Review
von Leimbacher-Mario
Jewish Dynamite
„Shiva Baby“ erzählt von einer jungen, jüdischen Studentin, die auf einer familiären Trauerfeier plötzlich ihrer Affäre über den Weg läuft. Samt seiner Frau und seinem Baby. Und das zwischen etlichen Verwandten und Bekannten, die die sexuell scheinbar sehr aktive Frau immer wieder mit unangenehmen Fragen zu Zukunft, Liebe, Tradition, Finanzen und allgemeinen Lebenshoffnungen stellen…
Die Hauptdarstellerin Rachel Sennott ist eine echte Entdeckung, natürlich, verletzlich und kraftvoll zugleich. „Shiva Baby“ ist sich nicht zu schade auch mal in unter 80 Minuten durch's Ziel zu laufen. Ein wenig kommen „Uncut Gems“-Vibes auf, stressig und frisch. Ein wenig kommen „The Graduate“-Vibes auf, jugendlich, stur, verplant und doch selbstbewusst. Der jüdische Anstrich wirkt strahlend schön und mal anders. Ein wenig kommen sogar Horrorvibes auf, durch die Aufdringlichkeit, den Stress, die Belästigungen von Seiten der Familie und im weiteren Sinne der Gesellschaft, der Religion. Da kann sich glaube ich jeder junge Erwachsene sehr gut hineinversetzen. Hintenraus fällt der zackigen Dramödie jetzt nicht mehr allzu viel ein und für andere, epischere Werke wäre das hier Gezeigte wohl nur das Intro gewesen. Aber dennoch hat es mich köstlich unterhalten und auf dem richtigen Fuß erwischt. Das experimentelle Sounddesign kickt. Und bevor die Luft raus ist, ist der Spuk auch schon vorbei.
Fazit: frech, frei, fidel - „Shiva Baby“ ist wunderbar unverbraucht. Und dennoch im Kern wenig Besonderes. Das Horror'eske ist’s wohl noch am ehesten. Und das Ende ist etwas witzlos und plötzlich. Trotzdem: super knackig, attraktiv und kurzweilig!