Review
von Leimbacher-Mario
Father's Day
Eine Krankenschwester wird in einen Strudel aus Gewalt und Vorwürfen gezogen - denn ein Vater verdächtigt einen Mann seine Tochter vergewaltigt zu haben und prügelt diesen nun in ihrer Wohnung windelweich. Bis dieser die Gelegenheit erhält Verstärkung zu rufen, wodurch das Ganze noch mehr eskaliert und die Wände a la dem alten Irishman rot „gestrichen“ werden...
„For The Sake of Vicious“ lief dieses Jahr auf dem sympathischen Hardline Festival, hätte jedoch auch ohne Probleme (wahrscheinlich auf dem ersten Tagesslot) bei größeren Genrefestivals wie dem Fantasy Filmfest laufen können. Ein zackiger und erbarmungsloser Spin auf das Home Invasion-Subgenre mit realistischen Kämpfen bis in den Tod, mit Hammer und Haushaltsgegenständen, mit einem sensiblen Grundthema und aufopferungsvollen, frischen Gesichtern. Manchmal wirkt das Ganze eher wie eine Fingerübung oder ein Showreel der Stuntleute oder des Kampfchoreographen, einen Aufbau und damit auch eine Fallhöhe oder großartige Figurenzeichnung gibt’s kaum, die Geschichte ist nebensächlich - es geht gänzlich um das unangenehme Gefühl, brodelnde Gewalt, überfällige Rache und zittrige Wahrheiten. Und das funktioniert. Knackig kurz, unterlegt mit elektronischen Bässen und Tönen, stampfend und wälzend, voller Ungewissheit und Machtspielchen. Eine Spirale der Gewalt, Eskalation pur. Unangenehm authentisch, lobenswert auf dem Boden geblieben. Ein Zwischensnack aus der Knochenbrecher Schule. Nicht großartig - aber keine Sekunde langweilig! Ein Mitternachtsklopper um's Überleben, mit amateurhaften Kämpfern, was das Ganze noch nachvollziehbarer und fühlbarer macht.
Fazit: brachiales, kleines Brett! Einfach und effektiv. Hart und herzlich. Simpel und stark. Eine intimere Mischung aus „Green Room“, „The Raid“ und „Daddys Little Girl“. Hammermässige Home Invasion - auch wortwörtlich gemeint. Etwas fehlt die Substanz - Härte, Rache, Gewalt stehen hier allein auf weiter Flur.