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Das Langfilmdebüt von Autor, Hauptdarsteller und Regisseur Josh Ruben strotzt nur so vor Selbstbewusstsein. Wo man die konventionelle Rahmenhandlung einer Anthologie vermuten würde, setzt er gezielten Minimalismus ein: Die jeweilige Geschichte wird nicht episodenhaft bebildert, sie wird lediglich erzählt.

Fred (Ruben) ist ein eher erfolgloser Autor, der beim Aufenthalt in einer verschneiten Hütte auf Inspiration hofft. Beim Joggen trifft er die bekannte Romanautorin Fanny (Aya Cash), die sich nach einem Stromausfall in der Gegend in seiner Hütte einfindet. Um die Zeit zu überbrücken, zetteln sie einen Wettstreit an: Wer die gruseligste Anekdote verzapft, gewinnt…

Die Chose würde gewiss auch als Theaterstück funktionieren, denn der Hauptschauplatz ist der überschaubare Raum der Hütte, während es außer den Autoren lediglich zwei Nebenfiguren gibt. Die Schilderung der Geschichte mag man sich ein wenig wie ein leicht reduziertes Hörspiel vorstellen, denn zumindest werden einige akustische Angleichungen vorgenommen, um etwa eine quietschende Tür oder ein dräuendes Monster zu untermalen.
Lediglich bei der ersten Geschichte über einen Werwolf ist eine entsprechende Klaue zu sehen, während ansonsten allenfalls mit Schatten gearbeitet wird.

Dabei gibt es zahlreiche Referenzen, die von „Shining“ über „Geschichten aus der Gruft“ bis hin zu „Batman Forever“ und „John Wick“ reichen, denn nicht selten unterbrechen sich die beiden, um auf Ähnlichkeiten oder Parallelen bereits vorhandener Storys hinzuweisen.
Ruben und Cash spielen sich gekonnt die Bälle zu, das Timing stimmt und obgleich beide Figuren nicht übermäßig sympathisch erscheinen, ergänzen sie sich doch recht gut.

Allerdings wird das Prinzip des reinen Vortragens etwas zu sehr in die Länge gezogen, weshalb es eine Geschichte weniger auch getan hätte. Zwar punktet hier und da ein wenig Situationskomik und eine gewisse Selbstironie ist nicht zu übersehen, doch auf Dauer sind zwei erzählende Personen, trotz recht facettenreichen Schauspiels und Grimassenschneiderei zu wenig. Obgleich sich gegen Ende noch eine kleine Wendung ergibt und die allerletzte Pointe ein leichtes Schmunzeln generiert, mangelt es dem Konzept logischerweise an Abwechslung.

Mit „Scare Me“ präsentiert Josh Ruben lupenreines Kopfkino, denn Episoden über ominöse Großväter, dubiose Gesangstalente oder Trolls im Büro muss man sich selbst ausmalen. Man erhält demnach einen Großteil der Audiospuren, entsprechende Bilder sind der Phantasie des Zuschauers überlassen. Wer also handfeste Schockmomente, Blutvergießen oder paranormale Begebenheiten sucht, dürfte von dem Teil wahrscheinlich enttäuscht werden, eher sind experimentierfreudige Genrefans gefragt, wobei Hörspielfreunde klar im Vorteil sind.
Knapp
6 von 10

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