Sommerfreunde frösteln bereits bei typisch deutschen Wintertemperaturen um den Gefrierpunkt, worüber man in Sibirien wahrscheinlich eher müde mit dem Kopf schütteln würde. Eingeschlossen in einem Auto gab es bereits in „Wrecked“ mit Adrian Brody, während ausweglose Kälte in einem bewegungsunfähigen Skilift in „Frozen – Eiskalter Abgrund“ Thema war. Eine Mischung aus beidem stellt das Spielfilmdebüt von Brendan Walsh dar.
Norwegen: Naomi und Matt, ein recht frisch verheiratetes Ehepaar, befand sich eigentlich auf dem Rückweg zum Hotel, als sie ein Blizzard überrascht. Am nächsten Morgen erwachen die beiden im Auto, - eingeschneit, ohne Handyempfang und mit dem Problem, dass Naomi hochschwanger ist…
Die Geschichte beruht auf einer wahren Begebenheit und steigt direkt ohne Vorgeschichte ein.
So stellt sich für das Paar recht früh die Frage: Ausbuddeln oder Ausharren. Sie entscheiden sich für letzteres, was filmisch betrachtet ein hohes Risiko darstellt. Zumal Walsh komplett auf Rückblenden verzichtet, jedoch auch den Fehler begeht, kaum Gespräche der Figuren einzubinden. Dadurch wird man nur schwerlich mit den beiden warm und wirklich sympathisch erscheinen sie auch nicht, wobei leichtes Gezicke ja gerne auf Schwangerschaften zurückgeführt wird, obgleich Naomi bereits nach wenigen Stunden zetert.
Was also tun in so einer eindimensionalen Situation? „Ich sehe was, was du nicht siehst“ dürfte rasch langweilig werden und so entscheidet man sich zunächst sinnvollerweise fürs Einmummen und dann fürs Anzünden einer Notfallkerze, welche im Verlauf erstaunlich lange hält. Schlafen ist auch eine Option, nur nicht so interessant für den Betrachter, wodurch sich das Geschehen merklich hinzieht. Es gibt keine konkrete Bedrohung von außen, wie Eisbär oder tollwütige Rentiere, also muss es das Make-up richten und Erfrierungssymptome suggerieren, wovon es allerdings auch nicht allzu viele gibt.
Ein weiteres Manko ist die Einordnung der Dimensionsverhältnisse. Die Außenaufnahmen sind rar gesät und so ist in nur wenigen Einstellungen ein Autodach im Schnee erkennbar, was das Ausharren des Paares nahezu ad absurdum führt. Zwar gibt es auch mal Streit um die Einnahme irgendwelcher Psychopillen, doch die Dialoge reichen nicht so weit, dem Betrachter etwaige Informationen darzulegen. Auch ein wenig unglücklich gelöst ist die Einblendung der jeweiligen Tage. Tag X und Tag Y umfassen nur wenige, eigentlich kaum relevante Szenen, dann folgt eine längere Sequenz, doch keine Einblendung eines greifbaren Tages, wodurch die Dringlichkeit der Situation ein wenig beliebig erscheint.
Immerhin arbeitet die solide Kamera die durch und durch klaustrophobische Situation im eingeschneiten Fahrzeug effektiv heraus, der Score ist mit einigen tiefen Streichern und leisem Piano der Atmosphäre angemessen und die beiden Mimen, Vincent Piazza und Genesis Rodriguez performen, so weit es die mageren Figurenzeichnungen zulassen ganz okay.
Dennoch wird es zu keiner Zeit so richtig spannend, nicht, als Geräusche von außen wahrzunehmen sind, nicht, als sich Aspekte der Schwangerschaft bemerkbar machen. Selbst auf psychischer Ebene tut sich nie wirklich viel, obgleich sich bei Eiseskälte auf engstem Raum nach mehreren Tagen definitiv mehr regen müsste. Schon kurios, dass das Treiben nach 89 Minuten vergleichsweise kalt lässt…
4,5 von 10