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Kürzt man Steven Soderberghs Ocean's Eleven um den Glamour seiner strahlenden TopStar-Riege, setzt das Niveau der Dialoge eine Stufe herunter und fügt dem Ganzen einen eher rauen, etwas düsteren Grundton und Mini Cooper hinzu - erhält man The Italian Job. Wie Soderberghs smarte Gaunerballade ist auch F. Gary Grays fünfter Spielfilm Remake eines Klassikers, in diesem Fall stand die gleichnamige britische Thriller-Komödie mit Michael Caine in der Hauptrolle Pate, die vor allem in ihrem Herkunftsland Kultstatus genießt. Die Neuauflage hat mit dem Original allerdings kaum etwas gemeinsam.
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Unter Grays geübter Regie übernimmt diesmal Mark Wahlberg die Rolle des Charlie Croker, der mit seiner eingespielten Bande von Spezialisten in Venedig einen Safe voll Gold im Wert von 35 Millionen stibitzt. Doch er wird von einem seiner Männer, Steve, hereingelegt, der Charlies Mentor John erschießt und in dem Glauben, alle seine ehemaligen Kumpane beseitigt zu haben, mit dem Gold durchbrennt. Es beginnt die im Untertitel genannte Jagd auf Millionen...
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Nach dem Intro verlagert sich die Handlung in die USA und Charlize Theron tritt als safeknackende Tochter des getöteten John dem Quartett der Räuber bei. In einer Ocean's Eleven nicht unähnlichen Montage werden die einzelnen Mitglieder und ihre spezifischen Fähigkeiten noch einmal vorgestellt, obwohl man sich während des Einbruchs in Venedig darüber bereits einen ganz guten Eindruck verschaffen konnte. Und nicht nur hier (wenn die Szene auch amüsant ist) wirkt The Italian Job um einiges weniger elegant als Soderberghs lockere Fingerübung. Bei Gray geht es ungeschliffener, gröber, actionlastiger und weniger auf Schauwerte bedacht zur Sache, wenngleich der Racheplan der betrogenen Gauner auch genügend Raffinesse einbringt, um die Story und das Interesse am Laufen zu halten. Die Charaktere sind grundsätzlich sympatisch, manch lockerer Spruch geht aber daneben, wodruch die Gespräche innerhalb der Truppe eher zu belanglosem Geplänkel verkommen. Besonders der von Seth Green gespielte Hacker und nach eigenen Worten ‚napster‘-Erfinder Lyle besitzt ein gewisses Nervpotenzial. Im Gesamten ist dies jedoch nicht unbedingt ein Nachteil für den Film. Wo die Ocean's-Helden durch eine eigene Welt aus Eleganz und Nonchalance wandeln, ist bei The Italian Job eine bodenständigere Truppe am Werk, die sich beim Basketball zu schwitzen erlauben und den Schampus aus der Pulle konsumieren.
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Daraus resultiert ein ganz eigener Charme, den Darsteller wie Wahlberg, Jason Statham als „schöner Rob" oder Mos Def als halbseitig tauber „Left Ear" mit verschmitzem Lächeln und einer hemdsärmeligeren Herangehensweise voll auszuspielen wissen. Auch Donald Sutherland passt als John Bridger in dieses Schema und gibt der gesamten Truppe in seinem kurzen Auftritt ihre Moral und Gangsterehre vor, bei der zum Beispiel auf den Einsatz von Waffen verzichtet wird. Hinterhältig verstößt dagegen Edward Norton als Steve, der somit als (eigentlich) perfekter Antagonist eingeführt wird. Seine Figur wird aber in der Folge ziemlich verschenkt, schmierig baggert er Charlize Theron an, erschießt einen unschuldigen Goldhändler - und gewinnt doch nie an Format, wird als zu feige und schwächlich portraitiert, um wikrlich zu überzeugen. Nortons brilliantes Talent wird hier auf jeden Fall verschwendet. Außerdem ist der Subplot um den Goldhändler und seine ukrainische Verwandtschaft reichlich überflüssig, nimmt unnötig Tempo aus der Handlung und gerät etwas zu düster.
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Die spektakuläre Durchführung des Goldraubs, die bis auf das Setting zwar beinahe deckungsgleich zum Anfang verläuft, entschädigt am Ende dafür, dass einiges bis hierhin etwas dahindümpelt und die Hindernisse, die Charlie und seine Gang zu überwinden haben, einen nicht gerade umhauen. Sie wirken arg wahllos und lapidar in die Gegend platziert, um den Film zu strecken und den Höhepunkt hinauszuzögern. Außerdem nutzt Gray die Möglichkeiten zur humorvolleren Nutzung der Charaktere, die er in deren Einführung andeutet, nicht unbedingt aus, so dass die Interaktion der Gruppe etwas undynamisch und beliebig rüberkommt. Da wäre, was den Spaßfaktor des Films betrifft, eindeutig mehr drin gewesen. Gut tut Gray daran, die sich anbahnende Liebesgeschichte zwischen Wahlberg und Theron aus dem Film herauszuhalten und in den Abspann zu verschieben. So bleibt Theron dadruch motiviert, dass sie es mit dem Mörder ihres Vaters zu tun hat und nicht bloß als Gefährtin des Helden und optisches Beiwerk durch die Story wackelt.
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The Italian Job - Jagd auf Millionen bietet nette, gut gefilmte Unterhaltung mit einem (für ein „Heist-Movie") Mindestmaß an Raffinesse und Kniffen und einer Darstellerriege, der man gerne beim Gaunern zusieht. Die in sich selbst und ihren Fähigkeiten beschränkten Figuren funktionieren zwar nicht alle und die Spannungskurve verläuft mit ziemlich stumpfem Winkel, dennoch ist der Film ein ansehnliches Vergnügen für zwischendurch.

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