Review

Staffel 1

☆☆☆Raised by Wolves☆☆☆


》Achtung:Spoiler《


Aaron Guzikowski und Ridley Scott heben das Science Fiction Genre mit der Serie Raised by Wolves auf ein neues Level und erzählen ein biblisches Hightech- Märchen. 
Aus Religion und Wissenschaft kreieren sie eine nächstmögliche Schöpfungsgeschichte über die von Menschen geschaffene künstliche Intelligenz in Menschengestalt.


Ende des 22. Jahrhunderts wird die Erde im Krieg zwischen Atheisten und Mithraisten (abgeleitet vom Mithraismus - die dominierende monotheistische Weltreligion der Zukunft, die im 1. Jahrhundert nach Christus ein sagenumwobener Mysterienkult war) zerstört. 
Auf der einen Seite steht ein Atheist, der kurz vor dem Untergang unseres Planeten einen weiblich aussehenden Androiden für seine Zwecke umprogrammiert (dieser wurde ursprünglich als Massenvernichtungswaffe eingesetzt und trägt die Bezeichnung "Nekromant"). Seine umgebaute Schöpfung sendet er zusammen mit einem männlich aussehenden Dienstleistungsandroiden sowie menschlichen Embryonen im Kälteschlaf zu dem erdähnlichen Planet Kepler-22B, um eine neue atheistische Zivilisation zu gründen. 
Die Androiden heißen Mutter (Mother) und Vater (Father). Sie sollen die Kinder mit der Intention erziehen, Krieg und Gewalt aus der menschlichen Natur "auszuklammern", um eine neue Form von Fortschritt in der Evolutionsstufe des Homo sapiens einzuläuten.
Auf der anderen Seite steht ein atheistisches Ehepaar, welches kurz vor dem Untergang unseres Planeten auf einem Raumschiff der Mithraisten dem sicheren Tod entkommen will. Sie nehmen durch modernste plastische Chirurgie das Aussehen von Mithraisten an und töten diese, um deren Platz auf der sogenannten "Arche" einzunehmen. Sie erfahren nach deren Tötung, dass ihre Opfer Eltern eines Jungen waren, deren Platz sie nun einnehmen müssen. Die "Arche" ist ebenfalls auf dem Weg zu Kepler-22B.
Die Grenzen des Vorstellbaren verwischen zu einem düsteren Tableau und der neue Planet birgt zudem große Geheimnisse und Mysterien...


Raised by Wolves erzählt eine atemberaubende Science Fiction Geschichte über die Widersprüchlichkeit der Existenz unserer Spezies und unserem fragwürdigen Platz in der Natur. Ein intelligentes Gedankenspiel garniert mit Blockbuster- Entertainment, wie es nur ein Sir namens Ridley Scott zustande bringt. Das Alien- Universum hat nun ein ebenbürtiges alternatives Pendant mit vielen Gemeinsamkeiten, an denen man sich einfach nicht satt sehen kann. Die Bilder sind getreu seiner Vorbilder (Prometheus, Alien Covenant) von keinem geringeren als der DoP Legende Dariusz Wolski und seinen renommierten Kollegen Ross Emery und Erik Messerschmidt in Szene gesetzt worden. Die Spezialeffekte wurden ebenfalls mit hohem technischen Standard umgesetzt. Der kühle Inszenierungsstil, welcher den technischen (und dadurch auch medizinischen) Fortschritt mit religiösen Überzeugungen kreuzt, wirkt zu keiner Zeit unauthentisch oder aufgesetzt.
Eine böse Faszination für die gnadenlose Selektion der Natur bestimmt meine Wahrnehmung als Zuschauer und ich merke jeder Sekunde dieser Serie eine unaussprechliche Bedrohung an. 
Die dystopischen Säulen, die Raised by Wolves errichtet, stemmt ein Fundament aus Glaube, Irrglaube, Moral, Barberei, Atheismus, Bekehrung, Abkehrung, Wahn, Prophezeiung, Wunder und Wissenschaft. Aus Fortschritt wird Rückschritt und aus Synthetik entsteht Leben (?!). Ist das möglich? Was ist überhaupt möglich? 
Nach dem Anschauen der Serie hatte ich viele Fragen. Und damit meine ich nicht an den Drehbuchautor
... sondern an mich. Man soll sich hier also mit existenziellen Fragen auseinander setzen, deren Antworten sich sicher nur spirituell deuten lassen. Z.B.Was bedeutet überhaupt Glaube und wie sollte man ihn auslegen? Ist der Glaube an das Übernatürliche ansich notwendig und wo überhaupt liegt der Ursprung der Seele?
Auf der anderen Seite stellt man sich auch Fragen über unseren Umgang mit künstlicher Intelligenz und ob es möglich ist, unser technisches Ebenbild erschaffen zu können bzw. es erschaffen zu wollen. Können wir mit den Konsequenzen, die daraus entstehen überhaupt umgehen? Wie würde sich die Beziehungsdynamik zwischen Menschen und Androiden, die menschliche Emotionen besitzen, möglicherweise entwickeln? Diese Serie folgt, wie alle Science Fiction Geschichten ihren eigenen fiktionalen Gesetzen aber gibt eben diesen und anderen wichtigen Fragen eine glaubwürdige und optisch ansprechende Hülle.

Die Figur der Mutter (Mother), gespielt von Amanda Collin, hat ultimatives Kultpotential. Sie trägt die Serie so überzeugend, dass man wirklich denkt, sie sei der besagte Nekromant. Abubaker Salim als Vater (Father) spielt die Rolle des Dienstleistungsandroiden ebenfalls sagenhaft gut. Es ist ein sehr klug gewählter Schachzug von Aaron Guzikowski, dass der Zuschauer die Androiden als Hauptprotagonisten der Serie wahrnimmt. 
Winta McGrath, Niamh Algar, Travis Fimmel, Jordan, Laughran, Felix Jamieson, Ethan Hazzard und Cosmo Jarvis... sie alle machen Raised by Wolves zu einem einmaligen wilden Ritt durch unser großes unbarmherziges Universum. Die zweite Staffel wurde offiziell bestätigt und ich freue mich sehr darauf, wie die Geschichte fortgesetzt wird.

Technische Details:
Raised by Wolves wurde mit dem Kamerasystem Arri Alexa auf 3.5K ARRIRAW mit Panavision Super Speed Lenses sowie mit 4k GoPro Kameras in Kapstadt, Südafrika gedreht.
Die erste Staffel hat 10 Folgen.
Produktionsfirmen sind Scott Free Productions, Shadycat Productions und Lit Entertainment.
Im Vertrieb von WarnerMedia Direct.
Original Network: HBO Max
Erstaustrahlung: 03.09.2020

10/10

Details
Ähnliche Filme