Russell Crowe wird langsam zum ultimativen Exorzisten?!
Nachdem Russell Crowe letztes Jahr schon in „Pope's Exorcist“ als Nummer 1 des Vatikans gegen düstere Dämonen und böse Eindringlinge in unsere menschliche Welt kämpfen und mit Weihwasser um sich werfen durfte, schiebt er nun ein weiteren (unfassbar generisch klingenden) Titel dieses erweiterten Subgenres nach. Der Mann scheint eine Schwäche für solche Schinken zu haben. Oder einfach recht dicke Checks für ein paar fake Predigten und Teufelsaustreibungen zu bekommen. So oder so: in „The Exorcist“ packt er immerhin noch eine (Meta-)Ebene drauf und spielt einen ehemaligen Alkoholiker und Schauspieler, der am Set seines neuen Exorzismusschockers in alte Dunkelheiten gerät, sodass seine Tochter schon bald an einen Suchtrückfall glaubt. Oder sind hier weitaus sinistere Kräfte am Werk?
Hübscher Etikettenschwindel
„The Exorcism“ ist besser als er sich liest. Oder sein Titel klingt. Das ist nicht schwer und heißt noch nicht allzu viel - aber es ist ein Anfang. Viel eher Alkoholikerdrama als Geistergrusler, viel eher mit persönlichen und intimen Verbindungen zu Friedkins Klassiker als weiteres Plagiat, da der Regisseur im echten Leben kein Geringerer ist als „Pater Karras'“ Sohn. Dazu ein Crowe, der hier durchaus etwas Packan und Substanz bekommt mit dem er arbeiten kann. Noch dazu sieht „Exorcism“ ordentlich aus, die Verbindungen zu „Der Exorzist“ sind im Film sowie in seiner Entstehungsgeschichte bzw. hinter der Kamera interessant, die Einblicke an's Set eines Horrorfilms sind clever eingewoben. Und so ergeben sich viel mehr Ebenen und (falsche?) Fakten als man unvorbereitet vielleicht erwarten würde. Durch diese mehreren Schichten und Ansätze verliert „The Exorcism“ aber auch seinen Fokus und einen Anker aus dem er Kraft, Antrieb und Ziel ziehen könnte. So ist er nett und adrett, aber für keine seiner möglichen Zielgruppen wirklich packend oder befriedigend. Das verlorene Drehwochenende. Solide Vater-Tochter-Geschichte. Ein paar nette Jumpscares. Schön Sam Worthington mal wieder zu sehen (ohne blaue Haut). Das mehrstöckige „Set“ sieht cool aus. Im Finale dann aber doch nur ein flaches Blitzlichtgewitter und Schreifest.
Der Gladiator als des Teufels letzte Hürde…
Fazit: hochwertig und nicht ganz hohl. Viel eher Drama als Horror, eher Charakterstudie als Grusler, eher meta als mega. „The Exorcism“ weiß nicht immer genau, was er sein will noch wie er das/sich bewerben soll. Obwohl unter der Oberfläche mehr schlummert als man meint!