Review
von Leimbacher-Mario
Große Last bringt große Verantwortung
Treffen sich ein legendärer Schwergewichtsweltmeister, ein motivierter Bürgerrechtler, ein souliger Sänger und eine pfeilschnelle Footballlegende in einem übersichtlichen Hotelzimmer in Miami... Was sich anhört wie der Anfang eines zu komplizierten Witzes, entpuppt sich im beeindruckenden Regiedebüt von Regina King zu einem damals wie heute akuten und aktuellen Gespräch über die Zukunft, die Ziele, die Kämpfe, die Kraft, die Rechte und die Wege der schwarzen Bevölkerung in Amerika - leidenschaftlich und vielseitig, authentisch und nachdenklich geführt von massiven Persönlichkeiten und Stars, die ebenfalls damals wie noch heute weit über ihre Hautfarbe oder ihre Gebiete hinaus strahlen...
„One Night In Miami“ ist wohl mit „Judas & The Black Messiah“ das perfekte Doppel - nicht nur zu den diesjährigen Oscars, sondern auch zur gesamten afroamerikanischen Lage in den Vereinigten Staaten von Amerika. Damals wie heute, ich kann es nicht oft genug unterstreichen. Denn trotz einiger vergangener Jahrzehnte, einem schwarzen Präsidenten und definitiven Fortschritten, gibt es noch immer fast dieselben Probleme, Konflikte, Vorurteile und Hürden - und das auch in den Köpfen der Schwarzen selbst, was der Film erstaunlich nicht unerwähnt lässt. „One Night In Miami“ hat vier exzellente junge Darsteller, von denen man kaum einen hervorheben möchte. Zu potent und grandios ist dieses Quartett. Doch ein Kammerspiel, erst recht mit solchen schweren, gesellschaftlichen Themen, lebt natürlich auch/vor allem von den Dialogen. Und nur durch diese geschliffenen Konflikte und Reibereien innerhalb der starbesetzten Gruppe, bekommen die Darsteller überhaupt erst die Möglichkeit derart zu scheinen und sich die verbalen Bälle zuzuwerfen. Oder auch mal beinahe um die Ohren zu hauen. Ein ganz starkes Stück Dialog- und Schauspielkino - mit Gänsehaut, mit Bedeutung, mit Abwägung. Mit vor allem Weisheit.
Fazit: ein wirklich famos (erweitertes) Kammerspiel und grandioses, immanent wichtiges Black Cinema. Mit durch die Bank sensationellen Darstellern. Inspirierend. Wichtig. Mächtig. Und Regina King könnte eine Regiekönigin werden. Dieses Debüt verspricht viel. Und alles andere als ausschließlich ein Downer. Respekt!