Fern (Frances McDormand) lebt im Van, nachdem ihr Arbeitsplatz und auch der ganze Ort, in dem sie mit ihrem inzwischen verstorbenen Ehemann gewohnt und gearbeitet hat, aufgehört hat zu existieren. Sie reist umher, nimmt mal hier, mal dort einen Job an, lernt Gleichgesinnte auf ihrer Reise kennen und verinnerlicht diese Unabhängigkeit so sehr, dass es kein Zurück mehr zu geben scheint.
Wobei diese Unabhängigkeit in Gänze wohl kaum erreichbar ist, aber die Sichtweisen können hier sehr auseinander gehen. „Nomadland“ erzählt nicht viel, zeigt aber einiges. Nur tut er dies etwas spröde, angereichert mit auch mal langatmigen Episoden, dafür aber mit ein paar (zu wenigen) hübschen Naturszenerien und einer mitunter auch romantisierten Erzählweise. So richtig ins Drama einsteigen will Regie, Buch und Schnitt in Personalunion Chloé Zhao dann wohl doch nicht.
Die Bilder sind mitunter sehr gelungen und transportieren eine grundsätzliche Aussage, indem Innenräume stets beengend sind und die einzige Freiheit draußen in der Weite liegt. In allem, was vor und ebenso hinter einem liegt.
Viele Darsteller spielen quasi sich selbst und man muss es Frances McDormand anrechnen, dass sie ebenfalls eine Natürlichkeit an den Tag legt, dass Fern als Figur gewissermaßen der Fiktion entschwindet und in diesem dokumentarisch wirkenden Stil aufgeht. Doch genau mit dieser Art der Inszenierung wurde ich nicht so ganz warm. „Nomadland“ wirkt bisweilen so ziellos wie seine Hauptfigur und hangelt sich von einer Station zur Nächsten.
Da spielte wohl auch die Erwartungshaltung eine Rolle, denn ein Roadmovie im klassischen Sinne hat man nicht vor sich, ebenso wenig eine strukturierte Geschichte. Dafür einen flüchtigen Blick auf eine Subkultur der Umherreisenden und eine Interpretation von Unabhängigkeit.