SEX-CRIME COAST: SCHOOL OF PIRANHA hat erstmal mit einer menschlichen Schule nichts zu tun, sondern das wird sich auf den Piranhaschwarm beziehen, welcher in diesem Film allerdings einzig im Aquarium des Hangouts einer Bande herumdümpelt. Sex und Kriminalität an der Küste findet man in diesem Roman Porno aus dem Hause Nikkatsu schon eher vor. Der dort gewünschten Faustformel von mindestens vier Sexszenen pro Film wird man hier außerdem gerecht, was einen ersten Eindruck von der erzählerischen Dürftigkeit dieses gut 60-minütigen Werks geben dürfte, wobei extensives Fogging den Blick abgesehen von ein paar Brüsten zumeist auf den Gesichtsausdruck der Beteilligten lenkt.
Vom Ansatz her ist das Rezept ansonsten getreu dem Sex und Gewalt Schema angelegt. SEX-CRIME COAST: SCHOOL OF PIRANHA erzählt von einer fünfköpfigen Bande, die in die Häuser der Reichen eindringt, ganz destruktiv eingestellt und in der Absicht Frauen zu vergewaltigen. Zwar sind nicht alle Sexszenen des Streifens erzwungene Leibesertüchtigung, jedoch ist der Akt in der Regel mit anderen abweichenden Verhaltensweisen verknüpft. Dominierende bis kriminelle Handlungen einerseits, andererseits aber auch Affairen des Ehepaars aus der zentralen Einbruchsgeschichte. Dazu etwa ein angedeuteter Omorashi-Moment, als die gefangene Dame des Hauses nur in Begleitung zweier Bandenmitglieder ihre zum Bersten gefüllte Blase entleeren darf; übrigens auf einem Lokus westlicher Bauart.
Interessant wird das Werk vor allem durch die Anti-Establishment-Attitüde der leidlich jungen Delinquenten, welche zumeist gelangweilt durch den Alltag gammeln, so sich nicht eine Situation zur allgemeinen Aufregung eskalieren lässt. Geringfügig lassen sich Parallelen erahnen, die eine Inspiration bei Filmen wie UHRWERK ORANGE oder DAS LETZTE HAUS LINKS vermuten lassen. Nur an der runden Ausgestaltung hapert es letztlich. Die Bande, die durch das Brechen mit den eigenen Prinzipien ins Schleudern gerät, der Ganove, dessen Interesse am Objekt der Begierde aus dem attackierten Haushalt auf Gegenseitigkeit stößt und letztlich der einzige und psychisch etwas angeknackste weibliche Part des querulantischen Quintetts, eine junge Frau, die als Teil des Treibens doch irgendwie am Rande steht und gelegentlich aus Geilheit über die gebotene sexuelle Gewalt ein eigenes Getümmel betreibt, würden durchaus fruchtbaren Boden für tiefere Konflikte bieten, als es sie in SEX-CRIME COAST: SCHOOL OF PIRANHA schließlich zu sehen gibt. Zu Gute halten kann man dem Film ansonsten die Ausstattung mit Booten, einem Sportwagen und einem ganz netten Anwesen, die der ansonsten einfachen Handlung, die man in jedem Loch umsetzen könnte, annähernd ein qualitatives Mindestmaß abringen.
Manchmal, da bin ich den Japanern ja eher dankbar dafür, daß sie sowohl epische Werke beherrschen, als auch die Fähigkeit, sich in der Spielzeit zurückzunehmen, wenn in der Kürze schon alles gesagt wurde. SEX-CRIME COAST: SCHOOL OF PIRANHA hingegen hätte vieles besser erzählen können, anstatt diese Themen nur so kurz anzureißen und damit meine ich auch die oftmals eher schweigsame Art der japanischen Bildsprache. Am Ende ist es ein weiteres Potpurri der Exploitation, welches für den einmaligen Besuch im Bahnhofskino für moralisch an Grenzen stoßende Unterhaltung sorgen kann. Viel mehr ist dann aber einfach nicht dahinter und angesichts eines vielfältigen Angebots darf man dann schon überlegen, wie komplett die Sammlung in dieser Richtung denn sein muß.