2020 war nicht nur das Jahr einer weltweit agierenden und weltweit auch ihre Spuren hinterlassenen Pandemie sowie der Abwahl des amtierenden POTUS, sondern in Sachen Film und Verbreitung auch die Zeit von Adkins und Willis, auf jede schlechte Nachricht also eine gute und damit austariertes Gleichgewicht. Adkins hat sich mit mehr oder minder Einfluss weiter im B-Actionmilieu ausgetobt, Willis als schauspielerische Handpuppe mit seinen Klein- und Kleinstauftritten ebenso, eher prominent im Vordergrund als wirklich fleißig engagiert. Dabei herausgekommen sind Erzeugnisse unterschiedlicher Art und auch unterschiedlicher, aber stets höchst durchschnittlicher Qualität sowie ein Marketingclip für haltbare Autobatterien, der nicht nur am positivsten aufgenommen wurde und selige Erinnerungen an frühere Zeiten und Erfolge geweckt hat, sondern auch vom gleichen Team wie der Jahresabschluss Breach a.k.a. Anti-Life ist:
Im Jahr 2242 ist die Zeit der Menschheit auf der Erde, wie wir sie kennen am Ende. Eine Klimakatastrophe und ein unabwendbares Virus haben den Planeten derart unwirtlich gemacht, dass weit entfernt auf der sogenannten 'New Earth' die Zivilisation fortgeführt werden soll, wobei aber nur ein Bruchteil der noch Lebenden per Raumschiff dorthin transportiert wird. Darunter ist die schwangere Hayley [ Kassandra Clementi ], die Tochter vom 'Admiral' [ Thomas Jane ], der das letzte startende Transportmittel befehligt, und (unter falscher Identität) ihr Freund und Kindsvater Noah [ Cody Kearsley ], der sich unter die Putzmannschaft geschmuggelt hat und dort mit dem bald misstrauisch werdenden Clay Young [ Bruce Willis ] eine unfreiwillige Bindung eingeht. Als ein merkwürdiges Wesen die ersten Teammitglieder wie Blue [ Johnny Messner ] angreift und ergreift, versucht die Wachmannschaft unter Commander Stanley [ Timothy V. Murphy ] und Teek [ Callan Mulvey ] dem Treiben Herr zu werden.
Ausnahmsweise und zur Überraschung wohl vieler ist der Film übrigens nicht für dem Willis seine bisherige Stammfirma von EFO, sondern u. a. für 308 Ent(ertainment) mit Sitz in Vancouver, Kanada und dies nur als Vorwegnahme von noch vielen weiteren, bereits in Post- oder in Pre-Production künftigen Ausgaben wie Cosmic Sin, Apex, American Siege und Reactor entstanden. Die Drehzeit bleibt dabei die gleiche (und die Visualität mit Lens Flares, Farbfiltern, grobschlächtiger Besetzung auf eingeschränkten industriellen Areal), wird hierfür und dies für ein Konstrukt aus Action, Science fiction und Horror mit genretypisch gängigen Bezügen – die Vorbilder kann sich jeder selber zusammenreimen, so offensichtlich wie diese gehalten sind, und es fielen auch die üblichen Namen – eine Werkdauer von gerade mal 15 Tagen angegeben; eine sportliche Leistung des Drehteams, das im Schnellschussverfahren quasi agiert. Der Vorteil auch der bereits stattgefundenen Übung, der Pflicht quasi vor der Kür, war Regisseur John Suits und einige der eminenten Mitarbeiter schon für den ganz ähnlich in der Anlage gehaltenen 3022 zuständig.
Die Ausgangssituation auf der Erde kommt einem dabei auch vertraut vor, natürlich überzogen, natürlich auch nur in ferner Zukunft spielend, fallen aber mittlerweile bekannte und eigens konnotierte Schlagwörter wie Virus, Quarantäne, Eliten, Systemrelevanz, stehen die Schutzzäune hier und halten die Menschenmassen auf, während davor und dies schwerbewaffnet seitens der Regierung und seitens der Geschäftemacher strikt bewacht und ebenso jedes Individuum auf Krankheitszeichen kontrolliert wird. Das Individuum in der Menge ist dabei weniger wichtig, der Strom der Menschen auf der Suche nach Hoffnung, auf dem Weg der Flucht, auf dem Ziel nach einem anderen, besseren Ort schiebt sich stetig weiter und wenn die eigenen Bedürfnisse und Prioritäten nicht Beachtung finden, bahnt sich schnell mal die Gewalt aus und nach vorn. Der Zeitpunkt der Veröffentlichung ist zwar Zufall, aber nicht schlecht gewählt, ein wenig emotionalen Bezug zu den Figuren hier durchaus hilfreich, interessieren diese doch auf den ersten Blick und auch auf den zweiten und den dritten so richtig nicht. Eine Realität, die sich in die nach Schablone geschriebene Fiktion schiebt und diese vom Ausgangspunkt her gleichzeitig tiefer als üblich wirken und dennoch auf das Podest der reißerischen Unterhaltung und damit Kurzweil und Ablenkung vom Alltag erheben lässt.
Gegenwart hier und Dystopie dort also ordentlich finster, dort auch von der Optik, die wohl die Ausstattung zumeist im Dunkeln halten soll und so die Not von Ersparnissen und mangelnder Zeit vergessen lassen und übertünchen, eine Muschebubu-Lichtgebung, die nur mittig etwas fahle Beleuchtung aufkommen lässt und den Rest in schwarzen Schatten und Umrissen von Dekoration wie Gummipuffer, Stahlrohre, Technikschrott an den Wänden und Gänge mit 5 m Blick erkennen lässt; dabei ist die Dekoration für den Moment durchaus in Ordnung, aber halt immer die gleiche, und man hat auch Angst, dass einer der Darsteller mal dagegen und die ganze Chose umrennt. Eine kalte, düstere Umgebung, die so schon unwirklich und bald noch zum Hort des Grauens und zum Kampf auf Leben und Tod wird. Dabei sind die Teilnehmer in diesem Schreckensszenario übrigens eher unsympathisch, bis abstoßend gar, das zieht sich durch die gesamte (aggressiv-depressiv-passiv wirkende) Belegschaft und hört vielleicht kurz vor der eigentlichen Hauptperson auf, dem Kloputzer vom Dienst, dem Mann mit dem Mopp, der schon aufgrund seiner niedrigen Stellung als kleines Rad in der Maschine dem Zuschauer wenigstens etwas warm vom Gefühl her wird und ein wenig an das Herz doch wächst (und später statt wie Willis Anno 1987 herum die Krabbel- und Kletteraktionen im Ventilationsschacht übernimmt). Der Rest ist derbe, verhärtet, dem Alkohol und härteren Drogen verfallen, lässt andere für sich arbeiten und hat auch sonst keine Art, zumindest buhlt die Regie nicht um Zuneigung für die Pappkameraden hier und konzentriert sich auch durchaus auf einen langsameren Spannungsaufbau, der einige Fragen zum Nachdenken in den Raum stellt und auch nicht gleich mit der Tür in das begrenzte Haus fällt.
So ca. am Ende des ersten Drittels platzt dann doch die Bombe, oder wird eher ein Mann von innen heraus entzwei gerissen und sein Blut und die anderen Säfte im ganzen Zimmer versprengt, später dann u. a. der Schädel einer Frau an der Wand aufgeschlagen, eine Halsschlagader durchgebissen, ein Thorax komplett durchschlagen und andere 'Nettigkeiten' aus dem Effektefundus präsentiert. Ein 90er Jahre Videotheken-Schlocker mit teils unfertig wirkender Montage, ein Doom für Arme oder doch gleich sowas wie Doom: Annihilation, mit einer Stimmung zwischen Grauen, Dystopie und (un)(frei)(williger?) Parodie, ein Zombie-Alien-Parasiten Mischmasch im grau/stahlblau/grünen Brei, stets im Trüben fischend, sich redundant im Kreise oder auch im Labyrinth drehend und irgendwie seltsam unangenehm scheinend, was durch die Anwesenheit von Willis, der hier tatsächlich mehr als üblich (und nach dem Motto "Aren't you supposed to be some sort of fucking badass?") vorhanden ist, auch nicht besser oder glänzender wird, sondern dadurch noch eine Spur niederer als so schon wirkt. So richtig zu Potte kommt der Schlunz hier mangels eigener Ideen nicht, außerdem wäre nicht schlecht gewesen, wenn man sich um gescheites Mündungsfeuer gekümmert hätte statt um diese einkopierten 'Blitze', zumal kurz vor knapp einige knackige Kampfszenen geboten werden, in denen die körperlich unterlegenen Menschen wie Puppen durch die Gegend und auf den Boden geschleudert sind.