jeweilige Begründung der Ganovenkarriere. Ansonsten darf Jason Statham super Autofahren und jede Frau mit einem Lächeln um den Finger wickeln, Theron macht prinzipiell das Gleiche, kann zudem gut mit Panzerschränken und Wahlberg umgehen, Mos Def hat als Sprengstoffexperte ein paar flockige Sprüche parat und Seth Green darf das Computergenie markieren und damit prahlen, der eigentliche Erfinder von Napster zu sein, was jedoch beim siebten Mal zu nerven beginnt.

Im Kern besteht das Treiben aus Ausspionieren von Nortons gut bewachtem Anwesen und dem mehrfachen Durchkalkulieren des Plans, wie man denn das Gold zurückbekommt.
Da darf sich Theron als Kabeltechnikerin ausgeben und in Nortons Domizil vordringen (da die übrigen Gangmitglieder schließlich für tot gehalten werden), sämtliche Ampeln von Los Angeles steuert der PC-Freak per Mausklick und ein mächtiger Russe mischt auch noch mit.
Witzig ist in dem Zusammenhang die Erscheinung des Ganovenhelfers „Skinny Pete“, anderweitig mächtig.

Gegen Ende kommt dann noch mal ordentlich Tempo ins Spiel, wenn Nortons Transport überfallen wird, getunte Minis quer durch Tunnel, U-Bahn-Schächte und L.A. im Allgemeinen rasen, eine Sprengung gewaltig wummst und Theron Schwierigkeiten beim Knacken des ausgetauschten Tresors hat, - da kommt für einen Moment sogar gefühlte Spannung auf, - während der Rest zwar flott inszeniert, aber auch bis ins Detail vorhersehbar abläuft.

Ansehnlich ist das schon, Kamera und Schnitt arbeiten sorgfältig und der Score weiß die temporeichen Szenen angemessen zu untermalen. Nur, zu abgedroschen ist die Story an sich, zuviel Zeit wird im Mittelteil verplempert und zu abrupt scheint das Schicksal aller Beteiligten besiegelt, es hätte ruhig etwas weniger glatt ablaufen dürfen.

Dabei versprachen einige namhafte Darsteller weitaus mehr, doch die meisten verkaufen sich schlicht unter Wert. Sutherland ist gut in den wenigen Minuten Screentime, der Rest lediglich okay, schlechter hingegen Edward Norton, den ich selten so lustlos erlebt habe.

Am Ende steht ein mittelmäßiger Gaunerfilm, der ein paar gute Actionszenen liefert, während so richtig glanzvolle Schauwerte ausbleiben, - zumindest wird mir auf Dauer keine Szene länger im Gedächtnis bleiben.
Nett anzusehen, aber eben nicht fesselnd,
6 von 10

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