Review

MILFs, Tentakel & Handmassagen


„The Deep Ones“ hat grundsätzlich das Zeug mein Herz zu erobern, eine versextere Mischung aus „The Void“ und alten Stuart Gordon-/Bryan Yuzna-Vehikeln zu sein. Leider hält er dieses Versprechen nicht oder nur spärlich. Sicher kann man das auf das extrem begrenzte Budget und die an allen Ecken sichtbar limitierten Möglichkeiten schieben, doch irgendwie krankt es bei diesem Horrorindie noch an deutlich mehr... Wir folgen einem mittelalten, aber noch verdammt knackigen Pärchen, das gerade eine Fehlgeburt durchlebte, in ein Ferienhaus. Dort sind nicht nur die Vermieter schwanger plus sehr schräg drauf, die ganze ansässige Gesellschaft scheint kultig Cthulu und Co. zu huldigen...

Filme müssen sich der Filmlandschaft stellen. Der kompletten. Und die ist nunmal momentan offener und zugänglicher für uns alle denn je. Von Spitzenklasse bis Low-Budget-Untergrund stehen uns alle Tore auf, von Streaming über Festivals bis (Heim-)Kino, von Klassikern bis brandaktuellen Titeln. Und daher kann man einen „The Deep Ones“ nicht in Watte packen oder außer Konkurrenz laufen lassen. Gerade durch seine (lobenswerten!) Retrovibes muss/darf/kann man da sogar mit „Dagon“, „Re-Animator“ und Co. in dieser Richtung vergleichen. Und da zieht er einfach gnadenlos den Kürzeren. Dennoch ist dieser „Fluch“ gleichzeitig auch etwas Segen, da ich einen „The Deep Ones“ immer noch zehnmal lieber nehme als die neueste Asylum-Produktion oder gar den nächsten herzlosen Hollywood-Blockbuster a la „Transformers“. An seinen eklatanten Schwächen wie seiner werkstreuen, aber total basic Geschichte, seinem oft schmerzhaften Trashappeal oder dem erstaunlich zaghaften Härtelevel ändert das aber natürlich nada. Für die reifen Ladies wurde das Wort MILF erfunden, es geht immerhin zwischendurch schleimig und trippig zur Sache, die Kritik an der abgehobenen Oberschicht und Sekten ist unübersehbar (sich selbst?!), der Score fügt sich solide ein und Lovecraft liegt mir (am Herzen). Sicher/Hoffentlich hatten alle  Beteiligten auch Spaß am Set. Laufzeit hält sich ja auch in Grenzen. Aber irgendwie wird man das Gefühl nicht los, dass es sich hier eher um ein lustiges Treffen unter (Szene-)Freunden gehandelt hat, dass mit etwas Matsch, Ekel und Sex aufgewertet und als Film verwurstelt wurde. Ein Lückenfüller. Die Wertung ist sogar noch generös. 

Fazit: eine der trashigsten Lovecraft-Verfilmungen seit langem. Definitiv mit sexy Vorzügen und handgemachter Monster(sex)action, charismatischen Mal-nicht-Teenagern und grundsätzlichem Sympathiebonus. Aber ehrlich gesagt alles andere als ein guter Film... Nicht mehr als billigste, naive Mitternachtsmatscherei - aber das darf ja auch mal sein... Gut gewollt, spärlich gekonnt. Schade. 

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