Review

Lasst die Leinwand sich rot färben 


Ich liebe Filme, die im Kino selbst spielen. „Demons“ etwa. Oder der letztjährige „Porno“. Oder das vielschichtige Meisterwerk „Angustia“. Das argentinische Edelhorrortrashkunststück „Al Morir La Matinee“ (der international wahrscheinlich unter dem Titel „Red Screening“ laufen wird) reiht sich da nahtlos, sympathisch und sogar manchmal spektakulär ein, irgendwo zwischen Huldigung unseres Hobbies, unserer Lichtspieltempel und einer modernen, südamerikanischen Spielform des Giallos. In dem famos ausgeleuchteten Indie-Slasher „verirren“ sich ein paar Leute in einer regnerischen Nacht in einem alten, großzügigen Kinosaal für einen cheesy Horrorfilm. Manche interessieren sich anfangs null für den Film, andere lieben das Genre und sind ganz konzentriert, andere wollen eher knutschen und ein Junge hat sich reingeschlichen und traut seinen Augen kaum zwischen purer Angst und massiver Faszination. Das Gefühl kennen wir alle. Aber ein Besucher dieser Spätvorstellung interessiert sich am allerwenigsten für den Film und eher für die Zuschauer - und deren spektakuläres Ableben... 

„Al Morir la Matinee“ ist im Grunde „nur“ ein brutaler, stylischer Slasher im Kino, eine Mischung aus „Opera“, „Angustia“ und „Scream 2“ - aber eben ein Herzfilm. Klar von einem Fan für uns Fans, mit etlichen Plakaten der genannten Vorbilder im Hintergrund, mit tollen praktischen Gorespitzen, einem unglaublich guten, pushenden, kitzelnden Score, einem fiesen Killer, dessen „Augen-Sammel-Stick“ ein Fest und Highlight ist. Da fällt es mir leicht, dieser „blutroten Leinwand“ zu huldigen. In Zeiten wie diesen, ohne allzu viel Kino und mit vielen Betreibern im Kampf um ihre Existenz, mehr denn je. „Red Screening“ fängt die „Faszination Horror“ gnadenlos gut ein, gerade aus der Sicht des seine „Unschuld“ verlierenden Jungen. Jeder Gast im Kino kann spektakulär das Zeitliche segnen, jeder Kill hat diese Details, die jubeln lassen, das Kino fühlt sich authentisch und oldschool an, es gibt massig Metaebenen, den gezeigten Splatter-Frankenstein-Film auf der Leinwand im Film will ich ebenfalls sehen. Hier stimmt einfach so viel... positiver und leidenschaftlicher kommen Überraschungen nicht. Warum nichtmal solche Filme in europäischen Kinos zeigen, gerade wenn der Nachschub aus Hollywood verrinnt/sich unbestimmt verschiebt?! „Al Morir La Matinee“ ist ein absoluter Nischentitel, der dem richtigen Publikum aber vorzüglich munden und es an unschuldigere, naivere Zeiten erinnern wird. Einzige Wermutstropfen und leichte Abzüge: es sind recht viele Figuren - und zu kaum einer hatte ich eine echte Verbindung, mir war weitestgehend egal wer draufgeht. 

Fazit: famoser kleiner Neo-Giallo als Huldigung für die Bavas und Argentos, der Kinos und Horrorfans unserer Welt. Ein saftiger Slasher mit feinsten Retrovibes, genug Härte, Frische und Hommagen in genau richtiger Balance. Überraschend hochwertig. Macht Maximales aus seinem Budget. Ein südamerikanischer Exot, den es unbedingt zu entdecken, zu loben gilt und der alle Sympathien auf seiner Seite hat. Da fällt das Verlieben leicht. 

Details
Ähnliche Filme