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Die Rolle des exzentrischen Alkoholikers wird man Mel Gibson wohl noch über einige Jahre zuschustern können, - er hat ja auch einiges für ein derartiges Image beigetragen, welchem er nunmehr mit einer gesunden Portion Selbstironie begegnet. Dennoch ein kleines Highlight in dem ansonsten eher bemüht wirkenden Streifen des Regisseurs Tim Kirkby.

Einst war Waldo (Charlie Hunnam) ein begnadeter Cop in LA. Doch er fiel in Ungnade und zog sich daraufhin in einen Campingwagen am Rande der Natur zurück. Als ihn eine Freundin bittet, den Mord an der Gattin des Schauspielers Pinch (Mel Gibson) zu untersuchen, lehnt er zunächst ab. Doch als seine Auftraggeberin spurlos verschwindet, wird er von Pinch persönlich eingeladen, um dessen Unschuld zu beweisen…

Der Film möchte sich als Actionthriller verkaufen und entpuppt sich früh als Noir Krimi. Waldo als heruntergekommener Cop, der öfter mal aufs Maul bekommt, wenigstens eine Femme Fatale als Zünglein an der Waage und ein paar ranzige Typen, die Waldo regelmäßig in die Quere kommen. Stilistisch zeichnet sich dies vor allem bei einem Gespräch in einem Diner ab, als Waldo mit seinem Vollbart und dem Schlapphut phasenweise komplett im Schatten der Lichter verschwindet, während sein Gegenüber lediglich zu hören ist.

Auf der anderen Seite bringt er, zumindest im ersten Drittel, eine gute Portion Ironie mit ein, die das Unterfangen an den Rand einer Parodie bringt. Es gibt einen Einblick zu den Dreharbeiten mit dem stets besoffenen Pinch und einen ebensolchen in die feudale Villa, in der das Arbeitszimmer „rund eine halbe Meile von hier in diese Richtung“ entfernt liegt.
Dazu gibt es einen schmierigen Produzenten (Rupert Friend), einen überheblichen Anwalt (Dominic Monaghan), einen latent aufgebrachten Polizeichef (Clancy Brown) und natürlich die Verführerin in Form einer Erzieherin (Lucy Fry).

Nur leider geht es mit der eigentlichen Aufklärung des Falles nur schleppend voran, von Action kann im Grunde kaum die Rede sein, da es nur ein paar kurze Prügelszenen und eine kleine Verfolgung mit dem Rennrad gibt. Zwar entsteht ein minimales Whodunit und ein paar falsche Fährtenwerden gestreut, doch überraschende Wendungen sollten Genrefans nicht erwarten.

So ist es in erster Linie der Spielfreude nahezu sämtlicher Beteiligter geschuldet, dass der Chose nicht bereits auf halber Strecke die Luft ausgeht. Hunnam agiert okay, doch gegenüber Gibson zieht er in jeder gemeinsamen Szene den kürzeren. Lucy Fry performt innerhalb der wenigen Frauen noch am ehesten mit einiger Präsenz, wogegen Clancy Brown total verschenkt wird und auch David Pasquesi erhält nur eine Szene, in der er sein darstellerisches Können unter Beweis stellen kann.

Letztlich bleibt „Last Looks“ ein Noir von vielen, dem es an markanten Eigenheiten, vor allem aber an einer dramaturgisch konsequenten Linie mangelt, denn zeitweise dümpelt das Geschehen wie eine Ansammlung kleiner, zusammenhangloser Einfälle vor sich hin. Sonderlich spannend fällt das nicht aus und trotz einiger humoriger Passagen mangelt es an pfiffigen Ideen, um die rund 110 Minuten Laufzeit durchweg unterhaltsam zu gestalten.
5,5 von 10

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