Review

Psychologischer Barfight


Kommt ein Typ während eines Schneesturms in eine leere Bar. Dort erzählt er dem Barkeeper eine aufgeblasene, lahme Geschichte. In seiner Geschichte erzählt ein Typ ebenfalls eine Geschichte - noch nichtssagender und künstlich auf spannend gemachter als die zuvor. Dann erzählt der Barmann eine Geschichte. Und in dieser gibt es eine weitere Geschichte. Und dann erzählt der andere Mann seine Geschichte weiter bzw. den Anfang dieser. Spannung soll in der Luft liegen. Und so weiter, und so fort - und am Ende soll es dann eine große, what-the-fuckige Erkenntnis geben. Ne, Leute, sorry. Aber nicht mit mir. Das waren 85 Minuten, die ich nie mehr wieder bekomme...

Ich mag Cody Calahans „Let Her Out“ und halte seine Clique (mit u.a. Chad Archibald) definitiv für Stimmen im Horrorzirkus, die der geneigte Fan im Auge behalten kann, mit denen man stark sympathisieren darf. Aber die (spürbare) Theaterstückverfilmung „The Oak Room“ hat mich maßlos enttäuscht und fast schon aufgeregt. Die Darsteller erzählen mit Hingabe, der Score zieht gerade gegen Ende nochmal gut durch und die Atmosphäre des verschneiten, erweiterten Kammerspiels ist da - der Rest und das Gesamtbild sind für mich aber eine Farce und eine unausgezahlte Geduldsprobe. Die einzelnen Geschichten an sich sind bescheiden (und das ist noch nett gesagt!), der Film ist massiv arm an Höhepunkten, es passiert einfach nichts. Und das ist hier echt keine Übertreibung oder dem Frust geschuldet. Es passiert einfach nichts. Es passiert nichts. Wahnsinn. Nur Gelaber und Angedrohe, mit einer Pointe, die meint, sie wäre wunderswie geil - nur um der Langeweile und Bedeutungslosigkeit die Krone aufzusetzen. Vielleicht ist an mir etwas vorbeigelaufen (dabei bin ich mir der Verbindungen der Figuren/Stories durchaus bewusst), vielleicht zieht diese prätentiöse Lesestunde bei anderen mehr. Für mich ist das allerdings ein erstaunlicher Ärgernis. Ein Thriller ohne Thrill. Die suboptimale Art, die heutzutage oft auf Netflix landet und dort gnadenlos untergeht. 

Fazit: Kammerspiel, Geschichtenlabyrinth, Schlaftablette, Atmosphärebrocken, Theaterstück. Aber vor allem gefühlt ein frecher, filmischer Antiwitz, der bei mir überhaupt nicht zündet. Eine absolut dröge und redselige Farce. 

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