Review

America[n Queen (of the Desert)]


Der diesjährige Gewinner des wichtigsten Goldjungen der Welt erzählt von amerikanischen Weiten und verlorenen Seelen, von Nomaden durch die Staaten und Gedanken an Verstorbene, von Abgehangenen und doch Glücklichen, von Trauer und Freiheit, von Alleinsein und Zusammenhalt. Die traurige und dennoch erstaunlich hoffnungsvolle, etwas andere, oft ignorierte und weggeschobene Seite des amerikanischen Traums. Melancholisch, realistisch und extrem ruhig erzählt von einer jungen, sehr süßen und noch begabteren Weltregisseurin. Und nicht nur die atemberaubenden Landschaftsaufnahmen bleiben im Gedächtnis und Herzen.

Ob in zehn oder zwanzig Jahren noch jemand über „Nomadland“ spricht, würde ich eher verneinen. Dafür ist er (an der Oberfläche) zu amerikanisch und allgemein zu entschleunigt und spektakelfrei. Kino der ganz intimen Sorte. Unprätentiös ohne Ende. Aber nur weil es vielleicht kein ganz großer Oscar-Alltimer a la „Schindlers Liste“ oder „It Happened In One Night“ ist, heißt das noch lange nicht, dass „Nomadland“ kein sehenswerter Film oder vielleicht sogar ein (amerikanisches) Meisterwerk ist. Und er hat den Preis auch verdient - selbst wenn ich persönlich einige seiner Mitnominierten noch besser finde. Berührt hat mich dieses eindringliche Nomadenleben dennoch. Nachhaltig sogar. Man merkt sehr schnell, wie sehr sich das kleine Produktionsteam und McDormand in diese Lebensart und in diesen Schlag Menschen hineinversetzt haben, dass sie monatelang dort ganz normal mitgereist sind und gelebt/überlebt haben. Die vielen echten Menschen/Laiendarsteller verleihen dem Drama noch mehr Rau-, Echt- und Gelassenheit. Die Bilder der Straßen, Lagerfeuer, Berge und tiefen Falten in den Gesichtern sind maximal erhaben. Kleine Gesten, geerdete Monologe für die Ewigkeit, ein zufriedenes Gefühl, die authentische Art - all das zieht in seinen Bann. Und das muss man noch nichtmal merken oder großartig fühlen. Es kommt ganz unterschwellig und natürlich. Eine große Kunst. Chloe Zhao ist eine Meisterin am Kinopiano. Poetischer Realismus. Heruntergebrochene Wahrheit. No Gimmicks. Die Frau braucht selbst bei den Oscars keine Schminke - ihr Werk und ihr unübersehbares Können sprechen für sich. 

Fazit: ein sehr ruhiges, poetisches, persönliches Porträt einer Seite der USA, die viel zu oft übersehen oder gar unter den Tisch gekehrt wird. Authentisch und echt, ehrlich und emotional, minimalistisch und groß, weit und wundervoll, intim und menschlich. Die vielen Nicht-Schauspieler verleihen enorme Wirkung. Und McDormand ist einmal mehr eine echte Offenbarung. Selbst wenn an der Oberfläche nahezu null passiert. Darunter ist Gänsehaut und Leben pur. 

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