kurz angerissen*
Der spätere „Rebel Without A Cause“-Regisseur Nicholas Ray bringt die Straße in den Gerichtssaal und so Humphrey Bogart mit John Derek zusammen – einen etablierten Noir-Star also, der auch diesmal wieder in so mancher Low-Key-Silhouette ikonisiert wird, und einen gutaussehenden jungen Newcomer, der mit diesem Film seine Karriere ankurbeln konnte.
Ray eröffnet mit dem kausalen Ursprung des Geschehens, einem furios geschnittenen, kontrastreich beleuchteten Überfall, der später zu einer Anklage gegen den Straßenjungen Nick Romano (Derek) führen würde, welcher dann vor Gericht von Andrew Morton (Bogart) vertreten wird. Da die Bildaufteilung den Kopf des Täters immerzu ausblendet, bleibt man im Unklaren über die Schuld oder Unschuld Romanos. Diesen Sachverhalt nutzt das Skript aber leider kaum aus, er resultiert lediglich in einem feurig vorgetragenen, inhaltlich aber müden Schlussplädoyer Bogarts, das als solches ja bereits ein Klischee des Courtroom-Dramas ist, in diesem Fall aber auch noch eine schwache Pointe zu bieten hat, die über Allgemeinplätze nicht hinauskommt. Es fehlt ihr eine zwingende Argumentation, die man nicht einfach nur mitleidsvoll abnicken möchte, denn in seiner Grundaussage verharmlost „Knock On Any Door“ begangene Verbrechen und spricht dem Täter jegliche Verantwortung ab.
Erzählerisch bedient sich Ray über weite Strecken der Rückblendentechnik, in der die Geschehnisse aus Perspektive des Anwalts rekonstruiert werden, wobei ihm die Berichte seines Mandanten sowie eigene Erfahrungen als Grundlage dienlich sind. Die Subjektivität der Fallbetrachtung wird dadurch immerhin im Verborgenen thematisiert, nimmt allerdings auch keine zentrale Aufmerksamkeit ein, wichtiger ist dem Film das Whodunit als solches. Für diese Ansprüche fehlt dem Anfangs- und Mittelteil möglicherweise ein wenig die Spannung, allerdings wird man von der publikumsnahen Story zunehmend in den Bann gezogen, was neben dem gewohnt souveränen Bogart auch gerade an John Derek liegt, der eine entwaffnend unschuldige Aura aufträgt und die Gewahrwerdung einer Komplexität in der Aufwiegung guter Menschen und schlechter Taten anregt.
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