Review

Bis auf Thriller über Flugzeugkatastrophen gibt es wahrscheinlich nicht viel Lektüre, die sich nicht zum Lesen während eines Fluges eignet. Außer, der fett gedruckte Titel lautet wie eben jener des australischen Filmemachers Stuart McBratney. Denn ein „Don't Read This on a Plane“ dürfte bei Passagieren, als auch beim Sicherheitspersonal erhöhte Aufmerksamkeit generieren. Ein cleverer Schachzug, der sein Potenzial jedoch nicht auszuschöpfen vermag.

Ohne es zu wissen, ist die Autorin Jovana (Sophie Desmarais) völlig mittellos von Paris nach Venedig geflogen, um hier ihre Lesetour quer durch Europa zu starten. Ihr australischer Verleger ist bankrott, nur die Flüge sind bezahlt. Dennoch setzt Jovana ihre Reise fort, gibt sich mit einfachsten Übernachtungen zufrieden und freut sich bei den Lesungen über ein wachsendes Publikum. Doch ist ihr Roman, der von über hundert Affären mit Frauen berichtet tatsächlich autobiographisch?...

McBratney drehte an Originalschauplätzen und schürt damit Reiselust für einige Ziele wie Porto, Burgund, Santorin oder Budapest, welche fast durchweg von ihren schönsten Seiten gezeigt werden, während nahezu immer die Sonne scheint, wenn Jovana nicht gerade abends unterwegs ist. Dass ausgerechnet Berlin nicht so gut wegkommt, liegt nicht am Schauplatz, sondern an einem Ereignis am Rande, welches eigentlich so gar nicht zu der ansonsten abenteuerlustigen, nahezu durchweg positiven Stimmung passt. Ein deutlicher Pluspunkt ist auf jeden Fall das Auslassen diverser Länderklischees, denn jedem Ziel und jedem Gastgeber wird ein gesundes Maß an Respekt gezollt.

Allerdings stellt sich binnen kurzer Zeit die Frage, wohin die Reise, der vermeintliche Selbstfindungstrip führen soll. Nachdem immer wieder Tage und Orte eingeblendet werden, Jovana sich stets mit dem viel zu wuchtigen Reisekoffer abschleppt und ein Check-in nach dem anderen bebildert wird, kommt lange Zeit nicht viel herum bei den Lesungen und auch nicht bei den Übernachtungen bei zumeist einfachen Privatpersonen. Mal wird im Anschluss an eine Lesung mit einer kleinen Gruppe gefeiert, dazwischen gibt es Telefonate mit Verleger oder Ehemann (der auf einer Bohrinsel in der Nordsee kaum etwas am Telefon versteht) oder ein Trampen mit teils skurrilen Erscheinungen.

Doch spannend gerät die Reise nie, mitreißend auch nicht, zumal der Inhalt des Romans weder sonderlich anspruchsvoll, noch über die Maßen schlüpfrig oder frivol anmutet. Entsprechend mäandert die Chose mit einigen stimmungsvollen und versiert gefilmten Impressionen etwa zehn verschiedener Städte vor sich hin, während Hauptdarstellerin Desmarais zumindest genügend Präsenz und Charisma mitbringt, um die Reise im Alleingang zu stemmen, wobei die Besetzung insgesamt überaus gelungen ist.

Ein vergleichsweise ruhiger und unaufgeregter Roadtrip steht am Ende einer Unternehmung, deren Pointe weder Überraschungen noch tief schürfende Erkenntnisse bringt. Das Ganze kommt zwar sympathisch rüber und einige atmosphärische Momente sind nicht von der Hand zu weisen, doch stellt sich unweigerlich die Frage, welcher Zielgruppe außer reiselustigen Trampern der Film ans Herz gelegt werden könnte.
5,5 von 10

Details
Ähnliche Filme