Aufgrund fehlender Kreativität der Produzenten und Drehbuchautoren Hollywoods wird immer häufiger auf Klassiker zurückgegriffen, um mit Remakes dieser damals innovativen Filme ein zweites Mal an der Kasse abzuräumen. „The Italian Job“ ist ein in den frühen 70ern entstandenes britisches Gaunervehikel, dass mit dem aktuellen Werk von „Verhandlungssache“ - Regisseur F. Gary Gary, aber nur die Minis gemeinsam hat. Da Filmfiesling Edward Norton gegenüber der Presse vermeldete, dass er nur mitwirkte, weil er vertraglich dazu verpflichtet war, wurde dem Film eine zweifelhafte Publicity zu Teil.
Im Remake leitet der Meisterdieb John Bridger (Donald Sutherland) ein Team von Profis, die sich aus Charlie Croker (Mark Wahlberg, als Planer), Steve (Edward Norton, als Einbrecher), Handsome Rob (Jason Statham, als Fahrer), Lyle (Seth Green, als Computerspezialist), Left Ear (Mos Def, als Sprengstoffspezialist) zusammensetzen und in Venedig Goldbarren im Wert von 35 Millionen Dollar stehlen. In der stimmigen, blau gefärbten Introszene wird auch gleich deutlich, wer auf welchem Gebiet vom Fach ist. Eine aberwitzige Idee, den Safe durch mehrere Böden zu sprengen bildet dabei genau so ein Highlight, wie Robs Ablenkungsmanöver, bei dem er sich eine Bootsverfolgungsjagd durch die Wasserstraßen mit der Polizei liefert, die sogar etwas Bondcharme vorweisen kann.
Erfreulich, dass auch dieses Werk mit dem neuen Trend Hollywoods geht und in den Actionszenen wieder auf Handarbeit und nicht auf CGI setzt, was dem Film nicht nur zu Beginn im traditionellen Licht der 80er erscheinen lässt. Die Stunts sind relativ spektakulär, die Verfolgungsjagd gut geschnitten und ein paar kleinere Gags lockern das Geschehen zusätzlich auf.
Da aber, wie sich nach dem erfolgreichen Coup herausstellt, Steve ein falsches Spiel spielt und seine Mitstreiter um die Beute prellt, sowie sie zu ermorden versucht, muss das Team schon bald ums Überleben kämpfen. Ob es dabei tatsächlich möglich ist über mehrere Hundert Meter durch Eiswasser zu schwimmen, ohne sich seiner Klamotten zu entledigen und an Land nicht mal zu frieren beginnt, darf in Frage gestellt werden.
Nach diesem recht überzeugenden Anfang springt „The Italian Job“ ein Jahr weiter und landet in Los Angeles, wo die Überlebenden Steve ausfindig gemacht haben und ihm die Beute wieder abjagen wollen. Man holt die fürs FBI Safes knackende Tochter Bridgers Stella (Charlize Theron, der Hingucker des Kinojahres 2003) mit ins Team, da sie auf Rache sinnt und aufgrund ihrer Fähigkeiten von großem Nutzen ist.
Um dem Film nicht als platten Sommeractioner zu gestalten verbringt Gary Gary viel Zeit mit den Figuren, die Steve erstmal auskundschaften und ihren Coup bis ins kleinste Detail durchplanen. Leider bleibt dabei aber die Action auf der Strecke, welche erst wieder am Ende richtig zum Tragen kommt. Schauspielerisch wird trotz bekannter Namen indes leider nicht viel geboten. Wahlberg bleibt, wie eigentlich immer blass, Statham wird zu wenig Screentime gegeben, Green spult nur seine Standartrolle herunter und Norton merkt man seine nicht vorhandene Spielfreude deutlich an. Während Charlize Theron wenigstens optisch Männerherzen höher schlagen lässt bleibt besonders Mos Def als Quoteneger ein sehr austauschbares Gesicht.
So bleiben nur wenige Szenen im Gedächtnis, in denen der Film richtig überzeugen kann und unterhalten kann. Das ist besonders dann der Fall, wenn Rob und Lyle zusammen unterwegs sind, denn deren Zusammenspiel funktioniert besonders auf humoriger Ebene. Wenn Rob sich, natürlich aus beruflichen Gründen, an ein Mädel heranmacht und Lyle das feixend durch die Windschutzscheibe selbst synchronisiert sind immerhin ein paar Lacher garantiert. Doch auch nette Ideen, wie der in Flashbacks erzählte Ursprung ihrer Fähigkeiten und die Geschichten der Figuren amüsieren.
Die wahren Stars des Films sind allerdings die getunten Minis, mit denen im finalen Showdown, fast wie in einem Werbeclip, so mancher tollkühner Stunt gelingt. Aufdringlichem Product Placement (Die Einparkszene von Stella *würg*) zum Trotz sind die kleinen Flitzer äußerst sympathische Vehikel, mit denen später durch U-Bahn-Schächte und Abwasserkanäle geheizt wird.
So ist das Finale, neben den genialen Instrumentalstücke, die den Film begleiten, das einzige, was richtig überzeugen kann. Dort versucht das Team um Charlie Steve das Geld aus Steves (der mittlerweile Lunte gerochen hat) Geldtransporter zu stehlen, was sich als schwierig herausstellt, weil neben einem echten noch zwei zur Ablenkung auf den Weg durch die Straßen L.A. geschickt werden. Dank Lyle (hier der Erfinder von Napster), der die Ampelkontrolle der gesamten Stadt übernimmt stellt sich aber auch das nicht als unlösbares Problem heraus. die Stunts mit den kleinen Rasern sind dank Kameraperspektiven und Schnitt ein optischer Leckerbissen und überzeugen mit weitestgehendem Realismus uns spaßigen Einfällen. Enttäuschend hierbei nur das „Wie mache ich jetzt Schluss“ Ende, welches erst im Abspann stattfindet.
Fazit:
„The Italian Job“ ist ein recht brauchbarer Mix aus Action, Thriller und Komödie, der die Stärken dieser Genres zu verbinden versucht. Es ist natürlich mutig dem effektverwöhnten Publikum so einen „altmodischen“ Film zu präsentieren, der nach dem tollen Anfang seinen Schwerpunkt auf das Zusammenspiel der Figuren legt. Leider bleiben die Schauspieler dabei weit unter ihren Möglichkeiten. Der spannungsfreie und vorhersehbare Plot beschäftigt sich zu ausführlich mit den Planungen, an statt mit der Durchführung zu glänzen. Das Ende kann zwar aufgrund rasanter Verfolgungsjagden und Stunts mit den Minis (Sind die Dinger eigentlich unkaputtbar?), genau wie die begleitende Musikuntermalung überzeugen, aber die deutlichen Durchhänger nicht ausbügeln. Brauchbar, aber ohne straffe Inszenierung. Nach dem Anfang erwartet man wohl etwas zu viel…