Review

Also mir persönlich ging beim Betrachten des Titels ja erst einmal das spanische Meisterwerk "Amores perros" durch den Kopf, bei genauerem Hinschauen hab ich dann erst bemerkt, dass es sich nicht um irgendwelche Hunde geht, sondern um mögliche Liebschaften.

Die Art und Weise der Erzählung ähnelt dem bekannten Fast-Namensvetter schon sehr. In "Amores Possiveis" gibt es auch eine zentrale Szene, von der aus verschiedene Sichtweisen erzählt werden. Diese Szene findet man gleich zu Beginn des Films vor, in der Carlos in einem Kino auf Julia, mit der er verabredet ist, wartet. Doch diese lässt ihn sitzen und fortan werden einem 3 Varianten gezeigt, wie es hätte weitergehen können, im Leben von Carlos, und ob und wenn ja, was für eine Rolle Julia darin spielt.

Ich muss schon sagen, dass ich großer Fan von derartigen Filmen bin, in denen mehrere Charaktere unabhängig voneinander dargestellt werden, um dann doch irgendwie und irgendwann einander zu begegnen oder zumindest indirekt was miteinander zu tun haben. Bei "Amores possiveis" ist dies auch der Fall, nur dass sich das Drehbuch hier auf die immer gleichen Personen beschränkt hat. Carlos muss nun also über die Enttäuschung hinwegkommen, dass er versetzt worden ist.

Nach dieser einleitenden Szene springt man 15 Jahre weiter und man sieht 2 Paar Füße und kurz darauf gleich ihre Besitzer. Carlos und seine Ehefrau Maria. Carlos hatte einen komischen Traum und schon bald weiß man, von was er wohl geträumt hat. Dann sieht man wieder 2 Paar Füße, doch diesmal gehören diese Carlos und seinem Partner Pedro. In dieser Variante ist Carlos also homosexuell geworden, nachdem er so schlecht von Julia behandelt wurde. Und in der letzten Möglichkeit, wie das Leben von Carlos hätte verlaufen können, sieht man lediglich zwei Füße, die beide Carlos gehören. Er ist nämlich immer noch oder wieder Single, lebt alleine und zwar mit seiner Mutter. Doch irgendwie führen in all seinen Leben alle Wege zu Julia.

Die Story ist also schon mal sehr interessant und handelt von der ersten großen Liebe. Denn eines ist schnell klar. Julia war die erste Person für Carlos, für die er wirklich viel empfunden hatte. Die Art der Inszenierung, nämlich dass dem Zuschauer 3 verschiedene Erzählstränge garniert werden, ist gleichweg äußerst gelungen wie interessant und kurzweilig. Man braucht aber keine Angst haben, dass man schnell den Faden verliert und ihn nicht mehr findet, denn der Film schafft es gekonnt, dass man zu keiner Sekunde irgendwie Probleme damit hat, zu wissen, in welcher Variante man sich befindet. So kann "Amores Possiveis" auch leicht als reiner Unterhaltungsfilm bezeichnet werden, der dennoch seine tiefgründigen und anspruchsvollen Momente hat.

Teilweise jedoch macht er es sich zu leicht und bei einer Lauflänge von nur 85 Minuten, was ja nicht wirklich lang ist, hat man es ja eigentlich mit 3 Filmen zu tun, liegt es auf der Hand, dass so Einiges etwas sehr schnell erzählt und entwickelt wird. So wird Carlos in der Variante, in der er der verheiratete Anwalt ist, so ein Art Motiv dafür gegeben, dass er sich mir nichts dir nichts gleich wieder in Julia verliebt, weil er mit seiner Frau schon alles erlebt hat und das mehr oder weniger keine Herausforderung mehr ist, doch das geht mir schon etwas zu schnell, wie Carlos kurz darauf von daheim auszieht usw.

Auch Carlos Wandel vom Hetero- zum Homosexuellen und zurück, um dann doch wieder schwul zu sein, ist etwas sehr konstruiert, wie ich finde, denn zumindest in diesem Alter sollte man sich sicher sein, auf welches Geschlecht man nun fixiert ist und nicht hin- und hergerissen sein. Mir ist es zwar noch nicht so ergangen und es ist wohl sicher auch im Bereich des Möglichen, aber wie gesagt, sieht man das in 85 Minuten, dann geht einem das einfach zu schnell und so richtig Verständnis und Einfühlungsvermögen kommt da nicht auf.

Die dritte Variante mit Carlos als Muttersöhnchen und chaotischer Sohn gefällt mir persönlich am Besten, bis auf die Tatsache, dass er seine Julia über eine Art Kontaktanzeige kennenlernt, doch abgesehen davon ist alles am Gefühlsechtesten und Nachvollziehbarsten in dieser Hinsicht.

Alles in allem ist "Amores Possiveis" eine gute Idee, wenn auch nicht unbedingt neu. In verschiedenen Perspektiven wird das Leben über die verpasste große Liebe erzählt, um dann doch irgendwie zu zeigen, dass man dieser nicht unbedingt hinterhertrauern soll, denn es gibt sie eben einfach, doch im Endeffekt kommt man darüber hinweg und stellt sein eigenes Leben mit einer eigenen Familie auf die Beine. Diesen Standpunkt vertritt der Film auch, wobei ich mich auch damit hätte arrangieren können, wenn in allen drei Varianten Carlos und Julia wieder zusammenkommen, das wäre aber dann wohl auch manchen zu klischeehaft gewesen, doch das wäre eben einfach eine andere Meinung. Dass nämlich die erste große Liebe es auch immer bleiben wird. Im Endeffekt hat man hier dann die Aussage, dass die erste Liebe sicherlich etwas Besonderes ist, doch man sollte sich nicht zu lang mit ihr aufhalten und sich nach ihr sehnen.

Ein unterhaltsamer, kleiner Film, der seine humoristischen und tiefsinnigen Momente hat, aber sicherlich nicht den Anspruch oder die Qualität eines "Amores Perros" oder "21 Gramm" hat, die mit den gleichen Erzählmethoden aufwarten. Sehenswert ist er aber allemal.

7/10 Punkte

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