Timo Rose, der alte Popelfresser, meint, er könne es genauso gut wie die Macher der „Guinea Pig“-Reihe, und meißelt sich seinen eigenen kleinen Foltermarathon zusammen. Die Rose unter den deutschen Amateursplatterfilmern hat aber auch dieses Mal wieder alle Kosten und Mühen gescheut, um uns einen (im konventionellen Sinne) unterhaltsamen Videoabend zu bescheren.
Über die Story möchte ich gar nicht viele Worte verlieren: Es geht um drei Leute, denen, ohne dass sie es bemerken, eine CD mit einem sündhaftteueren Computervirus in die Hände fällt, und um die rechtmäßigen Besitzer - eine handvoll Gauner und Berufsschläger -, welche eben jenen Virus gerne zurück hätten (blablabla), was sie dann auch mit allen erdenklichen Mitteln versuchen durchzusetzen...
…das heißt: So krass gefoltert, wie man nun aber erwarten könnte, wird hier dann doch leider nicht. Gut, einer Tussi wird ziemlich übel das Gesicht verstümmelt und es gibt auch ein paar Mal ordentlich mit dem Hackebeilchen auf die Rübe,
Gore, der einem die Eier schrumpfen lässt, wird hier aber definitiv nicht geboten.
Ich geb’ zu, wenn man derartig drastische und optisch Detail freudige Gewalt nicht gewohnt ist, dann kippt man in der Szene, in der ein Peiniger einer Tusse mit dem Skalpell durchs Gesicht fährt und ihr dabei Ober- und Unterlippe abschneidet, 100 Pro aus den Latschen.
Ich hab mir den Streifen reingezogen, als sich unerwartet zwei Mädels, zwei absolute Splatter-Analphabeten versteht sich, dazugesellten. Die ham dann schon ein wenig irritiert gekuckt, als ich den gerade erwähnten Verlust des Kussapparates mit freudigen „Yeah, geil!“-Rufen kommentierte. War mir kurzzeitig auch unangenehm, hab die beiden Schnallen dann aber einfach Klo putzen und Bier holen geschickt und der Kas’ war gegessen (brachialer Schmarn, aber ihr wisst schon in etwa, was ich meine, oder!?).
Egal! Wirklich erwähnenswerte Splatterhighlights kann der Streifen vielleicht eine handvoll vorweisen, welche allesamt auch sehr blutig und optisch annehmbar ausfallen. Dickes Lob bei dieser Gelegenheit an Olaf Ittenbach („Premutos“, „Black Past“, „Garden of Love“), der hier, wie auch schon in Roses „Space Wolf“ das Latex anrührte.
Schauspielerisch sollte man am besten keine Sternstunden erwarten. Es staksen hier zwar die ungefähr gleichen Pappnasen und Nuschelochsen vor der Kamera rum wie in bereits eben erwähntem „Spaßwolf“ (ich kannte zuvor leider(!) nur den einen Rose-Film…), im Vergleich zu diesem ist allerdings ein erheblicher Leistungsanstieg festzustellen. Regelrecht kotzreif fällt dahingegen der Auftritt von Arschlochkind und Muschi Glas Sohn Ben Tewaag aus, welcher sich anscheinend so cool vorkommt, dass er gar nicht mehr weiß, wie er am besten dastehen soll.
Um’s kurz zu machen – mir geht hier nämlich langsam das Bier aus:
„Rigor Mortis“ ist ein netter kleiner, angemessen bei Laune haltender und verhältnismäßig geglückter Amateur-Splatterstreifen, den ich allen Liebhabern von unterirdischem No Budget-Gekrösel wärmstens ans Herz legen möchte. Weder in Sachen Splatter, noch in Punkto unfreiwilligen Lachern so wirklich die Bombe (in beiderlei Hinsicht fand ich „Space Wolf“ besser…) und auch ellenlang von Mark und Bein durchdringenden Folterfilmen á la „All Night Long“, „MbtS“ oder „Kichiku“ entfernt, aber eben schon ganz nett.
Ob es dieser Kerl tatsächlich schafft, mit derartig hingepfuschten Erzeugnissen, welche für jeden aufrecht gehenden Menschen eine Beleidigung darstellen, seine Brötchen zu verdienen?
Falls ja, dann Respekt! …und kann ich bei dir anfangen?