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In früheren Jahren hatte Jackie Justice (Halle Berry) als MMA-Fighterin für Aufsehen gesorgt, doch mittlerweile ist die ehemalige Sportlerin ziemlich auf den Hund gekommen: sie trinkt, raucht und weiß kaum, wie sie ihr Leben noch einigermaßen in den Griff bekommen soll. Als ihr weißer Freund Desi (Adan Canto) sie eines Abends zu einem illegalen MMA-Kampf in einen Keller mitnimmt, wo gerade ein hünenhaftes Mannweib seine Konkurrentin verdrischt, wird sie noch einmal an vergangene Zeiten erinnert: der Sieger des ungleichen Kampfes stellt sich Jackie in den Weg, als er von deren früherer Prominenz hört, und provoziert sie so lange, bis die schmale Jackie den/die 'Werewolf' mit ein paar gezielten Schlägen zu Boden schickt.
Dies wiederum ruft einen Box-Promoter auf den Plan, der Jackie - zur Freude ihres Freundes - den Tip gibt, sich bei Buddhakan (Sheila Atim), einer MMA-Trainerin vorzustellen. Während die beiden unterwegs noch darüber diskutieren, wartet zuhause die nächste Überraschung: Jackies Mutter, zu der sie seit Jahren keinen Kontakt mehr hatte, hat ihnen einen kleinen Buben vor die Tür gesetzt. Manny (Danny Boyd Jr.) ist Jackies leiblicher Sohn, den sie vor Jahren beim Vater ließ - der ist allerdings bei einem Einsatz ums Leben gekommen, und nun muß der ca. 8-jährige zu seiner Mutter, die ihn längst vergessen hatte. Harte Zeiten brechen an für Jackie, die zwar die Trainerin aufsucht, dann aber feststellen muß, daß sie gewaltige Konditionsrückstände und darüberhinaus kein bißchen Zeit für die Erziehung eines Kindes hat, das noch dazu kein Wort spricht...

Reichlich Klischees bietet das Sportlerdrama Bruised, bei dem Hauptdarstellerin Halle Berry erstmals selbst Regie führte, dennoch ist der Streifen dank seines flotten Erzähltempos nett anzusehen, zumal Jackie Justice als relativ ambivalente Person dargestellt wird, die aus ihrem verantwortungslosen Alltag nicht recht herauskommt und trotz einiger Ansätze immer wieder Rückschläge hinnehmen muß. Obgleich von Anfang an kein Zweifel daran besteht, daß der ich-wills-nochmal-packen-Vorsatz am Ende Früchte tragen wird, steht Berry am Ende nicht als glanzvoller Star, dem ein Comeback gelungen ist, sondern "nur" als Siegerin der Herzen da.

Bis dahin muß Jackie nicht nur hart trainieren, sondern hat in der androgynen Trainerin Buddhakan auch eine Persönlichkeit gefunden, die ihren sportlichen Ehrgeiz herausfordert. Daß dies später, nachdem sie sich von Freund Desi getrennt hat, in eine kurzzeitige lesbische Beziehung mündet, ist allerdings weder storytechnisch noch von der Charakterentwicklung her begründet, ausschließlich dem Zeitgeist geschuldet und daher völlig überflüssig. Die andere Person, die dem ex-Profi stets ein schlechtes Gewissen bereitet, ist ihre Mutter, mit der sie eigentlich nichts zu tun haben will, auf deren Hilfe sie bezüglich Beaufsichtigung des Kleinen jedoch immer wieder zurückgreifen muß. So schlägt sich die drahtige Jackie also mehr schlecht als recht durch, bis sie eines Tages das Angebot bekommt, gegen eine übermächtige Gegnerin anzutreten, und das auch noch vor laufenden Kameras. Daß sie dabei eher als Sandsack respektive Fallobst vorgesehen ist, erfährt sie erst kurz vor dem Kampf, dennoch will sie es allen Beteiligten zeigen: jetzt erst recht, nimmt sie sich vor. Den Rest kennt man aus diversen Rocky-Filmen...

Eine ähnlich dominierende Frauenrolle gab es kürzlich in The Unforgivable mit Sandra Bullock zu sehen, wobei Letztere auf der sozialen Leiter jedoch noch weit tiefer abgerutscht war als Halle Berrys oft wie ein störrischer Teenager wirkende Kickboxerin: während es dort nur ums nackte Überleben ging, hat Jackie Justice trotz allem noch einige Trümpfe in der Hand und kämpft eher um verloren gegangenes persönliches Prestige, weswegen Bruised nur sehr bedingt als Milieustudie oder Sozialdrama taugt. Dennoch spielt Berry ihren streitbaren Filmcharakter durchweg überzeugend, und die am Schluß des Films zelebrierte Bescheidenheit wird ihr nicht nur in Fankreisen wohlwollende Kritiken einbringen.
Insgesamt kratzt der Film, der auch auf ein paar tränentreibende Klischees nicht verzichtet, allerdings nur an der Oberfläche und weiß mehr mit seiner Unterhaltsamkeit zu punkten - allzuviel bleibt von Bruised am Ende sowieso nicht im Gedächtnis. 6 Punkte.

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