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Eine Art Update von Andrew L. Stones Ring of Fire, welcher später noch einmal mit Firestorm modernisiert wurde, und hier die Variation in einer besseren Telefilmveranstaltung, aus der Werkstatt vom Katastrophenfilm-Experten Irwin Allen erhielt. Allen ist dabei nicht selber Regisseur, sondern nur Produent und lässt die Inszenierung und die Verarbeitung der Klischees dem für das Fernsehen und deren Serien tätigen, allerdings auch mit (preiswerten) Actionfilmen geübten Earl Bellamy über. Zündeln tut es dabei schon im Vorspann, und wird das Schlagwort vom Fire! da bereits in den ersten bedrohlichen Bildern und folgend noch vielerlei Brennpunkten umgesetzt:

Als ein Trupp Strafgefangener, allen voran die Insassen Larry Durant [ Neville Brand ] und Frank [ Erik Estrada ] während der Zwangsarbeit in den Wäldern Oregons in der Pause absichtlich eine qualmende Zigarette hinterlässt, entgeht dies auch dem die Inhaftierten beaufsichtigenden Walt Fleming [ Ty Hardin ]. Nur wenig später hat sich der Glimmstengel in einen formidablen Grossbrand verwandelt, der trotz schnell einleitender Massnahmen von Dan Harter [ Gene Evans ] und dem Hubschrauberpiloten bald die nächstgelegene Stadt Silverton bedroht. Inmitten der Flammen: Die junge Lehrerin Harriett Malone [ Donna Mills ], der während eines Picknick im Wald eines der Schutzbedürftigen abgekommen ist. Das zerstrittene Ehepaar  Dr. Alex Wilson [ Alex Cord ] und Dr. Peggy Wilson [ Patty Duke ], die wegen unterschiedlicher Karriereplanungen den jährlichen Urlaub abgebrochen und die Heimreise angetreten haben. Und Martha Wagner [ Vera Miles ], die Besitzerin der Blockhausanlagen 'Wagner Lodge', die den Touristen als Unterkunft dienen sollen, und die gerade erst ihren guten Freund und Galan Sam Brisbane [ Ernest Borgnine ] vertröstet und verabschiedet hat. Und als der Kleinstadtarzt Doc Bennett [ Lloyd Nolan ] zu dem ersten Brandverletzten per Auto fahren will, läuft ihm ein vor dem Feuer ängstigender und agitierter Bär über den Weg.

Im Vergleich zu den vorherigen großen Disaster Movies, die das Geschäft im Kino erst so richtig angekurbelt haben und sich als Blockbuster postitulierten, ist diese Variante hier eine ganze Nummer kleiner und dies schon sichtlich in der Ausstaffierung der Besetzung, bekannte Namen ja, Hollywoodstars nein proklamiert. Überhaupt war der Kommerz abseits von Earthquake, Poseidon Adventure, Airport und dem Towering Inferno meistens gar nicht so riesig wie in diesen vier Ausnahmeexemplaren geschehen, wurde in den Jahren zuvor und auch danach und auch zum Großteil heute eher die preisgünstige Veranstaltung, als Futter für Zwischendurch und Nebenbei und deswegen auch als populäre Art des Actiondramas für die Mattscheibe und die Videotheken bzw. heutzutage die Streamingdienste gewählt. Wohltuend hierbei ist angesichts der Herstellung des Filmes verständlicherweise und auch der Routine des Regisseurs geschuldet der Verzicht auf reine digitale Tricktechnik und das Befürworten von großteils realistischen Stunts und Spektakelszenen (Hubschrauberabsturz, das Sprengen von Bäumen und Erschlagen werden vom herabfallenden Holz, diverse Feuerstunts etc.); eine gewisse Griffigkeit des Geschehens, in dem mancherlei Bilder tatsächlich ihre beabsichtigte Wirkung erzielen und sei es nur in Details und eigentlich eher im Nebenaspekt. [Zwischendurch schwimmt ein Biber bedrohlich nah am Großbrand durchs Wasser und sucht sein Heil auf einem noch nassen und nicht angekokelten Baumstück.]

Überhaupt wird hier die Natur noch gefeiert, gleich in den Eröffnungsszenen mit einem Rundflug per Hubschrauber die Grüne und die scheinbar unendliche Weite und ebensolche Unversehrtheit der Natur gewürdigt und ihr Hegen und Pflegen angepriesen, auf dass das Ökosystem noch Ewigkeiten hält. Schauplatz ist das tiefste Amerika, der mittlere Westen, Haupt- und Nebendarsteller sind die weiße Mittelschicht, die alle vielleicht ihre kleinen Problemen vor allem in der Beziehung zueinander haben, aber das Herz auf dem rechten Fleck und auch genug Mut und Courage, um im entscheidenden Augenblick dann doch zusammenzuhalten und mit Schweiß und Ruß im Gesicht Seit' an Seit' beieinander zu stehen.

Zwischen den einzelnen Etappen des scheinbar ausgetreten geglaubten Funkens und seinem heimlichen Schwelen sowie dem bald immer größer und gefährlicher werdenden Flammen wird so das Beisammensein des Dramas betrachtet, mit all seinen Vorgängen wie erst Versprechen und dann Verweigern, dem Hoffen und dem Bangen, dem Licht am Ende des Tunnels und dem langen und mühsamen Weg dahin. Ein Pärchen ist kurz vor der Scheidung, und ein anderes traut sich so richtig nicht zum offenen Umgang miteinander und dem naheliegenden Ziel einer Hochzeit; beide Gruppierungen werden gleichsam im Verhalten und dem Ändern ihrer Verhaltensweisen angesichts der Bedrohung betrachtet und zusätzlich noch weitere personelle Fixpunkte eingepflegt.

So manches atmet den Geist der Siebziger: Die junge und hübsche Lehrerin, die nach den ersten kleineren Strapazen schon fast eine Ohnmacht kriegt, während ihre jungen Schüler gänzlich unbeeindruckt und überaus ruhig und gesittet sind. Die berufstätige Ehefrau, die anders als ihr ebenso berufstätiger Mann ihre Karriere allerdings hinten anstellen soll, und als sie das nicht so richtig will, den Spruch mit einem Vaterkomplex zu hören kriegt. Auch die ältere Witwe wird von ihren ansonsten zuvorkommenden Galan recht zu einem Mehr als Jetzt bedrängt, was leichtes verbales Forcieren und mehr ein Überreden als ein Überzeugen einschliesst; so richtig die feine englische Art ist dies vom Borgnine aber nicht.

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