Für etwas unheimliche und übernatürliche Innovation bin ich immer zu haben und so fristet ein Film wie „Block Island Sound“ irgendwo im Überangebot von Netflix doch leider ein viel zu unauffälliges Dasein.
Das Horrordebüt der McManus-Brüder, die vorher hauptsächlich als Autoren für Serien wie „American Vandal“ und „Da Vinci’s Demons“ tätig waren, ist einer von diesen stilistisch und atmosphärisch ausgesprochen gelungenen Filmen, deren mysteriöse Atmosphäre das Publikum immer nach der nächsten Szene haschen lässt, weil man sich von ihr Aufklärung oder neue Sensationen erwartet.
Der Kern des Plots ist eine unfreiwillige Familienzusammenführung einer sich entfremdeten Familie: der angejahrte und sehr alkoholaffine Papa hat zunehmend Aussetzer und schlafwandelt, der ihn halb betreuende Sohn ist trotz seiner Talente ein auf der Urlaubsinsel vor der Küste von Rhode Island festsitzende Sohn. Die Tochter dagegen hat auf dem Festland bei der Umweltbehörde Karriere gemacht und muss aufgrund eines mysteriösen Fischsterbens daheim vorbei schauen und bringt die kleine Enkelin gleich mit.
Tatsächlich sind dann auch die Omen schwer zu deuten, wenn der Fokus gerade auf der Arbeit liegt oder man seine Verwandten kennt. Das bizarre Verhalten des Oldtimers, der immer wieder abwesend vor sich hin starrt, um dann einen Tag später in der Meeresstraße auf seinem zugemüllten Schiff aufzuwachen, wird allzu schnell als Suffnachwirkungen abgetan und nachdem Dad dann seinen finalen Fahrtenschwimmer macht, geht der Krug auf den Sohn über, dessen hartnäckige Nachwirkungen auch nur dazu führen, dass er die gleichen Symptome entwickelt, sich mit elektronischen Geräten schwer tut und Visionen seines dämonischen Erzeugers hat, der merkwürdige Töne ausstößt.
Der ganze Zinnober geht stimmungsvoll in Richtung Lovecraft, nimmt dann aber pünktlich zur Auflösung die Abbiegung in die entgegengesetzte Richtung und präsentiert sogar eine interessante, im Plot vorab verankerte Lösung für den Zuschauer.
Das alles wäre noch wirkungsvoller (Set Design, Ausleuchtung, Ton und Kamera sind sehr stimmungsvoll), wenn der Film nicht erzählerisch sehr, sehr lange auf der Stelle treten würde. Das aufgeweckte Töchterchen etwa beschäftigt sich so gut wie gar nicht damit, dass die Familie offenbar den Bach runter geht, selbst als ein in sie verliebter Kollege als „voice of reason“ immer wieder Zwischenansagen schaltet. Auch wirkt das zweimalige Durcharbeiten des Schemas ein wenig unoriginell, kann der Film doch so keinen rechten Fokus abbilden. Der Protagonistenfokus wird immer erst dann so richtig aktiv, wenn die jeweils vorgeschaltete Figur ausscheidet – da jedoch die Filmlänge angenehm begrenzt ist, macht das die Sache nicht wirklich kaputt.
Auf Gewalt verzichtet der Film weitestgehend, präsentiert aber dann doch noch einige wirklich nette Effekte, ohne jetzt das Mysterium ganz zu enthüllen. Für vergnügliche, knappe 90 Minuten reicht es dann aber doch und es bleibt die Gewissheit, dass man hier etwas sehr Ausbaufähiges kennen gelernt hat. (6/10)