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Obgleich es Uruguay innerhalb Lateinamerikas wirtschaftlich nicht schlecht geht, werden dort vergleichsweise wenige Filme produziert, noch seltener stammen sie aus dem Horrorbereich. Den letzten erwähnenswerten Beitrag lieferte 2010 „Silent House“ und auch Regisseur Maximiliano Contenti stand augenscheinlich ein eher geringes Budget zur Verfügung, was er jedoch mit handgemachten Gewalteinlagen und einem stimmigen Setting zu kaschieren vermag.

Montevideo, 1993: Die Spätvorstellung des Kinos Cinema Opera ist nicht sonderlich gut besucht, so kann sich Filmvorführerin Ana besser auf ihr Studium konzentrieren. Dabei ahnt sich nicht, dass ein vermummter Killer sein Unwesen im Kinosaal treibt und einen Zuschauer nach dem anderen nach dem Leben trachtet…

Einfach mal die Smartphones weglassen und einige Jahrzehnte zurückschalten, als der Film im Kino noch per Hand in Gang gesetzt wurde. Eine Meta-Ebene ist hier natürlich vorprogrammiert, denn die Vorstellung zeigt die englischsprachige Variante eines recht blutrünstigen Frankenstein-Stoffes, bei dem die Morde teils Hand in Hand mit denen im Kino einhergehen. Speziell zu Beginn scheint der Killer seine Tat auf eine Szene im Film abzustimmen, damit er an einer eher lauten Stelle zuschlagen kann.

Leider bringt das Drehbuch keinen Sympathieträger hervor, bis auf einen Jungen, der sich nach der eigentlichen Vorstellung hinterm Sitz versteckt und sich somit einem für ihn nicht geeigneten Stoff zuwendet. Ansonsten finden sich drei jüngere Labertaschen, ein arroganter Kontrolleur, ein Paar bei dem sie besonders ignorant und zickig erscheint und ein älterer Herr. Selbst Ana kommt nicht übermäßig charmant rüber, obgleich sie ihrem hustenden Vater anfangs einen Abend im Kreise der Familie ermöglicht.

Über die Motive des Schlächters erfährt man nur marginal ein wenig, was insgesamt eher wahllos anmutet. Seine Taten stehen bei alledem natürlich im Vordergrund und die reichen über Messerstiche, Kehlenschnitt, Stange im Kopf bis zum zertrümmerten Schädel, während der Frankenstein-Trash einen Ast in der Kehle und ein Fernrohr im Auge beinhaltet.
Die Qualität der Effekte kann sich durchaus sehen lassen und erinnert in seiner teils triefenden Form an einige blutige Vorbilder des italienischen Kinos der 70er und 80er.

Argento stand bei alledem gleich mehrfach Pate, denn Bezüge zum klassischen Giallo sind ebenso auszumachen wie das Spiel mit Licht und Schatten, während Nahaufnahmen von Augen und Händen ein wenig an Fulci erinnern. Zudem finden sich allerlei richtungweisende Filmplakate und der Score ist nicht von ungefähr an die Instrumentierung von „Goblin“ angelehnt.

Während die Atmosphäre im Lichtspielhaus recht stimmig ausfällt und die Mimen einigermaßen tauglich performen, finden sich Spannungsmomente eher selten, zumal die erste Hälfte eher lahm vonstatten geht und erst in den letzten Minuten ein wenig mehr auf die Tube gedrückt wird. Überraschungen sind kaum zu verzeichnen und auch Versuche makaberer Situationskomik sind überaus rar gesät.

Somit richtet sich das Werk eher an Zuschauer, die auf der momentan oftmals bevorzugten Retro-Welle ein wenig Nostalgie tanken möchten, Slasher-Fans sind überdies angesprochen.
Aufgrund des wenig kreativen Drehbuchs und den eher uninteressanten Figuren kein sonderlich erinnerungswürdiger Beitrag, mitnehmen kann man ihn aber.
6 von 10

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